Nein, dieses Mal werden sie den Titel nicht veryoungboysen. Die 13 Punkte Vorsprung auf den großen FC aus Basel sind auch für den BSC Young Boys zu viel, als dass er die Fußballmeisterschaft noch aus der Hand geben könnte. Es wäre der erste Titel seit 32 Jahren für den Club aus Bern. Entsprechend euphorisch sieht man in der Bundesstadt dem Tag X entgegen.

Drei Freinächte hat der Polizeidirektor den YB-Fans, und das sind in diesen Wochen alle Berner, versprochen. Alexander Tschäppät, gelb-schwarze Partynudel und Berner Stadtpräsident a. D., träumt bereits davon, wie die Meister vom Balkon des Bundeshauses aus den jubeltrubelnden Massen zuwinken.

Nun gönnt auch der Nicht-Berner den Young Boys diesen ersten Erfolg seit einer titellosen Ewigkeit. Nun tut es dem Schweizer Fußball nur gut, wenn wieder mal ein anderer Verein als der Serienmeister aus Basel triumphiert. Nach acht Meistertiteln in Serie und dazu ein paar Cupsiegen waren die Basler satt und die restliche Fußballschweiz gelangweilt.

Wer Fußball schaut, wer Fußball liebt, der sucht ebenso Lektionen in Demut wie die totale Euphorie. Verliert die eigene Mannschaft nicht mehr, fehlt dem Fan ebenso etwas, wie wenn das Team nie gewinnt.

Und der BSC Young Boys ist ein durchaus sympathischer Club. Die Meistermannschaft in spe zeigt einen ansehnlichen, manchmal sogar begeisternden Fußball. Schnell, athletisch und trotzdem verspielt. Da sieht man auch darüber hinweg, dass der Erfolg, wie so vieles in Bern, mit auswärtigem, sprich Zürcher Geld finanziert wird. Die YB-Financiers, die Gebrüder Rihs, sind an der Goldküste mit Hörgeräten reich geworden.

Wie in der Politik setzt Bern also auch im Fußball auf die Kraft des Finanzausgleichs: Selber investieren, Geld verlieren, dieses Risiko wollen die Berner lieber nicht eingehen. Auch sonst können sie im Angesichts des lang ersehnten Erfolgs nicht aus ihrer Haut.

Seit Jahren schwindet der Einfluss von Bern in der Schweiz: Politisch, vor allem aber ökonomisch. Zürich brummt, Basel brummt, und in den vergangenen Jahren haben auch Lausanne und Genf, der Arc Lémanique, die Bundesstadtregion abgehängt. Selbst die Lokalzeitungen sind heute Zürcher Kopfblätter.

Die Berner als Verlierer und Opfer. Diese Rolle behagt ihnen nicht nur im Fußball. Aber was macht, wer jahrelang unten durch muss und nun obenaus schwingt? Er dreht durch.

Seit Wochen feiern Berner Promi-Fans in Zeitungskolumnen das YuBeljahr. Eine Website zählt die Tage, bis der Meistertitel theoretisch möglich ist. Der grüne Berner Stadtpräsident outet sich als YB-Fan, "seit eh". Mit YB-Schal, YB-Hut und YB-Sonnenbrille. Respektable PR-Leute sehen den Meistertitel als Wink der Geschichte, als ein Momentum, das es für die Stadt, das es für Bern zu nutzen gelte: "Glauben wir an uns, und tragen wir dieses Selbstvertrauen nach außen."

Excusez, aber das ist nur noch peinlich. In ihrer trunkenen Vorfreude offenbaren die Berner ihre ganze Provinzialität. Eine Stadt, die auf Fußballsiege setzen muss, um ihr Selbstverständnis, ihre Identität zu bestätigen, die ihren Club nicht nur unterstützt, nein, die ihn liebt, eine solche Stadt hat anscheinend sonst nicht viel zu bieten.

Schlimmer sind eigentlich nur noch die Basler. Aber die gewinnen dieses Jahr keinen Titel. Zum Glück.