Gedrängel im Entree der Hunke-Villa, wobei die Bezeichnung nicht ganz korrekt ist. Es gibt nicht nur eine Hunke-Villa, es sind zwei, zwei prächtige Gründerzeitbauten am Mittelweg, und dazwischen steht ein Bürogebäude. Das gehört alles zusammen: die drei Häuser und der Vorplatz mit einem Springbrunnen, der, weil er so modern ist, auch gut nach Manhattan passen würde.

In der einen, von der Straße aus gesehen linken Villa – wie der Rest an Gebäuden und Parkplätzen und esoterischen Pflanzen im Besitz des früheren Versicherungsunternehmers, Publizisten und Ex-HSV-Präsidenten Jürgen Hunke – präsentiert der chinesische Künstler Feng Lu seine Skulpturen. Herr Hunke hat eingeladen, es dürfen alle kommen und durch die Hunke-Villen streifen, die linke wie die rechte.

In der rechten ist eine Galerie, dort hat der Hausherr Hunderte Buddhas zum Verkauf vorrätig. Wenn man durch diese rechte Hunke-Villa läuft, dann fühlt man sich wie im Traum eines durchgeknallten Sinologen. Noch ein Stockwerk mit Buddhas und noch eines, und irgendwann treffe ich zufällig den Tom-Tailor-Gründer, Jetsetter und Weltkenner Michael "Micky" Rosenblat. Er erklärt mir, dass man viele Buddhas braucht, weil die Buddhafiguren verschiedene Funktionen haben: einen für Wohlstand, einen, um Feinde abzuwehren, einen für die Gesundheit und so weiter.

Außerdem braucht man neue Buddhas, weil Buddha-Statuen das Karma des Hauses aufnehmen, in dem sie herumstehen. Und wenn der Buddha, sagen wir mal, aus dem Salon eines sadistischen Despoten stammt, dann hat man diese echt miese Energie in die eigenen vier Wände importiert.

Ich hätte Micky Rosenblat gern noch länger zugehört. Er erzählt von Jerusalem, wohin er diese Woche reisen wird, seine Mutter besuchen, und danach geht es nach Ibiza. Was für eine coole Mischung, erst die Kulturwiege, dann das Partyareal. Aber Rosenblat muss los, und so streife ich allein weiter zwischen den Buddhas umher.

Welches Karma hat wohl ein Hunke-Buddha, frage ich mich? Ob mir das guttäte, ein wenig Hunke-Spirit in meiner Wohnung? Was ist eigentlich der Hunke-Spirit? Seine Bücher heißen: Ausreden – die neue Volkskrankheit, Die untrainierte Gesellschaft, Wohlfühlen – der Megatrend. Meiner Frau würde es gefallen, wenn ich mich nicht so oft herausrede, zum Beispiel was das Joggen angeht. Ich bin schon sehr untrainiert, mein Wohlgefühl liegt weit unter Trendniveau.

Ich werde mir einen Buddha bei Herrn Hunke kaufen, einen kleinen aus Bronze. Das beschließe ich, während ich zurückgehe in die linke Villa, wo sich die Leute vor der Sushi-Bar drängeln, als hätten sie noch nie Thunfisch auf Reis gesehen.