Neulich habe ich die britische Schauspielerin und Social-Media-Größe Cara Delevingne gesehen. Nicht in echt zwar, aber auf einer Werbung für Uhren von TAG Heuer. Entschlossen und leicht grimmig guckt sie aus dem Bild, während sich hinter ihr zähnefletschend ein Löwe aufbaut. Es gibt die Werbung auch mit einer Fotografenmeute statt einem Raubtier. Beide Male steht groß #DontCrackUnderPressure über dem Foto. Zu Deutsch etwa: #HalteDemDruckStand.

Wer würde nicht gern so widerstandsfähig sein wie Delevingne? Statt, wie im echten Leben, ein armes Würstchen abzugeben, das bei der Arbeit und im Privatleben gleichermaßen herumgeschubst wird. Täglich fühlt man sich wie eine leere Coladose in der Schrottpresse und kurz vor dem Burn-out. Gut, das Problem ließe sich auch lösen, indem man einfach etwas Druck aus dem Alltag rausnimmt. Aber das lässt sich nicht so gut verkaufen wie ein Symbol des Widerstands. Und weil es für Unterdruckstehende schon lange nicht mehr ausreicht, einfach nur die Tränen zu unterdrücken und irgendwie durch den Tag zu kommen, müssen sie eine teure Uhr kaufen.

Dass eine Uhrenmarke versucht, das Thema Druck von der bisher üblichen und stark überstrapazierten Tiefseetaucher-Metaphorik zu lösen, hätte ich kaum zu hoffen gewagt. Ob eine Uhr noch in 100, 1.000 oder 5.000 Meter Tiefe funktioniert, macht für ihren Träger nämlich wirklich keinen Unterschied (die Quengelzone berichtete). Und noch weit stärker als jeder Wasserdruck lastet heute der Psychodruck auf dem Menschen.

Folgerichtig holt TAG Heuer seine Kunden dort ab, wo sie vermutlich stehen: am Rande des Nervenzusammenbruchs. Haltet dem Druck stand!, lautet die mitfühlende Botschaft des Unternehmens an die Geprügelten. Hinzudenken darf man sich, dass der auf den Erwerb einer Luxusuhr gerichtete Konsumdruck damit natürlich nicht gemeint ist.