Vielleicht haben wir einfach Glück gehabt.

Von der Dachterrasse meiner Wohnung aus kann man die Gemeinschaftsfläche unserer kleinen Siedlung überblicken: etwas Rasen, junge Bäume, die nicht viel hermachen, oft spielende Kinder, drum herum fünf dreigeschossige, in Gelb- und Ockertönen gestrichene Häuser. Es ist ein unspektakulärer Anblick, und doch stehe ich dort noch heute manchmal und staune darüber, was uns da gelungen ist.

48 Erwachsene, unter denen 46 vom Wohnungsbau keinerlei Ahnung haben, planen und errichten zusammen fünf Mehrfamilienhäuser. Das klingt abenteuerlich, als könnte es nur schiefgehen. Inzwischen stehen unsere Häuser seit fast zehn Jahren, die Bewohner sind zufrieden, die Baumängel haben sich in Grenzen und die Kosten im Rahmen gehalten. Besser hätte es kaum laufen können. Liegt es da nicht nahe, zu sagen, wir hätten Glück gehabt?

Wer als Laie ein Haus baut, wird sich dabei vorkommen wie ein Tourist, der sich im Dschungel verläuft. Schwer einschätzbare Risiken überall, vielleicht nicht lebensbedrohlich, aber womöglich existenzgefährdend. Nie hätte ich mir vorstellen können, dass ich mich einmal brennend für die Konstruktionsweise einer unsichtbar im Boden verlegten Wärmeleitung interessieren würde – bis sich herausstellte, dass sie fehlerhaft gebaut worden war. Vielleicht kennzeichnet auch das den Laien: dass er sich durch Missgeschicke nervös machen lässt, statt einzelne Fehler als unvermeidlich zu akzeptieren.

In Wirklichkeit waren wir nie auf uns allein gestellt. Wir hatten einen Baubetreuer, eine Architektin, eine Bauleiterin und einen Fachplaner für die Technik, alles Leute, die sich zurechtfinden in der für uns so fremden Welt des Wohnungsbaus.

Zwar sind Siedlungen wie unsere in Hamburg immer noch selten, einige Tausend Haushalte werden es inzwischen aber sein, die so gebaut haben wie wir. Karsten Wagner, unser Baubetreuer, arbeitet für die Lawaetz-Stiftung, eine von mehreren Institutionen in Hamburg, die Gruppen wie uns betreuen. Ungefähr 70 solche Gemeinschaften hat die Lawaetz-Stiftung im Lauf der vergangenen 18 Jahre begleitet. Komplett gescheitert, sagt Karsten, sei davon keine.

Initiativen wie unsere werden in Hamburg heute als Baugemeinschaften bezeichnet. Das ist nicht ganz abwegig, wir bauen ja wirklich gemeinsam. Und doch übersieht die Bezeichnung etwas Wesentliches. Uns ging es ursprünglich nicht darum, wie wir bauen, sondern wie wir leben wollten: gemeinschaftlich und ökologisch vertretbar, auf diesen Nenner lassen sich die unterschiedlichen Antworten der Einzelnen wohl bringen.

Von Baugemeinschaften wird eine ökologische Agenda verlangt

Alles gemeinsam: Auch die Gartenarbeit wird geteilt. © Verena Berg für DIE ZEIT

Wohneigentum zu erwerben erschien vielen von uns nicht sonderlich erstrebenswert, es war nur ein Mittel zum Zweck. Und einige sind sogar nach Hamburg gezogen, um Teil dieser Gemeinschaft zu werden.

Für uns war dies weniger eine Baugemeinschaft als ein Wohnprojekt, und das war vor einigen Jahren auch die gängige Bezeichnung. Wohnprojekte waren einmal Bestandteil einer linken Alternativkultur, wie Windkraftwerke und Bioläden. Wie jene sind sie inzwischen in der gesellschaftlichen Mitte angekommen, und wie jene haben sie ihr volles Potenzial womöglich noch nicht realisiert.

Der einzelne Bauherr, der sich am Wochenende und nach Feierabend sein Eigenheim errichtet, ist aus Hamburg inzwischen nahezu verschwunden. Es ist eine kuriose Pointe der Stadtentwicklungsgeschichte, dass an seine Stelle ausgerechnet die Erben einer Wohnkultur getreten sind, die sich einmal als links und alternativ verstand. "Die Häuser denen, die drin wohnen", die alte Hausbesetzerparole passt immer noch. "Schaffe, schaffe, Häusle baue" passt allerdings auch.

Frage an unseren Baubetreuer Karsten: Was hat sich geändert im Lauf der Jahre?

"Die Generation um die 60 kennt lange, ausschweifende Diskussionen mit Zigaretten und Wein bis tief in die Nacht", sagt er. "Die Generation um die 40 hat meist Kinder, möchte möglichst wenig Sitzungen und hat auch nicht den Anspruch, alles auszudiskutieren."