Es geht um Hausstaubmilben. Die nisten sich bekanntlich in unseren Matratzen und der Bettwäsche ein und fressen die Hautschuppen, die wir verlieren. Was Allergikern zu schaffen macht, sind gar nicht die Milben selbst, sondern deren Kot. Wie hält man die achtbeinigen Viecher zumindest im Zaum? Milben reagieren sehr empfindlich auf die Umweltbedingungen. Grob gesagt, mögen sie es warm und feucht. Insbesondere brauchen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit von über 70 Prozent, um Wasserdampf aus der Umgebung aufnehmen zu können, sonst vertrocknen sie. Deshalb mögen sie die tropische Atmosphäre unter einer Bettdecke – jeder Mensch sondert pro Nacht etwa einen halben Liter Schweiß ab.

Wenn wir nun morgens aus dem Bett springen und sofort die Decke wieder säuberlich zurechtlegen, möglichst noch eine Tagesdecke obendrauf, dann erhalten wir diesen feuchtwarmen Zustand länger als nötig. Die Milben genießen das und vermehren sich prächtig. Erschweren kann man ihnen das, indem man möglichst schnell trockene, kühle Verhältnisse schafft. Und das erreicht, wer die Bettdecke zurückschlägt und das Fenster öffnet. Nach einer Weile kann man dann aber durchaus dem Ordnungstrieb nachgeben und das Bett machen.

Im Jahr 2005 meldeten viele Zeitungen, man solle das Bett morgens lieber zerwühlt liegen lassen. Abgesehen davon, dass auch in einer zerwühlten Bettdecke ein milbenfreundliches Klima herrschen kann: Der Ratschlag ging zurück auf Stephen Pretlove von der Londoner Kingston University, der ein Computermodell für das Überleben von Milben erstellt hatte. Pretloves Team wies selbst darauf hin, dass sein Modell sehr statisch sei.

Frische, kühle Luft am Morgen lässt die Milben aber nicht verenden – drei Stunden Idealbedingungen in der Nacht reichen ihnen zum Überleben. Um die Spinnentiere wirklich zu töten, muss man die Bettwäsche häufig und bei über 60 Grad waschen.

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