Das Golfspiel wurzelt – wer wollte das bestreiten – zutiefst im Kosmos der Romantik. Vor Tau und Tag schultern wir unser Werkzeug und brechen auf, naturtauglich bekleidet. Herzerweiternder und idyllischer könnte kein Ort sein: Wiesen überziehen Hügel, dazwischen wildes Buschwerk, uralte Solitäre, Bäche, Teiche. Fernwehe Blicke streifen den Horizont. Im Ohr begegnen sich das Tsi-lit der Bachstelze und das Zi-zie-zirrrr der Blaumeise.

Der Ball ruht auf dem Tee. Weit schweift das Auge bis zum nächsten Green. Sanft schaukelt sich der Körper hoch, nimmt Schwung – und dann? Wackelt eine Plastikschachtel auf Rädern durchs Idyll.

Ein Golfmobil. Auch unter den Namen Golfwagen, Golfcar oder nachlässig-liebevoll Golfcart ("Karre") bekannt. Ein motorisiertes kleines Landfahrzeug, typischerweise zweisitzig, ohne Fenster und Türen, aber mit Dach. Am Heck schaukelt der Bag.

Solche Fahrzeuge kreuzen seit einiger Zeit überall, auch im Stammland der Romantik, die Fairways. 5000 bis 5500 sind auf deutschen Golfplätzen schon unterwegs, es werden täglich mehr. Das wirft Fragen auf. Schwärmt der Golfer nicht gern von der Bewegung an der frischen Luft? Ist Golfen nicht seit 2016 – nach 1900 und 1904 – wieder eine olympische Sportart? Versuchen die Golfclubs nicht mit viel Liebe und Mühe, ihren immensen Landschaftsverbrauch als Landschaftspflege und Brutstätte ökologischer Nischen aufscheinen zu lassen? Wie passt zu diesem Bild vom naturnahen Sport, dass bei dessen Ausübung ein motorisiertes Transportgerät für Fußkranke eine Rolle spielt?

Auf der Suche nach einer plausiblen Erklärung besuchen wir Dirk Müller-Haastert. Er ist Chef der Cart Care Company und der deutsche Vertreter einer der ganz großen Golfauto-Marken: Club Car. Der Mann arbeitet schon seit 1996 in der Branche, zuerst hat er den Vertrieb des Mitbewerbers E-Z-Go (sprich: i-si-go) mit aufgebaut. Seit 2010 ist er deutscher und dänischer Distributor für das in Augusta, Georgia, beheimatete Unternehmen Club Car, das keine zehn Kilometer entfernt vom Augusta National Golf Club ("The Masters") seinen Firmensitz hat.

Unser Treffen findet in der Niederlassung im rheinischen Mettmann statt, neben dem Neandertal.

Hier ist Golfland pur; allein 15 Golfplätze liegen in der Nähe. Und Mettmann ist die Heimat von Heroen wie dem Major-Titel-Gewinner Martin Kaymer und dem BMW-Masters-Sieger Marcel Siem. Die Golfsaison beginnt soeben; es mögen an die 100 Carts auf dem Firmengelände und in den Hallen stehen. Beige Zweisitzer mit Sonnendach, dunkelgrün eine Art Mini-Cabriolet, Doppelkabinen in Nutzfahrzeugweiß mit kleiner Ladefläche.

Die Basis all dieser Fahrzeuge ist meist die gleiche: ein Kunststoff-Chassis mit vier kleinen Rädern, Gaspedal, Bremspedal und Lenkrad. Und dann kann man je nach Ausstattungsgrad alles dazuhaben, was das Herz begehrt: Windschutzscheibe, auch teilbar, mit oder ohne Scheibenwischer, Ballreiniger, Blinker, Rückspiegel und Zusatzbremse bis zum Kühlfach, zum integrierten Bildschirm und Getränkedosenhalter. Sogar Heizung ist möglich – es sind komplette E-Autos in klein, die Müller-Haastert anbietet.

Bleibt die Frage: Warum nur, Herr Müller-Haastert, brauchen Golfer beim Golfen einen fahrbaren Untersatz?