In diesen Tagen führt die Hamburger Umweltbehörde zusammen mit einer Start-up-Firma aus Bayern einen Mehrwegbecher für Kaffee ein. "Recup" heißt er, es gibt ihn in Grün und Braun, er fasst 300 oder 400 Milliliter und besteht aus Polypropylen. Wer den Recup benutzen möchte, lässt sich in einem teilnehmenden Café sein Getränk im neuen Plastikbecher abfüllen und bekommt es dafür etwas günstiger. Für den Becher bezahlt er ein Pfand, das er sich bei jedem am Mehrwegsystem beteiligten Café zurückholen kann, wenn er ihn wieder abgibt.

Niemand behauptet, dass hier ein Menschheitsproblem gelöst werde. Kaffeebecher machen weniger als ein Promille des deutschen Müllaufkommens aus, es geht um ein Fünftel Promille des in Deutschland verbrauchten Papiers und einen ähnlich kleinen Anteil des Erdöls, der verwendet wird, um zunächst in Form einer dünnen Kunststoffbeschichtung den Becher abzudichten und später zusammen mit dem Papier verbrannt zu werden.

Es geht auch nicht um viel Geld. Die Umweltbehörde fördert den Recup mit 30.000 Euro, das ist deutlich weniger als ein Promille ihres Etats. Eine kleine Ausgabe für ein bisschen grüne Symbolpolitik. Weniger Müll, mehr Verantwortung, ist doch ganz schön!

Die Frage ist nur, ob der Recup das richtige Symbol ist. Oder ob man ihn nicht besser einsammeln und möglichst umweltfreundlich entsorgen sollte.

Warum das? Weil Umweltwissenschaftler sogenannte Ökobilanzen für Einweg- und für Mehrwegbecher erstellt haben. Das heißt, sie haben den Energieverbrauch und das Ausmaß der entstehenden Umweltbelastung für jeden Produktionsschritt und jede Phase der Benutzung und des Transports ermittelt, addiert und säuberlich nach unterschiedlichen Umweltkategorien aufgeschlüsselt. Was ist besser für das Klima, die Ozonschicht, die Meeresorganismen, was belastet den Boden stärker und was die Luft? Und so weiter.

Es gibt mindestens zwei solche Untersuchungen. Die Ergebnisse sind unterschiedlich, aber keines davon kann der Hamburger Umweltbehörde gefallen.

"Aus Sicht von Ökologie und Gesundheit ist die Bilanz des FreiburgCup in den meisten betrachteten Szenarien und Kategorien mit einer Papiertasse vergleichbar", schreiben Umweltexperten der Freiburger Albert-Ludwigs-Universität über ein örtliches Mehrwegsystem, wie es nun auch in Hamburg eingeführt wird. Schadet nichts, aber bringt auch nicht viel – das ist gegenwärtig wohl das Beste, was sich über den Plastikbecher sagen lässt.

Zu einem deutlich kritischeren Ergebnis sind, allerdings schon vor elf Jahren, niederländische Wissenschaftler gelangt. Ihrer Ansicht nach gibt es unter allen Arten, sich Kaffee servieren zu lassen, kaum eine umweltschädlichere Möglichkeit als wiederverwendbare Gefäße, die zwischendurch in den in Cafés üblichen Gastronomiespülmaschinen gereinigt werden. Ob es um die Klimabilanz geht, um den Gewässerschutz oder die Bodenbelastung – der Pappbecher ist dieser Untersuchung zufolge in jeder Hinsicht besser. Nicht nur ein bisschen, sondern deutlich.