Für den Sotheby’s Prize 2018 stellt das Auktionshaus alle Gewohnheiten der Branche auf den Kopf. Es nimmt kein Geld, sondern gibt welches – und dann noch für "unbemerkte oder unterrepräsentierte Bereiche der Kunst". Dabei interessieren sich die Versteigerer weltweit sonst am meisten für Namen, die jeder kennt, weil sich mit ihnen auch das meiste Geld verdienen lässt. Aber nein: Hier winken bis zu 250.000 Dollar für das Museum mit der abseitigsten Idee.

Ist Sotheby’s unter die Mäzene gegangen? Eine Viertelmillion Dollar ist ganz schön viel für Häuser, die heute neben der künstlerischen Idee meist noch ein Finanzierungskonzept für ihre Ausstellung mitliefern müssen.

Doch die erste Preisvergabe von Sotheby’s 2017 an das Museum für zeitgenössische Kunst in Chicago (MCA) und das Nasher Museum in North Carolina macht zum einen klar, dass die Gewinner von je 125.000 Dollar renommierte Institutionen sind. Und ihre Projekte – im MCA wird 2020 eine Schau über Kunst und Revolution im Mittleren Osten und Südostasien zu sehen sein, das Nasher zeigt 2019 Pop-Art aus Lateinamerika – mögen sich zwar Regionen widmen, die von der Kunstgeschichte zu Unrecht vernachlässigt wurden. In den Themen beider Ausstellungen offenbart sich allerdings auch, wie gut sich die jahrzehntelang übersehenen Werke unter die gängigen Epochenbegriffe sortieren lassen.

Wenn man dann noch weiß, dass der Kunstmarkt in jüngerer Vergangenheit vor allem die sechziger und siebziger Jahre selbst durchforstet hat, um solche bislang unterbewerteten Positionen zu finden – und natürlich am Ende zu vermarkten –, geht einem die Doppelbödigkeit dieser Initiative auf: Sotheby’s investiert das Preisgeld. Und die Museen erledigen nicht bloß einen Teil der mühsamen Recherche. Sie adeln auch die Künstler. Denn nichts macht sie wertvoller als eine Ausstellung in einer angesehenen Institution. Echtes Mäzenatentum sieht dann doch anders aus.