Porsche müsste man heißen. Oder Piëch. Diese beiden Familien, denen bis heute die Aktienmehrheit am Volkswagen-Konzern gehört, haben am Dienstag auf einen Schlag zusammen 822 Millionen Euro mehr Vermögen gehabt. Der Kurs der VW-Stammaktie stieg um über drei Prozent an, als bekannt wurde, dass Konzernchef Matthias Müller vor der Ablösung steht.

Der Übergang zum bisherigen VW-Markenchef Herbert Diess bricht über die 642.000 Mitarbeiter herein wie seinerzeit der Dieselskandal. Was war geschehen? Ein bisschen war es wie in einem Mafia-Epos: "Lass es wie einen Unfall aussehen!" Der Täter ist unbekannt, aber irgendjemand hat für den PR-Unfall gesorgt, dass am Dienstag der Wechselplan bekannt wurde.

Auf jeden Fall hatte das Handelsblatt Wind bekommen von den Personalplänen des Aufsichtsrats. Diess, so meldete die Wirtschaftszeitung am Dienstag, solle Müller schon sehr bald beerben, obwohl Müllers Vertrag noch bis 2020 läuft.

Oft werden derlei Meldungen dementiert oder nicht kommentiert. Der Konzern sah sich jedoch genötigt, eine Ad-hoc-Mitteilung herauszugeben: Man arbeite an einer neuen Führungsstruktur, am Freitag könne sie beschlossen sein. Auch Personalchef Karlheinz Blessing, so war in Aufsichtsratskreisen zu hören, werde sein Amt los.

Bloß – warum ausgerechnet jetzt?

"Das verstehe, wer will", sagte Deutschlands bekanntester Autoindustrie-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen am Dienstagabend der ZEIT. Auf ihn wirke die Mitteilung "wie eine Verzweiflungstat", der Aufsichtsrat um Hans Dieter Pötsch schade sich damit selbst.

Juristisch war das Unternehmen offenbar in der Zwickmühle. Nachdem in der Dieselaffäre womöglich börsenrelevante Mitteilungen zu spät kamen, war der Gedanke wohl: Besser eine solche Ad-hoc-Meldung zu viel als eine zu wenig. Doch damit war eine Frage in der Welt: Wieso?

Vermutung Nummer eins: Müller ist viel tiefer in Dieselgate verstrickt, als die Öffentlichkeit bislang weiß. Aber niemand im Aufsichtsrat deutet dies an. Auch die Staatsanwaltschaft Braunschweig bestätigte der ZEIT wiederholt, dass die Ermittlungen längst nicht abgeschlossen seien.

Naheliegender ist daher eine andere Antwort, Vermutung zwei: Müller war aus Sicht der entscheidenden Familien Porsche und Piëch nach den vielen Streitigkeiten und Kommunikationspannen ausgebrannt. Er habe wirklich müde gewirkt, so nach "null Bock" ausgesehen, sagt ein Branchenkenner, der ihn kürzlich auf einer internen Veranstaltung beobachtete.

Anscheinend hatte Müller auch an Ansehen eingebüßt. Verpatzte Interviews waren eher die Regel als eine Ausnahme. Seine Aussagen über die Verantwortung in der Dieselkrise wirkten mitunter arrogant und uneinsichtig. Zerknirscht zeigte er sich hingegen, als Anfang des Jahres herauskam, dass Volkswagen die Wirkung von Abgasen noch 2014 an Affen getestet hatte. Als das geschah, war Müller zwar noch Porsche-Chef gewesen, aber warum – so fragten sich viele – hat Volkswagen die Affenschande im Zuge der eigenen Dieselermittlungen nicht von sich aus zugegeben?