Ein letzter Kaffee vor der Abreise, der Freund sitzt am Tisch und will Tipps für Thailand. Ein Land, das ich über zwanzig Mal bereist habe. Thailand, das Mallorca der Millennials, denke ich immer, wenn ich höre, dass da jemand hinwill. Aber egal. Es ist schön. Irgendwann fragt mich der Freund: "Wie viel hast du für deinen letzten Flug bezahlt?" – "900 Euro", sage ich. "Pro Person, Hauptsaison."

Der Freund lacht. Er reist mit Frau und drei Kindern und hat nur 1.500 Euro bezahlt. Insgesamt. Ich staune. Er klappt den Laptop auf und führt mich ins Preis-Hacking ein.

Flüge werden im 21. Jahrhundert selten in Reisebüros gebucht, eher über Seiten wie Kajak, Google Flüge oder Skyscanner. Diese Anbieter wissen sehr viel über uns. Auch weil viele Leute sich mit ihren Facebook-Accounts bei ihnen anmelden und damit verraten: wie oft sie reisen, wie reich sie sind, wie sie mit Geld umgehen. Algorithmen können das errechnen.

Diese Flugsuchen machen uns Preisangebote, die auf der Region basieren, aus der wir buchen. Berliner brauchen’s günstiger, Münchner sind ja sowieso alle Zahnarzt, Hamburger tragen Einstecktuch und wohnen in Blankenese. Und es geht noch weiter: Polen haben weniger Geld als Deutsche, Franzosen auch. Die Schweden und Schweizer essen mit goldenen Löffeln. Suchdienste für Flüge nutzen das aus und bieten unterschiedliche Preise für unterschiedliche Länder an – und passen sie dann noch an, je nachdem, ob irgendwo gerade Urlaubssaison ist. Aber nicht nur die Flugsuchmaschine kann tricksen – man selbst auch.

Ein VPN macht das möglich. VPN steht für Virtual Private Network. Eine Software, die jeder Internetseite vorgaukelt, man steuere sie aus einem anderen Land an, indem es die Verbindung über einen Server im Ausland umleitet. So wird aus dem Laptop in einem Berliner Café ein Computer, der in Warschau steht – über die sogenannte IP-Nummer, mit der sich jedes Gerät im Internet anmeldet. VPN-Programme gibt es leicht im Netz zu kaufen, der Anbieter HideMyAss ist zu empfehlen. Kosten: etwa 70 Euro im Jahr.

"Aber du hast doch keine Ahnung von Computern", sage ich dem Freund. Er grinst. "Musst du auch nicht, du wählst einfach ein Land aus, klickst es an, und dann bestellst du aus Polen."

VPNs werden verwandt, um die eigene Identität zu verschlüsseln; Firmen benutzen es, um Mitarbeitern Zugänge auf die internen Server zu legen, und der Bürger: Er bucht zum Beispiel günstige Flüge damit. Einfach ein Land mit einem geringen BIP auswählen oder das Land, aus dem eine Fluglinie stammt, und die Reisekosten können deutlich sinken. Mein Freund zeigt mir Rechenbeispiele. Ein Flug von Berlin nach Chicago mit United. Würde ich den Flug aus den USA buchen, wäre er zum Teil 50 bis 150 Euro günstiger. Die Tatsache, dass ich von Deutschland aus ins Netz gehe, treibt den Preis nach oben. Ein Klick mit der VPN-Software, ich wähle einen US-Server und spare tatsächlich 50 Dollar.

Es funktioniert. Gut zu wissen, dass die Algorithmen nicht nur uns durchschauen, sondern wir manchmal auch sie.

Thilo Mischke ist 150 Tage im Jahr unterwegs. Hier gibt er in loser Folge im Wechsel mit Stefan Nink seine Tipps und Erfahrungen weiter.