Im vergangenen Herbst sollte das kleine Bild in dem großen goldenen Stuckrahmen noch 12,5 Millionen Dollar kosten. Zu diesem stolzen Preis boten die New Yorker Hammer Galleries Vincent van Goghs Studie eines pinken Fliederzweiges verschiedenen Sammlern zum Kauf an. Eine große Summe für ein kleinformatiges Bild ohne herausragende Bedeutung im Œuvre des Niederländers. Einen Käufer fand es nicht, denn viele Interessenten wussten, dass es sich um eine Art Notverkauf handelte. Eine vom US-amerikanischen Ölmilliardär Armand Hammer gegründete Stiftung wollte sich von dem Bild trennen, weil sie Geld für ihre kulturellen Aktivitäten benötigte. Und die Zeit schien günstig: Van Gogh hatte wieder einmal Konjunktur, auch wenn es sich im Fall dieses Werkes nur um eine kleinformatige Farbstudie aus seiner experimentellen Orientierungsphase in Paris handelte. Immerhin trägt es seine große Signatur, wie viele Werke, die van Gogh an Freunde verschenkte. So vergab die Hammer-Stiftung an die New Yorker Galerie mit Hammers Namen den Auftrag zum Verkauf. Auf diese Weise blieb wenigstens die Provision quasi in der Familie. Vielleicht sollten Sammler auch denken, das Gemälde komme direkt aus dem angesehenen Hammer Museum in Los Angeles. Dabei hatte die Hammer-Stiftung das Werk im Rahmen eines außergerichtlichen Vergleichs schon zehn Jahre zuvor vom Museum erhalten.

Erfolg hatten die Verkaufsversuche zunächst allerdings nicht. Im Februar war dann von einem immer noch hohen, aber deutlich realistischeren Preis von 4,5 Millionen Dollar die Rede. Das soll auch der Betrag gewesen sein, der Kaufinteressenten bei Eröffnung der European Fine Art Fair Anfang März in Maastricht genannt wurde, berichtete ein Interessent. Einen Tag später lautete die Summe dann aber wieder 9,5 Millionen Dollar. Inzwischen gab es nämlich zwei Sammler, die sich ernsthaft interessierten. Einer von ihnen lebt in Fernost. Mittlerweile ist das Bild verkauft, in welchen Teil der Welt, will die Galerie nicht preisgeben. Und auch dass am Ende tatsächlich 9,5 Millionen gezahlt wurden, bestätigt das Unternehmen nicht. Das berichtet inoffiziell ein Vermittler, dem der Van Gogh im Herbst angeboten worden war – und der heute froh ist, dass er bei derart beliebigen Preisen nicht kaufte.