Eine gute Kita – das ist ein Platz zum Toben, Spielen und Lernen. Das sind aber auch Erzieher, die jenseits von Trösten, Wickeln und Füttern vorlesen, singen, mit den Kindern forschen und Ausflüge machen. Dafür braucht es Zeit für das einzelne Kind – und die haben Erzieherinnen nur, wenn sie genügend Unterstützung durch eine ausreichende Zahl an Kollegen haben.

Gute Kitas mit professionellen Fachkräften wollen auch SPD und CDU. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat gerade erst eine deutlich bessere Bezahlung von Erzieherinnen und Erziehern gefordert. Ihr Verdienst sollte auf das Niveau von Grundschullehrern angehoben werden, sagte die SPD-Politikerin. Schließlich seien "Kitas Bildungseinrichtungen". Im Koalitionsvertrag stehen 3,5 Milliarden Euro, mit denen die große Koalition die Qualität der Betreuung in den Kitas verbessern, gleichzeitig aber die Eltern bei den Gebühren entlasten will. Wie sich beide Ziele vereinbaren lassen, bleibt dabei fraglich, denn Gebührenfreiheit führt nicht zu besserer Qualität.

Unumstritten ist, dass die Qualität der Betreuung in einer Einrichtung vom sogenannten Betreuungsschlüssel abhängt. Dort hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan: Musste eine pädagogische Fachkraft in der Krippe 2012 rechnerisch 4,8 Kinder betreuen, waren es 2017 nur 4,3 Kinder. Das zeigt der aktuelle "Ländermonitor frühkindliche Bildung" der Bertelsmann Stiftung. Gleichzeitig bleiben die regionalen Unterschiede groß. In einigen Kreisen Brandenburgs betreut eine Fachkraft dreimal so viele Kinder wie mancherorts in Baden-Württemberg. Wissenschaftlich ist längst belegt, dass sich Kinder besser entwickeln, wenn eine Fachkraft für höchstens drei Krippenkinder verantwortlich ist. 4,9 Milliarden Euro jährlich würde es kosten, das für diese kindgerechte Betreuungsrelation notwendige zusätzliche Fachpersonal einzustellen.

Der Bedarf nach frühkindlicher Bildung wächst. Seit fünf Jahren steigt die Geburtenrate, mehr Menschen mit kleinen Kindern kommen nach Deutschland, und immer mehr Eltern wollen ihr Kind frühzeitig in die Kita geben.

Doch anstatt Qualitätsdebatten zu führen, sichern sich Politiker lieber die Zustimmung der Eltern, indem sie ihnen Wohltaten in Form von Gebührenfreiheit versprechen. Brandenburg plant, das letzte Kita-Jahr gebührenfrei zu machen, Mecklenburg-Vorpommern will die gebührenfreie Kita, und auch die niedersächsische Landesregierung hat angekündigt, ganz auf Kindergartenbeiträge verzichten zu wollen – und das, obwohl die Qualität in den Kitas zwischen Harz und Nordsee noch lange nicht stimmt. Würde man Eltern bundesweit von Kita-Beiträgen entlasten, würde das 4,4 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Nahezu die gleiche Summe also, die für das zusätzlich benötigte Personal für einen kindgerechten Betreuungsschlüssel aufgebracht werden müsste.

Die kostenfreie Kita ist langfristig ein gutes Ziel – zum jetzigen Zeitpunkt aber ein Irrweg. Nur für wenige Kinder würde sich etwas verbessern. Von einem bundesweit höheren Personalschlüssel dagegen würden alle Kinder profitieren. Wo es mehr Fachkräfte gibt, bleibt mehr Zeit, sich nicht nur um das Wohlbefinden der Kinder, sondern auch um ihre motorischen und kognitiven Kompetenzen und vor allem um ihre sprachliche Entwicklung zu kümmern. Bessere Arbeitsbedingungen für die Erzieherinnen und Erzieher sind zudem ein wichtiger Baustein, um dem steigenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Weniger Personal würde das Kita-System verlassen, hätte es bessere Rahmenbedingungen für eine gute pädagogische Arbeit. Fallen jedoch sämtliche Elternbeiträge weg, wäre die dringend notwendige Verbesserung der Betreuungsqualität auf absehbare Zeit ausgeschlossen. Ein katastrophales Signal. Denn am meisten darunter leiden würden jene, deren Bildungschancen am ehesten von einer guten Betreuung abhängen: die Kinder armer Eltern.

Solange es in Kitas immer noch Situationen gibt, die eher an Verwahrung als an Bildung erinnern, sollten und müssen auch Eltern weiter an den Kosten beteiligt werden. Und viele hätten gar nichts dagegen: Aus repräsentativen Befragungen weiß man, dass mehr als die Hälfte der Eltern bereit wäre, auf eine bereits bestehende Beitragsfreiheit zu verzichten, wenn sich dadurch die Qualität der Betreuung für ihre Kinder verbesserte. Knapp die Hälfte würde sogar höheren Beiträgen zustimmen.

Natürlich gibt es auch Familien, für die Kita-Beiträge eine Belastung sind. Zwölf Prozent der zahlenden Eltern sagen, dass dadurch ihre Lebensqualität stark eingeschränkt werde. Eine soziale Staffelung der Gebühren bleibt also auch weiterhin unumgänglich. Denn es wäre absurd, wenn die Gebühren ausgerechnet jenen den Zugang zur Kita versperren würden, die am meisten davon profitieren. Bislang erhalten fünf Prozent der Eltern in gebührenpflichtigen Kitas eine Befreiung aufgrund ihres niedrigen Einkommens. Die Entlastungen sollten hier weitergehen. Und die Politik sollte über einheitliche Kriterien für Gebühren und soziale Staffelungen diskutieren. So ließe sich auch die regional sehr unterschiedliche finanzielle Belastung der Eltern ausgleichen. Fest steht, dass von einer allgemeinen Beitragsfreiheit vor allem diejenigen Familien profitierten, die wegen ihrer guten Einkommen den höchsten Satz zahlen.

Entgegen aktuellen Trends in der Politik gilt daher: Die kostenfreie Kita ist der falsche Weg, zumindest solange es die gute Kita noch nicht flächendeckend gibt.