Klaus Fußmann, "Blick auf Goldhöft", 2008 © Klaus Fußmann, Landesmuseen Schleswig-Holstein

Den Maler Klaus Fußmann gibt es gleich zweimal. Da ist zum einen der norddeutsche Meister der leuchtenden Rapsfelder, der sanften Ostseebuchten – weiße Segel im Blau –, der regenzerpflückten Rosenblüten, verloschenen Dahliensterne. Ein viel geliebter, verehrter, begehrter Künstler: Als zu seinem 80. Geburtstag am 24. März die große Retrospektive auf Schloss Gottorf in Schleswig eröffnet wurde (natürlich von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident persönlich), war die Besucherflut so wogend, dass der große Ausstellungsbau zeitweilig geschlossen werden musste, da Überfüllung drohte. Dieser Klaus Fußmann ist ein Pop-Artist im Ur-Sinn des Wortes, ein pop-ulärer Maler, den die Sofakompatibilität seiner leichthändigen Werke nicht weiter schreckt und den es überhaupt nicht geniert, wenn auch Postergalerien und Rahmenbauer seine verführerisch entspannten Linolschnitte ins Fenster legen.

Doch da ist der zweite, der andere Klaus Fußmann. Der Maler, der, wie Kurator Thomas Gädeke im Katalog feststellt, sich just dem Einfluss der machtvollen Pop-Art regelrecht "versperrt" habe, interessiert allein an einer "malerischen Malerei".

Schon die frühen Bilder dokumentieren eigensinnige Suchbewegungen zwischen Kokoschka und Wols, Buffet und Bacon. In vergessenen Zimmern, verlassenen Fabriketagen ist Fußmann – just im Moment des Aufbruchs von 68! – einer zerrinnenden Zeit auf der Spur, einer gerinnenden grauen Ewigkeit. Immer wieder führt er die Farbe an den Rand des Verlöschens; selbst das Grau und Schwarz, selbst das gelbliche, trübe Braun kann die Konturen des Raums und der Figur kaum halten, eine Welt wie verwischt und verweht. "Alles so schön mürbe, spröde fast. Unaufgeregt, aber aufregend, bewegend, groß", nennt der eine Generation jüngere Friedel Anderson diesen "zupackenden Malzauber", Inspiration auch für Andersons eigenen Weg.

Aus diesen Anfängen in brillanter Farblosigkeit, in bester existenzialistischer Manier, entwickelt Fußmann seine mal offenen, mal enigmatisch verriegelten Malräume, die sich in den späteren Jahren mit einer wilder werdenden Farbigkeit füllen. Ja, all diese Bilder sind immer auch Farbstudien, ein Studium der Farbe in ihren wechselnden Temperaturen. Fußmann bleibt malend ein Beobachter der eigenen Malerei. Ein pictor doctus ohnehin, wie schon die Essays zur Kunst, seine Analysen von Beckmann, Cézanne und anderen Kollegen belegen, die er zuletzt 2005 in dem Band Wahn der Malerei herausgegeben hat.

Im Rheinland, in Velbert, ist Fußmann geboren, hier, in Essen, hat er auch studiert. 1962 ging er nach West-Berlin, wo er 1974 eine Professur an der Hochschule der Künste erhielt. Wenig später entdeckte er den Ort Gelting an der Flensburger Förde für sich, bezog dort ein Haus mit Atelier.

Auf der Suche nach der wahren Farbe wurden jetzt auch sonnigere Seiten aufgeschlagen. Der Verkaufserfolg ließ nicht auf sich warten. Doch der andere Fußmann, dem die große Gottorfer Ausstellung vor allem gilt, schleppte die Schatten nach. Die Schau zeigt aus den achtziger Jahren wuchtige, faszinierend vergrübelte Selbstbildnisse und Stillleben, in denen das Verlangen nach der Farbe wächst. Und die Wut auf sie, vielleicht auch das.

Fußmann zerlegt, zerrührt das Material zu brachialen Fantasien. Blumen und Landschaften sind nur noch Anlass für die Freisetzung der Farbtöne, für Fragmente, Collagen aus Farbschlieren. Souverän gesetzt und gefügt, entstehen Bilder, die allein der Farbe gelten. Bezeichnend dafür ist ein eher beiläufiges Gemälde, Tisch mit Ölfarben aus dem Jahr 1998, in dem die Farben als sie selbst erscheinen: mit Ölfarben gemalte Ölfarben, Farben im Selbstporträt.

Unnötig zu sagen, dass er auf Bildern wie diesen die Grenzen zwischen Abstraktion und Figuration weit hinter sich gelassen hat. Der selbstgewisse Fußmann, der leichtgesinnte Augenverführer, Meister der luftigen Bagatelle, begegnet dem harschen Zweifler und Skeptiker Fußmann, dem der Mal-Akt fragwürdig bleibt. Es scheint, als parodierte der eine Künstler mit Heiterkeit, mit einem feinen Lächeln, das Gelingen und als feierte der andere zugleich mit Verve und wütiger Lust das Scheitern.

Aber vielleicht liegt hier, in diesem riskanten Spiel aus Können und Verweigern, Verführung und Zerstörung, ganz einfach auch das verbindende Geheimnis der beiden Künstler, die Klaus Fußmann sind.