Es braucht schon eine Schraubzwinge für jeden Mundwinkel, um einen Pietisten zum Lachen zu bringen. Ausgerechnet im Herzen Schwabens, von Spöttern gerne auch der "Pietkong" genannt, machen zwei evangelische Pfarrer Kirchenkabarett. Sie nennen sich "Die Vorletzten". Wo doch schon Jesus in der Offenbarung mit seinen Worten "Ich bin der Erste und der Letzte" die wichtigsten Plätze belegte.

Alles begann in der Schwäbisch Haller Michaelskirche. Søren Schwesig, heute Stadtdekan in Stuttgart, wurde von seinem Kollegen Peter Schaal-Ahlers, der inzwischen als Münsterpfarrer in Ulm tätig ist, auf die Bühne gelockt. Das satirische Nummernprogramm der Gruppe "Die Achtlosen" war gegen die Kommerzialisierung des Sonntags gerichtet.

Die Resonanz überstieg alle Erwartungen. Seitdem tourt das Duo, in dem Schwesig eher für die Musik und Schaal-Ahlers für den Text zuständig ist, bis zu dreimal im Monat mit seinem nunmehr dritten Programm durch die Lande. Nach einer Ochsentour durch ungelüftete Gemeindehäuser wurden sie in Kirchenkreisen weiterempfohlen. Seit 2010 sind sie eine Attraktion auf jedem Kirchentag. Kabarett muss bissig sein und Pfarrer versöhnlich. Gibt es einen mildtätigen Humor? Wie machen die das? Schwesig nennt ein Beispiel: Er spielt einen Pfarrer vom Land, der seinen Dekan anruft, weil ein schwules Storchenpaar auf dem Pfarrhausdach nistet. Der Pietist kriegt dabei das Wort homosexuell nicht über die Lippen, spricht von anders, nicht normal, nicht bibelgemäß. Das theologische Referat des Oberkirchenrates fasst schließlich den Entschluss, einen Sichtschutz um die Störche zu bauen. Bigotterie sieht nur ein Problem, wenn etwas sichtbar ist. Mit diesem Sketch kritisieren die Pfarrer die württembergische Landessynode, die mit knapper Mehrheit gegen die Segnung homosexueller Paare stimmte. "Da schmunzeln sogar hartgesottene Frömmler", sagt Schwesig stolz.

Dass Protestanten reservierter lachen als Katholiken, zeigt sich dem Duo immer wieder. Liegt es an der ausgeprägteren Hierarchie? "Einen Joke über den württembergischen Landesbischof zu machen hätte doch überhaupt keinen Witz", sagt Schwesig.

Wenn die Geistlichen in Gotteshäusern spielen, steht eine Wand vor dem Altar. Das Heilige soll abgeschirmt sein, so wie Beruf und Hobby klar getrennt sind. "Vielleicht sind die Predigten noch pointierter als ohne Kabarett", sagt der Dekan. Andererseits: Wer Humor hat, nutzt ihn auch im Beruf. Es ist der Blick auf den Menschen, der den Seelsorger mit dem Kabarettisten verbindet. Sie regen ihre Zuhörer an, sich von der anderen Warte aus zu betrachten.

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