ZEIT: Fällt es Ihnen, Frau Widmer, denn manchmal schwer, wenn Sie mehr Geld ausgeben, als Sie selber verdient haben?

Widmer: Ich weiß nicht, ob ich das mache. Weil ich gar nicht mehr genau weiß, wie viel ich ausgebe. Aber am ehesten habe ich Hemmungen bei meinen Reisen nach Wien. Etwa sechsmal im Jahr fahre ich dahin, um Gesangsstunden zu nehmen.

ZEIT: Wann haben Sie sich das letzte Mal über Geld gestritten?

Widmer: Wir hatten bisher eine herausfordernde Situation mit einem Mitbewohner, der inzwischen ausgezogen ist. Das Geld spielte aber, wenn überhaupt, eine kleine Rolle.

Wüthrich: Ich denke auch nicht, dass es dabei primär ums Geld ging. Unsere Vorstellungen vom gemeinsamen Leben waren zu unterschiedlich.

ZEIT: Diskussionen über Geld gibt es bestimmt auch heute von Zeit zu Zeit.

Widmer: Jemand bekommt immer mal wieder eine Parkbuße. Da gibt es mal einen Spruch, manche ärgern sich möglicherweise auch darüber. Aber diese Parkbußen gehören zum Lebensstil dieser Person. Es gibt ihr die Freiheit, dass sie ihr Auto irgendwo abstellen kann. Das gehört zu diesem Menschen, so wie andere gerne teuren Käse essen. Zu meinem Lebensstil gehört es, teure Kosmetikprodukte zu kaufen oder dick essen zu gehen, jemand anders sammelt Vinylplatten. So haben wir eben alle unsere Eigenheiten.

Wüthrich: Solange es auf dem Konto genug Geld hat, beschäftigt mich wenig, wofür andere ihr Geld ausgeben. Das wäre vermutlich anders, wenn wir sehr knapp bei Kasse wären und plötzlich nur noch Parkbußen bezahlen, obwohl wir Nahrungsmittel kaufen müssten.

ZEIT: Wann haben Sie sich das letzte Mal etwas geleistet und es niemandem erzählt?

Wüthrich: Das würde ich jetzt kaum der ZEIT erzählen. (lacht)

Widmer: Ich habe auch schon Geld abgehoben und dann bar bezahlt. Damit man nicht sieht, was und wo ich eingekauft habe.

ZEIT: Wofür war das?

Widmer: Das weiß ich nicht mehr so genau. (lacht) Vielleicht eine teure Jeans?

Wüthrich: Ich glaube nicht, dass bei uns jemand auf dem Kontoauszug nachschaut, wofür andere ihr Geld ausgeben. Schließlich haben wir dieses System nicht installiert, um uns gegenseitig zu kontrollieren.

ZEIT: Wie hat die gemeinsame Ökonomie Ihren Umgang mit dem Geld verändert?

Wüthrich: Für mich hat Geld an Macht verloren.

Widmer: Es gab eine Zeit, in der ich meinen Erfolg als Sängerin davon abhängig gemacht habe, wie viel ich damit verdiene. Heute definiere ich den Wert meiner Arbeit nicht mehr über die Gage. Jetzt übe ich einfach mit Freude meinen Beruf aus und verdiene damit etwas. Wie viel, spielt nicht mehr so eine Rolle. Es ist alles viel gelassener geworden, weniger Stress.