Seine Nähe zum Wetter verrät Michael Fassnauer schon durch seine Büroadresse. Sein Meteorologieunternehmen Ubimet residiert hoch oben im Ares Tower im 22. Wiener Bezirk: eineinhalb Stockwerke mit imposanter Aussicht auf die Donau, das dahinter liegende Häusermeer und vor allem auf den Himmel über Wien. Weather matters prangt als Slogan neben dem Logo der Firma, die Fassnauer im Jahr 2004 gemeinsam mit seinem damaligen Studienkollegen, dem Meteorologen Manfred Spatzierer, gegründet hat.

Für die Idee, einen privaten meteorologischen Dienst zu starten, seien die beiden anfangs belächelt worden, erzählt Fassnauer. Der Bereich schien durch die staatlichen Wetterdienste der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (Zamg), der Flugsicherungsbehörde Austro Control und die Wetterfrösche des Bundesheeres zur Genüge abgedeckt zu sein.

Doch mittlerweile betreibt Ubimet Dependancen in Karlsruhe, München, Zürich, New York und Melbourne, in denen sich rund 250 Mitarbeiter mit dem Erstellen von Wetterprognosen beschäftigen. In den Wiener Großraumbüros, wo die globalen Fäden zusammenlaufen, reihen sich die Monitore vertikal und horizontal, Geschäftsführer Fassnauer spricht von mehreren tausend Kunden. Eine wall of fame vis-à-vis dem Empfang nennt etwa Deutsche Bahn, Asfinag oder die Flughäfen Wien und Düsseldorf. Gerade hat Ubimet die Ausschreibung gewonnen, für den Flughafen Doha Prognosen zu erstellen.

"Es gibt nur ein Wetter, aber es gibt verschiedene Informationsbedürfnisse", erklärt der studierte Chemiker. Darauf beruht sein Geschäftsmodell – und auch sein ehrgeiziges Ziel: "Wir wollen der beste Wetterdienst der Welt werden."

Noch nie waren maßgeschneiderte Prognosen so relevant wie heute – für die Wirtschaft wie für Private. Zu den Kunden von Ubimet gehören Versicherungen ebenso wie große Infrastrukturdienstleister, Bau- und Landwirtschaft. "Für Landwirte sind Frostwarnungen wichtig, sie wollen im Sommer aber auch rechtzeitig wissen, ob sie die Pumpen zur Bewässerung anwerfen müssen", sagt Fassnauer. "Bei Versicherungen ist bereits vor einem Hagelereignis klar, dass sie die Callcenter verstärkt besetzen müssen – vorab werden Versicherte per SMS gewarnt."

Seit drei Jahren berechnet Ubimet auch die Wetterprognosen der Formel 1 für alle Rennen weltweit. Nicht die einzige Kooperation im Profisport: Im Eingangsbereich der 2.000 Quadratmeter großen Wiener Headquarters hängt ein Foto des australischen Olympiasegelteams, das mit den Spezialprognosen aus Wien Gold eroberte und sich anschließend bei den Meteorologen persönlich bedankte.

Im Jahr 2012 stieg Red Bull als Mitgesellschafter bei Ubimet ein. Dem juvenilen Macher-Image des Wetterdienstes hat das nicht geschadet. Es präsentiert sich nach wie vor als Paradebeispiel eines zum Unternehmen gewachsenen Start-ups. Den sportlich-dynamischen Macher gibt auch Fassnauer. Der 41-Jährige trägt Slim-Fit-Anzug und versteht es, marketingwirksam über sein Unternehmen zu sprechen.

Der Einstieg von Red Bull ist kein Einzelfall: Konzerne setzen auf die Wetterlage

Prinzipiell sei für jedes Budget eine Prognose zu haben, sagt Fassnauer: "Es beginnt mit zwei Euro pro Monat, wenn es um die Unwetterwarnung für eine bestimmte Postleitzahl geht. Wir bieten aber auch Lösungen bis in den Millionenbereich." Umsatzzahlen nennt er keine: "Weil kein Mitbewerber Umsätze nennt."

Mitbewerber sind in Österreich vor allem die staatlichen Dienste. Spezialprognosen gehören schon seit dem Jahr 1990 zum Geschäft der Zamg. Damals wurde dem ältesten Wetterdienst der Welt, gegründet 1851, gestattet, auch kommerziell tätig zu werden. Direktor Michael Staudinger spricht von mehreren Millionen Euro, die diese Prognosen jedes Jahr einbringen. Unternehmen aus der Energiebranche sowie Straßen- und Pistenbetreiber sind ebenso unter den Kunden wie kommunale Schneeräumdienste.

Hinter dem Geschäft mit individualisierten Vorhersagen steht eine immense Verbesserung der Prognosen. "In den letzten drei Jahrzehnten haben wir pro Jahrzehnt einen Tag an Genauigkeit dazugewonnen", sagt Zamg-Direktor Staudinger. "Die Qualität der jetzigen Dreitagesprognose ist so gut wie die Zweitagesprognose vor zehn Jahren."