Bereits vor vielen Monaten konnte man lesen, dass Oskar Roehler einen neuen Film gedreht hat und dass es sich dabei um die Adaption eines Romans von Thor Kunkel handelt. Der Film, der am 3. Mai ins Kino kommt, heißt HERRliche Zeiten, der Roman Subs. Eine bemerkenswerte Zusammenarbeit. Schließlich ist Oskar Roehler ein berühmter Regisseur, und viele werden sich zumindest an Die Unberührbare mit Hannelore Elsner erinnern, seinen erfolgreichsten Film aus dem Jahr 2000. Auch jetzt spielen namhafte Schauspieler mit. In den Hauptrollen: Katja Riemann, Oliver Masucci und Samuel Finzi. Thor Kunkel aber, der Autor der Romanvorlage, ist vor allem als Rechter verschrien – auch wenn das, abseits des Kulturbetriebs, nur kaum oder kaum noch bekannt sein dürfte.

Die Aufregung, für die sein damals zweiter Roman Endstufe sorgte (nach Schwarzlicht-Terrarium), liegt 14 Jahre zurück. Eine Anekdote aus dem Langzeitgedächtnis des Feuilletons: Der Rowohlt-Verleger Alexander Fest hatte den Roman damals in letzter Sekunde zurückgezogen, und als er dann sehr schnell woanders erschien, waren fast alle Rezensenten entsetzt. Man fand, dass die Geschichte, die vom bizarren Treiben eines auf die Produktion von Pornofilmen spezialisierten SS-Männer-Trüppchens im "Dritten Reich" handelte, nicht bloß eine zynisch kalkulierte Effekthascherei sei, sondern auch revisionistisch: "Nicht die Gerechten haben den Krieg gewonnen", so stand es zum Beispiel im Buch, "sondern die Brutalen."

Von den weiteren Romanen, die Kunkel seitdem noch hie und da veröffentlichte, wurde kaum Notiz genommen, auch nicht von Subs, der 2011 im Heyne-Verlag herauskam. Erst letztes Jahr kam Thor Kunkel, der außerdem eine Werbeagentur betreibt, wieder ins Gespräch, weil er Wahlkampfplakate für die AfD entworfen hatte. Zuletzt unterzeichnete er die Erklärung 2018, die vor den Folgen "illegaler Masseneinwanderung" warnt.

Kunkel habe nichts zu verlieren

Es ist also schon länger kein Geheimnis, welchen Autor Oskar Roehler jetzt verfilmt hat. Als die FAS ihn letztes Jahr darauf ansprach, fragte Roehler zurück, was denn so schlimm daran sein solle, dass Kunkel rechts sei. Natürlich würde niemand aus dem Establishment Werbung für die AfD machen, schon weil er dazu aus strategischen Gründen zu schlau sei. Kunkel gehöre aber nicht zum Establishment, er habe nichts zu verlieren. Und zu Moritz von Uslar in der ZEIT: "Soll ich dir erzählen, wer dieser Kunkel ist? Das ist ein cooler Typ, ein Kumpel. Der ist eben in einem anderen Milieu aufgewachsen, nicht mit Schriftstellern und Schauspielern, sondern mit Kleinbürgern und mit Stammtischgerede."

So erklärte der Regisseur sein Verhältnis zum Schriftsteller. Seitdem blieb es ruhig, und wir hatten die Sache schon fast wieder vergessen.

Doch was war jetzt los? Ein Bekannter rief an; ob wir nicht mal einen Blick auf Thor Kunkels Facebook-Seite werfen wollten, die, halbexklusiv, einem über 2.000-köpfigen Freundeskreis offensteht. Hier vermeldete Kunkel am 27. März: "Hochinteressante Entwicklung im Fall meines verfilmten Romans Subs. Die altlinke Produzentin Jutta Müller (Molina-Film), die ein Traumleben auf Kosten der deutschen Steuerzahler führt, will meinen Namen aus der Promo zum Film raushalten." Die Produzentin habe ihm außerdem geschrieben, Roehler "hätte meinen Roman gar nicht verfilmt". Auch sei gefragt worden, "ob man einen Rechten über den roten Teppich gehen lassen darf". Dies, meint Kunkel, "deckt sich mit der Routine der Linken, sich die Welt so zu machen, wie sie ihnen gefällt". Dazu verlinkt er den Filmtrailer: Alle darin gezeigten Szenen seien seinem Roman entnommen.

Aber stimmt denn auch, was Thor Kunkel hier unterstellt? Hat man erst einen rechten Schriftsteller verfilmt, dann gemerkt, dass das unangenehm auffallen könnte, und schließlich versucht, die Sache aus der Öffentlichkeit zu halten? Oder will hier jemand nach Jahren der Demütigung und Missachtung ganz dringend einen Skandal anzetteln, in dem er selbst noch einmal die Hauptrolle spielt – und zwar als gefährlicher und darum verfemter Literat? Und vielleicht ist ja auch alles zusammengenommen nicht ganz falsch.