Früher röhrten und dröhnten die Laubbläser nur im Herbst, wenn die Blätter fielen. Nun aber röhrt und dröhnt es auch im Frühling, und die Puster sind offenbar für alles gut, wofür Mann (sic) den Besen nicht zücken will. Nicht nur bei Hobbypustern und Hausmeistern. Auch zu den orangeroten Trupps der Stadtreinigung gehören Leute, die mit dem Bläser Staub, Zigarettenkippen und zertretene "Jägermeister"-Fläschchen vom Trottoir zum Auffegen auf die Fahrbahn pusten, in einer Linie, so sauber, dass die Kokser in den Nachtclubtoiletten neidisch wären.

In Außenbezirken wird von Laubbläserbesitzern erzählt, die Tag für Tag mit dem Rohr durch den Vorgarten gehen, rein prophylaktisch. Und wenn sie schon dabei sind, pusten sie gleich noch die Küche durch, ohne dass sich Widerstand regte; die jeweiligen Partnerinnen haben sich verabschiedet, als die Männer begannen, ihr Gerät unterm Bett zu parken.

Doch weg von den Besessenen, zurück zum Alltag: Wieso ist der Puster heute Standard, obwohl er so laut ist? Fragen wir nicht die Gelegenheitspuster, die vor dem Spiegel das Bläserschultern üben, fragen wir die Profis der Stadtreinigung Hamburg. Die setzen "zur Laubbeseitigung" ein: 86 Blasgeräte mit Kraftstoffmotor, Leistung 2,5 kW (3,4 PS), Schallpegel 97 dB(A), das entspricht etwa dem einer Motorsäge. "Nur bei nassem und schwerem Laub, um die Gefahren auf Wegen so schnell wie möglich zu beseitigen", merkt Reinhard Fiedler von der Stadtreinigung an.

Außerdem, als leisere Alternative und für Wohngebiete: 182 Elektro-Blasgeräte, Leistung 750 W (1 PS), Schallpegel 80 dB(A), das entspricht etwa der Lautstärke einer Hauptverkehrsstraße.

"Laubblasgeräte sind in der Laubbeseitigung wesentlich effektiver als Mitarbeiter mit Besen und Harke", erklärt Fiedler. Ein Bläser ersetze drei Mitarbeiter mit Besen, und gäbe es die Teile nicht, so Fiedler, hätte das "unmittelbaren Einfluss auf die Gehwegreinigungsgebühren".

Doch gut zu wissen: Nicht jeder, der auf der Straße wichtig mit dem Bläser herumröhrt, gehört zur Stadtreinigung, nicht mal, wenn er orange Schutzkleidung trägt. Aber die sieht so schön offiziell aus.