1. Mut zur Liturgie!

Nur sechs Prozent der jungen Katholiken in Deutschland besuchen den Sonntagsgottesdienst, so das Ergebnis einer aktuellen Studie. So dramatisch die Zahl klingt, eine Überraschung ist sie nicht. Wer versteht denn noch, was in der heiligen Messe geschieht? Zudem ist Messe nicht gleich Messe. In Zeiten von immer größer werdenden Pfarreienverbänden ähnelt die Messe oft einem Überraschungspaket, bestehend aus eigenen Hochgebeten, Tänzen oder anderen Experimenten. Das soll auch religionsferne Menschen für Kirche begeistern – nur die Jungen zieht das offensichtlich nicht an. Dabei sind spirituelle Erfahrungen für die Glaubensbiografien von Jugendlichen entscheidend. Liturgie darf deshalb kein Randthema sein in der Kirche. Gerade unter Jungen gibt es sie, die Sehnsucht nach dem Feuer der charismatischen Bewegungen, das Bedürfnis nach Stille, Meditation und ehrfürchtiger traditioneller Liturgie, auch nach der außerordentlichen Form des römischen Ritus. Deshalb verärgert es auch viele Jugendliche, wenn Papst Franziskus alle, die sich für diese Form interessieren, brüsk abweist. Tabus dieser Art darf es nicht geben, wenn junge Menschen in eine beständige Beziehung mit Jesus Christus geführt werden sollen. Doch dazu müssen kirchenpolitische Engführungen infrage gestellt werden.

2. Frauen verstehen!

Kaum eine Frage ist so drängend in der katholischen Kirche wie die Frauenfrage. Von außen wirkt es zwar, als wäre mit der Absage ans Frauenpriestertum und die Fokussierung auf die Mutterrolle alles amtskirchlich gesagt. Moderne Frauen jedoch finden sich mit ihren Lebensläufen in der Kirche nicht wieder. Sie treten aus der Kirche aus oder finden erst gar nicht zu ihr. Dies ist umso schmerzlicher, als die Kirchengeschichte mit einigen prominenten Frauengestalten aufwarten kann. Die Angst, dass eine kirchliche Hinwendung zur Frau ohne die Einführung des Frauenpriestertums schwerlich möglich ist, ist dabei unbegründet. Die wenigsten jungen Frauen wollen selbst Priesterinnen werden. Für sie ist das Frauenpriestertum eine theoretische Frage von letztlich untergeordneter Bedeutung. Es geht vielmehr darum, die Kirche zu ermutigen, wie es im Dokument der Vorsynode heißt, "ihr Verständnis für die Rolle der Frau zu vertiefen".

Es wäre schön, wenn die Bischöfe dies auch wirklich tun und nicht nur behaupten würden. Fatal jedoch wäre es, wenn gut ausgebildete Frauen auch künftig nur wenige Möglichkeiten für sich in der katholischen Kirche fänden und ihr deshalb den Rücken kehrten. Um dies zu verhindern, lohnt die Vergegenwärtigung der kirchlichen Tradition. Diese lehrt, wie sehr die Kirche davon profitiert, Frauen ernst zu nehmen – man denke nur an Katharina von Siena, die den Papst beraten hat, oder an die anderen Kirchenlehrerinnen. Es wird Zeit, dass diese Tradition innerhalb und außerhalb der Kirche neu belebt wird.

3. Liebe ausstrahlen!

Die Kirche muss die Liebe ausstrahlen, die sich in ihr finden lässt. Wie trotz einer (gerade in Deutschland) immer schwieriger werdenden pastoralen Situation die Freude und Attraktivität des katholischen Glaubens vermittelt werden kann, muss bei der Synode dringend diskutiert werden; genauso, wie man trotz des drängenden Problems eines immer größer werdenden religiösen Analphabetismus den Kontakt zur Gesellschaft nicht verliert. Es geht um einen Mentalitätswandel. Dabei müssen auch Laien stärker in die Pflicht genommen werden.

Bislang ist die äußere Wahrnehmung von Kirche düster. "Zu ernst" sei sie, "oft verbunden mit exzessivem Moralismus", wie es im Papier der Vorsynode heißt. Diese Vorbehalte bekommt übrigens nicht nur die Institution zu spüren. Auch ganz normale Katholiken müssen sie sich anhören, wenn sie sich in einem kirchenfernen Umfeld zum Glauben bekennen. Umso wichtiger ist es, dass Gemeinden nicht distanziert wirken und ihrer Umwelt nicht das Gefühl vermitteln, unwillkommen oder nicht katholisch genug zu sein. Abschottung von der Welt ist mit der Freude am Glauben und dem Missionsauftrag nicht vereinbar.

Gerade in einer Zeit, in der kaum einer mehr aus sozialer Gewohnheit der Kirche angehört, ist es nicht selbstverständlich, dass Menschen auf die Kirche zugehen. Gerade deshalb sollten sie dort mit Herzlichkeit empfangen werden. Wie das geht? Im Vorbereitungsdokument des Generalsekretariats für die Bischofssynode findet sich dazu ein passender Gedanke über den "Blick jedes echten Hirten". Dieser solle in der Lage sein, "in die Tiefe des Herzens zu schauen, ohne aufdringlich oder bedrohlich zu erscheinen; es ist der wahre Blick der Unterscheidung, der nicht vom Gewissen des anderen Besitz ergreifen oder den Weg der göttlichen Gnade ausgehend von den eigenen Schemata vorherbestimmen will". Dieser Satz ist deshalb so treffend, weil er eine Unvoreingenommenheit formuliert, die nicht nur für Priester, sondern für alle in der Kirche vorbildhaft sein sollte.

4. Keine Angst vorm Internet!

Bei der Vorsynode in Rom war Alina Oehler im März bereits dabei. © Hannes Leitlein

Wenn die Kirche junge Menschen erreichen will, muss sie dort sein, wo diese nach Sinn und Vorbildern suchen: im Internet. Weil Facebook, Instagram, YouTube und Co. heute einen so wichtigen Anteil an der Persönlichkeitsbildung junger Menschen haben, darf Kirche die neuen Kommunikationsformen nicht als vernachlässigenswert abtun. Immer noch werden jedoch in vielen Bistümern die sozialen Medien, auch aus Mangel an technischem Sachverstand, nur unzureichend zur Außendarstellung und Kontaktaufnahme genutzt. Dabei wünschen sich junge Menschen gerade im Internet die Kirche als Ansprechpartner. Andere Religionsgemeinschaften haben das im internationalen Vergleich besser verstanden. Sie nutzen das Internet konsequenter und effektiver zur Neuevangelisierung. Die katholische Kirche sollte davon lernen.

5. Begleiter sein!

Welchen Sinn hat mein Leben? Was ist meine Aufgabe? Was glaube ich? Junge Menschen wünschen sich bei diesen Fragen kompetente Begleiter, die sich Zeit für sie nehmen – und sehen diese häufig nicht in der Kirche. Zu oft herrscht das Missverständnis, dass mit dem Begriff "Berufung" zwingend nur das Leben als Diakon, Priester oder Ordensfrau gemeint sein kann. Dabei fühlen sich oft auch junge Menschen, die keinen kirchlichen Dienst für sich gewählt haben, zu einem Leben aus dem Glauben heraus berufen.

Dazu braucht es das Engagement Einzelner, die sie auf ihrem Glaubensweg begleiten und zu spirituellen Mentoren werden. Das müssen nicht zwingend Priester sein. Doch müssen diese Mentoren entsprechend geschult und als Laien zur Mission befähigt werden, auch wenn Mission nie ohne Leitung durch Priester auskommen kann. Mission als Herausforderung für Geweihte und Gläubige zu begreifen und entsprechende Modelle zu entwickeln ist gerade in Ländern mit sinkenden Klerikerzahlen überlebenswichtig.