Samstagmorgen im Supermarkt, lange Schlangen an den Kassen. Wochenendeinkauf. Auf dem Förderband: Leberwurst, Käse und Kartoffeln, Tomaten, Putenbrust, Limo und Tiefkühlpizza, Obst und Gemüse. Alles verpackt: in knisternden Tüten, in hauchdünnen Folien, bedruckten Bechern, feinen Netzen, in Tuben, Boxen, Flaschen. Im Einkaufswagen türmt sich Plastik.

Muss das sein? Wenn zu Hause alles ausgepackt, die Petersilie aus dem Plastikschälchen genommen ist, die Plastikhauben entfernt, die Bio-Kiwis und die Bio-Gurke von den Plastikfolien befreit sind und der neue gelbe Sack gleich wieder prall gefüllt ist – dann verliert diese Frage an Dringlichkeit. Schließlich steht ja "Recycling" auf dem Sack, der Inhalt ist also streng genommen gar kein Müll, er ist "Wertstoff".

Wo um Gottes willen kommt aber dann der ganze Plastikmüll her?

Diese Verpackung von Ekoplaza soll sich innerhalb weniger Wochen zersetzen. © Dominik Butzmann für DIE ZEIT

Rund 500.000 Tonnen Plastik hat Deutschland bis vor Kurzem nach China exportiert. Jedes Jahr. Meldungen über riesige Müllstrudel in Pazifik und Atlantik füllen die Medien. Umweltbehörden warnen vor ungezählten millimeterkleinen Mikroplastikteilchen in Seen und Flüssen. An der Nordsee verenden scharenweise Vögel, und das Meer spült tote Schweinswale ans Ufer, die sich in alten Fischernetzen verfangen haben. Plastik, das wissen die Forscher, dringt in immer neue Bereiche vor, schwebt mikroskopisch klein im Hausstaub, lagert sich auf Äckern ab und in Ozeanen. Mitunter kommt es im Fleur de Sel, dem teuren französischen Meersalz, wieder auf den Esstisch des Gourmets.

Und der Verbrauch von Kunststoff steigt in Deutschland an – von Jahr zu Jahr. Von 1994 bis heute hat sich die Menge des Plastikabfalls fast verdoppelt, knapp sechs Millionen Tonnen waren es 2015. Und es wird immer mehr. Weder das allgemeine Mülltrennen hat daran etwas geändert noch das Flaschenpfand. Auch dass manche Supermärkte keine Plastiktüten mehr anbieten, hat nichts gebracht. Im Gegenteil: Je perfekter unsere Abfallwirtschaft, desto größer das Problem mit dem Plastik. Wie ist das möglich?

Schnipsel in der Schlei

An einem Dienstag im März steht Thorsten Roos in seinem Lagezentrum. Kreisverwaltung Schleswig, Etage 4, Raum 39. Konferenztisch, ein paar Stühle, Schränke aus Pressspan. Roos’ Finger wandert über eine Karte. Die Ufer der Schlei, jenes Meeresarms im Norden Schleswig-Holsteins, sind darauf unterteilt in lauter kleine Quadrate, beschriftet, eingefärbt und mit Klebezetteln versehen. "B2 sieht schon ganz gut aus", sagt Roos, "aber auf A3 haben wir jetzt hohe Kontamination. Alles voller Plastik."

Über Monate hat ein Klärwerk der Schleswiger Stadtwerke den Meeresarm verschmutzt. In einem Faulturm sollten Speisereste vergären und so Wärme und Strom erzeugen. Der Zulieferer ReFood lieferte die Nahrungsabfälle. Doch irgendwann hatte das Unternehmen damit begonnen, nicht bloß die überfälligen Lebensmittel, sondern auch deren Verpackung klein zu häckseln und als Biomasse anzufahren. Eingeschweißte Salami, Gurken in Frischhaltefolie als Brei.

Alles ganz normal, verteidigt sich ReFood, aussortieren wäre zu aufwendig. Die Stadtwerke hingegen werfen dem Zulieferer Vertragsbruch vor. Und während das Landeskriminalamt in Kiel nun an der Schuldfrage herumermittelt, müssen die Schleswiger Bürger mit den Folgen leben: Plastikschnipsel, groß wie Daumennägel, übersäten wochenlang Teile des Schleiufers, als hätte ein Riese mit Konfetti geworfen. Die Kläranlage hatte den Kunststoff nicht herausgefiltert. So war er mit dem Abwasser in den Meeresarm gelangt.

Verpackungsmüll - Recycling will gelernt sein In Deutschland wird europaweit der meiste Plastikmüll produziert. Mit dem Recycling tun sich viele schwer. © Foto: ZEIT ONLINE

Es gibt ein Problem. Aber sie tun nichts dagegen

Als vor Wochen erste Plastikschnipsel am Schleiufer auftauchten und allen dämmerte, dass hier ein Skandal bundesweiten Ausmaßes im Entstehen war, wurde aus Thomas Roos, bis dahin Chef der Schleswiger Umweltbehörde, plötzlich der Leiter der "Task-Force Schlei". Er stellte ein Team zusammen, "belastbare, hoch motivierte Leute", wie er sagt. Mit denen plante er den Einsatz von Saugbaggern, koordinierte Dutzende freiwillige Helfer, informierte Bürgermeister, Landespolitiker und die Presse. Seither sorgt das Plastik dafür, dass Schleswiger Verwaltungsangestellte mitunter den Arbeitsalltag von Investmentbankern haben: 6 Uhr Dienstbeginn, 8 Uhr Lagebesprechung, 22 Uhr Feierabend.

Abends muss Roos nun zu Bürgerversammlungen, wie der im Hotel Hohenzollern in Schleswig. Der Saal war brechend voll, die Stimmung aufgeheizt. Restaurantbesitzer aus der Region, Hoteliers, Fischer, Anwohner – alle hätten Angst vor den Folgen, erzählt Roos. Davor, dass sich das Plastik am Boden absetze und für immer in der Schlei bleibe; dass es von Fischen und Vögeln gefressen werde und so schließlich auf dem Teller lande. Und dass die Touristen wegblieben, wenn das Wasser nicht bald sauber werde.

Roos sagt ihnen, was er auch den Radioreportern und Fernsehteams sagt: Man gehe bisher nicht davon aus, dass große Mengen Plastik in den Schlick abgesunken seien. Man setze nun alles daran, Ufer und Wasseroberfläche zu säubern, man komme dabei gut voran. Und trotzdem: "Für die Leute gibt es hier im Moment kein anderes Thema." Roos steckt in einem Konflikt, der weitaus größer ist als die Schlei oder Schleswig-Holstein, selbst als Deutschland. Denn Plastik vergeht nicht, es bleibt. Und ist überall.

Die deutsche Hybris

Regelmäßig fragt das Umweltbundesamt die deutschen Bürger, welche Bedrohung der Natur sie am meisten umtreibe. Inzwischen antwortet ein Großteil: Plastikmüll in den Weltmeeren. Sie ahnen: Es gibt ein Problem. Aber sie tun nichts dagegen.

Denn in welchem Maße sich ihr eigenes Verhalten auf die globale Plastikvermüllung auswirkt, wissen die wenigsten. Wie sollten sie auch: Vor knapp 30 Jahren wurden der Grüne Punkt und das Recycling eingeführt – seither gelten die Deutschen weltweit als Meister des Mülltrennens. Erst belächelt, dann bewundert. Den richtigen Behälter für den richtigen Abfall zu finden gilt seither als Volkssport. Das Problem schien gelöst, sobald sich der Deckel der Tonne schloss.

Immer mehr Müll

Was passiert mit Deutschlands Kunststoffabfall? Erfasster Kunststoffabfall in Deutschland (2015)

Quelle: Statistisches Bundesamt, Consultic, Interessengemeinschaft der thermischen Abfallbehandlungsanlagen in Deutschland (ITAD) © ZEIT-GRAFIK/

Beim Plastik fühlen sich die Deutschen aufgrund ihres technologischen Vorsprungs über die Folgen des Konsums erhaben. Sie verschmutzen den Planeten nicht gewissenlos – es ist schlimmer. Sie verschmutzen ihn mit gutem Gewissen.

Nirgendwo in Europa sammelt sich so viel Verpackungsmüll an wie in Deutschland: 220 Kilo waren es 2015 pro Einwohner, der überwiegende Teil Plastik. Dessen stilles Vordringen hat zwei Gründe: Plastik ist billig, und Plastik ist praktisch. Es passt perfekt zum Lebensstil des modernen, mobilen Menschen, denn es macht den Alltag bequem: Am Morgen einen "Kaffee to go" im Wegwerfbecher mit Plastikdeckel. Ein Sandwich am Mittag, in Folie verpackt. Dazu einen Softdrink aus der PET-Flasche. Am Nachmittag geschnittenes Obst im Plastikbecher, dazu den wegwerfbaren Kunststofflöffel (der noch in einem Extratütchen steckt). Abends liefert der Asia-Imbiss Reis oder Nudeln im Styropor-Topf, dazu Soßen in kleinen Plastikdosen. Im Flur steht das Paket mit den neuen Schuhen, digital bestellt und in Folie verpackt ausgeliefert. Zum Essen ein gutes Glas Wein – aus der Flasche ploppt der Plastikkorken.

"Das ist kein Müll, das ist Rohstoff"

In mobilen Gesellschaften, in denen die Menschen dauernd auf Achse sind, wo im Büro oder im Zug gegessen und nebenbei online bestellt wird; in vereinsamenden Gesellschaften, wo der Handel für immer mehr Einpersonenhaushalte immer winzigere Packungen mit Käse und Wurst anbietet – da nimmt die Menge des Mülls unaufhaltsam zu. Auch Wirtschaft und Industrie tragen dazu bei: Kunststoff steckt in Karosserien und Armaturen der Autos, in der Wärmedämmung der Wohnhäuser, in Blutbeuteln und OP-Besteck, in Fernsehern, Handys und Laptops. Er ist unersetzlich, er macht das Leben und das Arbeiten leichter. Viele wichtige Produkte gäbe es gar nicht ohne den Kunststoff – ihn zu verteufeln ist falsch. Bloß: Es gibt zu viel davon. Viel zu viel. Wohin also damit?

Der Recycling-Schwindel

In Berlin-Mahlsdorf, kurz vor der Grenze zu Brandenburg im Südosten der Stadt, fahren die Mülltransporter im Minutentakt durch das Werkstor der Sortieranlage von Alba, einer der größten deutschen Entsorgungsfirmen. Die Laster steuern auf die große Halle zu. Drinnen türmt sich ein Berg auf, sechs Meter hoch, 50 Meter breit. Mit jeder Lkw-Lieferung wird er größer. Es ist der Müll der Hauptstadtregion, rund 400 Tonnen Abfall kommen täglich hier an, 140.000 Tonnen im Jahr.

Uwe Küber ist der Geschäftsführer. In Jeans und Warnweste steht er vor dem Berg, zu seinen Füßen eine leere Tüte Haribo Colorado, eine leere Schachtel Iglo Italienische Kräuter, eine leere Flasche Pril-Spülmittel. Er stemmt die Hände in die Hüften und sagt: "Das ist kein Müll, das ist Rohstoff."

Ein Bagger schaufelt Berlins Abfall in einen riesigen Metallschlund am Ende der Halle. Dort fällt er auf ein Fließband, das sich ruckelnd ins Innere der Sortieranlage bewegt. Zuerst zieht ein Magnet das Weißblech aus dem Strom, dann wird das Aluminium aussortiert. Ein Infrarotscanner unterscheidet die verschiedenen Plastikarten, Polyethylen geht hier ab, Polypropylen dort. Sieben Sorten Kunststoff filtert die Anlage heraus und presst sie zu Ballen. "Das hier lohnt sich für uns", sagt Küber und klopft auf einen Block aus Polyethylen. 180 Euro bekommt er aktuell für eine Tonne. "Da macht die Sortierarbeit Sinn." Einige der Stoffe verkauft Alba, andere verarbeitet das Unternehmen gleich selbst weiter, zu Granulat, das dann wiederverwertet werden kann. Wer Küber zuhört, könnte glauben, dass das Recycling-System einwandfrei funktioniert. Doch das stimmt nicht.

Es gibt drei große Probleme: 1. Neues Plastik wird aus Öl gemacht. Und das kostet nicht viel. Daher rechnet es sich für Unternehmen oft nicht, recycelten Kunststoff zu verwenden. Auch ließe sich aus dem deutschen Plastikmüll deutlich mehr wiederverwertbares Material gewinnen. Doch fehlen der Branche bisher die Anreize, politische wie wirtschaftliche. 2. Wird Kunststoff eingeschmolzen und wiederaufbereitet, leidet die Qualität. Plastik lässt sich nicht beliebig oft wiederverwenden, das Material wird von Mal zu Mal schlechter. Die Ansprüche der Wirtschaft aber steigen, und die Vorschriften für Lebensmittelverpackungen sind besonders streng. Lupenrein soll das Material sein und hohen Belastungen standhalten. Rezyklate werden diesem Anspruch oft nicht gerecht, neues Plastik schon. 3. Das größte Problem ist eine Zahl: 36 Prozent. So hoch – so niedrig – ist der Anteil, der gemäß der deutschen Verpackungsverordnung bei anfallenden Plastikverpackungen wirklich recycelt werden muss. Und selbst diese Vorgabe wird nur auf dem Papier erfüllt. Die Grauzonen des deutschen Abfallrechts machen es möglich, dass tatsächlich noch nicht einmal 20 Prozent wiederverwendet werden.

Millionen Verbraucher in Deutschland glauben jedoch, dass der gelbe Sack für Plastik ist, das wiederverwertet wird. Guten Gewissens trennen sie den Müll, im Glauben, die Mühe lohne sich. Weil ja das Plastik sortiert wird, dann eingeschmolzen, zu Granulat verarbeitet, auf dass am Ende wieder neue Verpackungen entstehen, Tüten, Flaschen, Folien. Aus altem Plastik wird neues. Ein perfekter Kreislauf. Die Wahrheit aber sieht anders aus: Mehr als zwei Drittel des Plastikmülls werden "energetisch verwertet". Das ist ein Euphemismus und meint nichts anderes als: verbrannt. Das ganze deutsche Plastik-Recycling ist eine Mogelpackung.

Feuer frei

Einhundert Müllverbrennungsanlagen gibt es in Deutschland. Und fast alle sind gut ausgelastet. Plastik fährt dort zusammen mit Papier-, Bio- und Restmüll ins Feuer. Lange Zeit gab es Proteste dagegen. Umweltschützer warnten vor giftigen Schwermetallen, die in der Hitze freigesetzt und durch die Schornsteine in die Umgebung gepustet wurden. Inzwischen verhindern moderne Filteranlagen die Verpestung. Trotzdem fallen giftige Rückstände an – und die müssen irgendwohin.

Unbenutzbar und hochgiftig

Kilometerweit erstreckt sich das unterirdische Tunnelnetz unter Bleicherode. © Dominik Butzmann für DIE ZEIT

In Bleicherode, einem Dorf in Thüringen, führt ein Rohr in einen Schacht hinab. 600 Meter geht es in die Tiefe, verläuft durch kilometerlange Gänge, bis zu einer offenen Grube. Heraus ergießt sich ein armdicker Strahl brauner Brühe. Es sind die Rückstände aus den Filtern der Müllverbrennung: Dioxine, Blei und Furane, in Salzlösung verflüssigt, die hier unten, in den Eingeweiden des ehemaligen Bergwerks, eingelagert werden. Die Lösung fließt irgendwann ab, zurück bleibt eine lehmige Masse – die konzentrierten Reste, der Abfall vom Abfall. Unbenutzbar und hochgiftig.

Matthias Schmidt, der Betriebsleiter, ist ein kleiner Mann mit Grubenhelm und kräftigem Händedruck. Er sagt: "Noch gut 15 Jahre, dann sind wir voll." In der DDR wurde unter Bleicherode Kalisalz abgebaut. Nach der Wende funktionierten Entsorgungsfirmen aus dem Westen die Stollen zum Endlager um. Seit Mitte der neunziger Jahre liefern Müllverbrennungsfirmen aus ganz Deutschland hier an, was in ihren Filtern zuletzt übrig bleibt – meist in großen Silos, seltener in riesigen Säcken. Viele Stoffe sind derart umwelt- und gesundheitsschädlich, dass sie unter Tage eingelagert werden müssen.

Schmidt fährt mit einem weißen Jeep durch die Gänge des Bergwerks, kilometerweit erstreckt sich das unterirdische Netz, neben ihm verlaufen Rohre, in denen die Giftbrühe fließt. Bis vor drei Jahren hat er im Schacht Konrad gearbeitet, dem ehemaligen Eisenerzbergwerk bei Salzgitter, das ab 2027 radioaktive Abfälle aus der Kernenergie beherbergen soll. Nun füllt er das Bergwerk Bleicherode mit den toxischen Resten der Überflussgesellschaft. 20 Jahre dauere es, bis sich eine Salzkruste um die Säcke gelegt habe, sagt Schmidt. Dann seien die Stoffe für immer versiegelt, ein Austreten sei unmöglich. "Wir könnten hier auch Atommüll lagern, das Bergwerk ist sicher."

Aus den Augen: Im Bergwerk Bleicherode wird 600 Meter unter der Erde jener Teil unseres Abfalls eingelagert, den selbst Müllverbrennungsanlagen nicht vernichten können. © Dominik Butzmann für DIE ZEIT

350.000 Tonnen Staub und Asche kommen jedes Jahr in Bleicherode an. Sieben derartige Bergwerklager gibt es in Deutschland. Regelmäßig sprengen Schmidts Leute weitere Tunnel ins Gestein, verbinden riesige stillgelegte Abbaugebiete und Hohlräume miteinander, um ihren Kunden, den Müllverbrennern, noch mehr Platz bieten zu können.

Plastikabfälle, die in Deutschland verbrannt werden, gelangen für gewöhnlich nicht mehr in Böden und Meere – die "energetische Verwertung" ist besser als ihr Ruf. Bloß: Wer Müll verbrennt, ist ihn nicht los. Die giftigen Rückstände bleiben. Unter Bleicherode lagert das gute Gewissen der Deutschen.

Der globale Müllhandel

Also lieber raus aus dem Land mit dem Zeug? Etwa eine Million Tonnen, ein Sechstel des gesamten Kunststoffabfalls, verkaufen Firmen wie Alba jährlich ins Ausland. Offiziell werden solche Überbleibsel des deutschen Verpackungswahns nicht als Abfall deklariert, sondern als "Rohstoff für die Kunststoffindustrie". Rohstoffexporte aus Deutschland in den Süden: Das klingt wie ein sehr guter Gedanke. Ein Sound des freien Marktes, der globalen Arbeitsteilung. Warum soll der Süden unseren Müll nicht nutzen?

Bei Wirtschaftspolitik kommt es allerdings nicht auf den Sound an, sondern auf die Wirklichkeit. Und die sah bisher so aus: Gut eine halbe Million Tonnen Plastikabfall nahm China uns pro Jahr ab, angeblich um ihn selbst weiterzuverarbeiten. Doch das Zeug ist inzwischen sogar den Chinesen zu dreckig, auch lässt es sich nicht anständig wiederverwerten. Und als globale Müllkippe will China nicht länger herhalten. Am 1. März 2018 haben die Chinesen daher einen Importstopp verhängt, nur noch sortenreine Kunststoffreste dürfen jetzt ins Land, deren Verunreinigungen maximal 0,5 Prozent betragen. Der deutsche Abfall erfüllt diese Auflagen in der Regel nicht. Also suchen die teutonischen Müllschiffe nun neue Häfen.

Und finden sie – in Vietnam, Thailand und Malaysia.

In Johor werden täglich bis zu 130 Tonnen Plastikabfall eingeschmolzen. © Mathias Peer für DIE ZEIT

Vor der Fabrik von Seah Kian Hoe riecht es, als habe jemand einen Plastiklöffel auf dem heißen Herd vergessen. Je näher man dem 20.000 Quadratmeter großen Fabrikgelände im malaysischen Bundesstaat Johor kommt, desto beißender wird der Gestank. Im Inneren hängt er als dichte graue Wolke über den Maschinen. Die Dämpfe kommen aus einer Anlage, die bei 230 Grad Celsius tonnenweise Plastikmüll zum Schmelzen bringt. Der Arbeiter, der den Vorgang überwacht, trägt keinen Mundschutz. Fabrikbesitzer Seah wiegelt ab: Die Luft sei nicht immer so schlecht wie heute. "Wir reinigen gerade ein Entlüftungsrohr."

Beängstigende Variante der Globalisierung

Der malaysische Fabrikant Seah Kian Hoe freut sich über Kunststoffmüll. © Mathias Peer für DIE ZEIT

Seahs Unternehmen, Heng Hiap Industries, betreibt eine der größten Recycling-Anlagen Malaysias. Derzeit läuft sie auf Hochtouren: Rund um die Uhr, sieben Tage die Woche sind die Maschinen in Betrieb. 110 bis 130 Tonnen gebrauchtes Plastik verarbeiten sie hier täglich zu Granulat – rund ein Drittel mehr als noch vor einem Jahr. Seit dem Importstopp der Chinesen hat sich Malaysia zum neuen Lieblingsziel westlicher Abfallhändler entwickelt. Laut Statistischem Bundesamt stieg allein der deutsche Export dorthin im Jahr 2017 um 50 Prozent an – auf 75.000 Tonnen.

Für Recycling-Unternehmer Seah ist das eine gute Nachricht. Er marschiert zwischen zwei Meter hoch aufgetürmten weißen Säcken hindurch, darin vorsortierte Plastikstücke in unterschiedlichsten Farben, Formen und Stärken. "Das Angebot an Plastik ist bei uns spürbar gestiegen", sagt der Fabrikbesitzer. "Wir haben jetzt mehr Auswahl und günstigere Preise." Seah greift in einen hüfthohen Sack mit dunkelroten Stückchen: "Wahrscheinlich war das mal eine Bierkiste", vermutet er.

Woher die Teilchen genau stammen, kann der Manager nicht sagen – sein Unternehmen kauft sie bei lokalen Händlern, und die kaufen überall. In drei bis vier Jahren werde sein Unternehmen doppelt so groß sein wie heute, sagt er und freut sich.

Melissa Lin freut sich nicht über die deutschen Plastikmassen. Die 25-jährige Malaysierin fürchtet um ihre Gesundheit. Lin, die eigentlich anders heißt, lebt mit ihrer Mutter und drei Schwestern in Semenyih Parklands, einer Reihenhaussiedlung in einem Vorort der Millionenmetropole Kuala Lumpur. Die Wohngegend wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückzugsort für Mittelschichtsfamilien: breite, saubere Straßen, kaum Verkehr und Sicherheitspersonal, das aufpasst, dass keine unerwünschten Personen die Siedlung betreten. Doch Lin und ihre Nachbarn quält etwas, das nicht sofort sichtbar ist.

Die Reihenhaussiedlung liegt 200 Meter von einer Recycling-Fabrik mit dem Namen Technology PP Industries entfernt. Von dort weht mehrmals am Tag eine Wolke über ihre Siedlung, die unerträglich nach verbranntem Kunststoff stinkt. "Es brennt in der Nase, ich kann kaum noch atmen und bekomme Kopfschmerzen", sagt Lin, "manchmal dauert es eine Stunde, bis der Gestank wieder nachlässt."

Die malaysische Verbraucherschutzorganisation CAP hat Klagen wie die von Lin aufgegriffen und Beschwerde gegen das Unternehmen eingelegt. Die zuständigen Behörden fanden heraus, dass die Fabrik die Grenzwerte bei der Emission gesundheitsgefährdender Stoffe überschritten hat, und ordneten eine Begrenzung der Betriebszeiten an. Mitunter seien die Abgaswolken etwas weniger geworden, erzählt Lin. Inzwischen zögen sie aber wieder in fast unveränderter Häufigkeit und Dichte über ihre Siedlung.

"Vorhandene Vorschriften durchzusetzen ist ein Problem hier", sagt die Aktivistin Mageswari Sangaralingam, die sich bei CAP mit den Plastikmüll-Importen beschäftigt. "Das gilt für Regeln zum Schutz der Umwelt, der Arbeiter und der Bürger." Dabei ist der Müll, der wiederverwertet werden kann, nicht das größte Problem, das Plastik ist vorsortiert und damit vergleichsweise sauber. Viel schlimmer ist, was einfach so im Land ankommt. Ohne Absender. Kürzlich erst musste der Chef des größten Containerhafens des Landes, Port Klang, zugeben, dass dergleichen immer wieder vorkommt. Dort lagern dann Hunderte herrenlose Container mit verdrecktem Plastikmüll unbekannter Herkunft. Laut lokalen Medien stammen sie aus den USA, Großbritannien – und Deutschland.

Der Süden als globale Müllkippe: Neu ist das nicht, schon vor 30 Jahren unterschrieben die Regierungen der Welt das "Basler Übereinkommen", um die schlimmsten Halden zu verhindern. Seither darf Abfall ein Land offiziell nur noch verlassen, wenn der Empfänger grünes Licht gibt – weil er den Müll wiederverwenden kann. Doch das ist Theorie. In der Praxis wird mehr Müll denn je in Afrika und in Asien abgeladen, notdürftig vergraben oder verbrannt. Oder nicht einmal das. Oft bleibt er einfach liegen, die Plastikteile zersetzen sich in der Sonne, fliegen dann als Mikropartikel durch die Luft, lagern sich in der Erde ab, schwimmen in Seen, Flüssen, im Meer – und gelangen irgendwann in andere Teile der Welt. Zum Beispiel als Fleur de Sel in die Töpfe deutscher Hobbyköche.

Es ist eine beängstigende Variante der Globalisierung, über die niemand gern spricht.

Die unsichtbare Gefahr

"Eine extrem hohe Belastung von Mikroplastik wurde ausgerechnet in Eiskernen aus der Arktis gefunden", sagt Gunnar Gerdts. Der Mikrobiologe forscht nach den Spuren des Mülls und findet sie fast überall. Im Labor der Helgoländer Außenstelle des Alfred-Wegener-Instituts hat er Mikroplastik auch in heimischen Makrelen, Flundern, Heringen, Dorschen und Klieschen entdeckt.

"Plastiktüten sind in Ruanda verboten"

Was genau das Zeug in den Meerestieren anrichtet, wurde wenig erforscht. Bekannt ist aber, dass es in Magen und Verdauungstrakt den Platz für Futter raubt. Die Tiere fühlen sich satt, obwohl sie nicht genug gefressen haben. Also werden sie schwächer und anfälliger. Ob auch die hormonartigen Substanzen in den Plastikzusätzen dazu beitragen, ist noch nicht eindeutig geklärt, genau wie die langfristige Wirkung auf den Rest der Nahrungskette. Also auf uns. Aber kann für den Menschen gut sein, was dem Fisch schadet?

In Meerestieren sind Kleinstpartikel heute "allgegenwärtig", warnt die Toxikologin Lisbeth Van Cauwenberghe von der belgischen Universität Gent in einer Studie über Muscheln, Plankton und Fische. Und auch in Flüssen und Seen sind die Partikel bereits überall. Fünf deutsche Landesumweltbehörden haben jüngst 52 Messstellen im Einzugsgebiet von Rhein und Donau eingerichtet, alle schlugen aus. "Es kann von einer zivilisatorischen Grundlast von Kunststoffpartikeln in den Gewässern ausgegangen werden", heißt es im Abschlussbericht. Anders formuliert: Winzige Plastikteile sind heute überall. Sie sind eine Folge unserer Art zu leben und zu wirtschaften. Welche konkreten Folgen das hat, weiß man noch nicht.

Lernen von Ruanda

6.500 Kilometer südlich von Deutschland kämpft eine Regierung mit radikalen Mitteln gegen das Plastik. Zwischen Kenia, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo liegt Ruanda, ein Land mit weniger Fläche als Brandenburg. Es ist die Heimat von zwölf Millionen Menschen. 1994 kam es hier zum grausamen Genozid an den Tutsi. Heute aber lässt sich eine ganz andere Geschichte erzählen. Sie beginnt schon vor der Landesgrenze.

"Plastiktüten sind in Ruanda verboten. Wenn Sie Plastiktüten bei sich haben, lassen Sie sie bitte an Bord", sagt das Kabinenpersonal der europäischen Fluggesellschaft kurz vor der Landung in der Hauptstadt Kigali durch. Am Flughafen dann: große Verbotsschilder und grimmige Beamte, die einzelne Reisende herauswinken, um deren Gepäck zu durchsuchen.

Bereits 2008 beschloss Ruanda, Plastiktüten komplett zu verbieten. Seitdem droht jedem, der sie herstellt, verkauft oder importiert, eine hohe Geldstrafe oder sogar Gefängnis. Das Ergebnis sieht man auf Kigalis Straßen – oder besser: Man sieht es nicht. Die Stadt, die wie Rom auf Hügel gebaut wurde, ist verblüffend sauber. Wer andere Entwicklungsländer bereist hat, weiß, das ist keine Selbstverständlichkeit. In vielen Staaten Südostasiens oder Afrikas sieht man massenweise kleine Tüten, die sich in Bäumen verfangen, die Abflüsse verstopfen und so Überflutungen auslösen, die über Felder wehen oder von Tieren gefressen werden, die am Straßenrand verbrennen und deren giftiger Rauch in der Lunge sticht, die weggeworfen werden und in denen sich Regenwasser sammelt, das dann zur Brutstätte für Malaria-Moskitos wird.

All das war auch in Ruanda so. Es war ein gewagter Schritt, den die Regierung von Paul Kagame 2008 ging. Heute gibt es über 40 Staaten, in denen Plastiktüten verboten oder mit einer Steuer belegt sind – damals aber gab es keine Vorbilder. Kagames autoritärer Führungsstil und die (berechtigte) Furcht in der Bevölkerung, bei Fehlverhalten an die Behörden gemeldet zu werden, haben das Verbot weitestgehend durchgesetzt. Der Präsident kann sich dabei auf die Verfassung seines Landes stützen. Sie räumt jedem Ruander das Recht auf eine gesunde und wohltuende Umwelt ein, nimmt ihn aber auch in die Pflicht, diese zu bewahren.

Die Regierung verbot aber nicht nur, sie unterstützte die Produzenten auch dabei umzurüsten und sensibilisierte die Bevölkerung in einer aufwendigen Kampagne. Heute, zehn Jahre nach Einführung der Plastikächtung, überlegt die Regierung sogar, Ruanda jenseits der Tüten komplett plastikfrei zu machen.

Wie es auch besser gehen könnte

"Plastikmüll vermeiden – die Idee mögen die Verantwortlichen in Deutschland nicht", sagt Henning Wilts. Der Mann ist Chef des Forschungsbereichs Kreislaufwirtschaft am Wuppertal-Institut und einer fantastischen Idee auf der Spur. Wilts will herausfinden, wie alles, was wir wegwerfen, immer und immer wieder benutzt werden könnte. Wie also Müll tatsächlich wieder Rohstoff werden könnte. Wilts glaubt fest daran, dass da viel mehr geht. Aber er sagt auch, nicht alles komme für Wiederverwertung infrage – Plastik schon gar nicht. Wer also keine Endlagerstätten in Bergwerken wolle, Plastikinseln im Pazifik und wilde Kippen in Malaysia, dem bleibe als Lösung nur: weniger!

Deutschland sei ein Opfer seines vermeintlichen Erfolges, sagt Wilts, Opfer der gelben Tonne, Opfer der Wiederverwertungslüge. Die habe eine gewaltige Abfallindustrie geschaffen, deshalb gebe es in Wirtschaft und Politik kaum mehr jemanden, der an weniger Müll interessiert sei. Dabei wäre das möglich.

Plastikmüll - Enzym recycelt nachhaltig In Großbritannien haben Forscher ein Enzym entdeckt, dass das Plastikproblem auf der Erde verkleinern kann. Das Enzym verdaut Plastik und nutzt es als Nahrung. © Foto: Lynne Cameron/PA Wire/dpa

Wilts erzählt die Geschichte vom armen Irland: Als das Land in den 1990er Jahren plötzlich ein Müllproblem bekam, aber wegen der Finanzkrise kein Geld hatte, um Verbrennungsanlagen zu bauen, verabschiedete das Parlament einfach Gesetze zur Vermeidung von Müll – und damit auch von Plastik. Statt beispielsweise – wie in Deutschland – für Krankenhausabfälle spezielle Deponien und Verbrennungsanlagen zu bauen, machte man die Müllentsorgung so teuer, dass Müll vermieden wurde. Unternehmen wurden gefördert, wenn sie weniger verpackten. Und die Plastiktüte wurde besteuert.

"In Deutschland gibt es sehr detaillierte Recycling-Vorgaben, aber keinerlei Zielvorgaben für die Vermeidung von Verpackungsabfällen", so Wilts: Müll zu vermeiden empfänden die Zuständigen in der Wirtschaft, aber auch in Behörden und Ministerien angesichts der auf dem Papier hohen Verwertungsquoten als Herabsetzung ihres Erfolgs. Dafür fühlten sie sich nicht zuständig. "Und leider auch sonst keiner." Das heißt: Unser Plastikproblem schreit nach der Politik.

Eine Aufgabe für die Politik

Brüssel im Januar 2018. Normalerweise beschäftigt sich Frans Timmermans mit großkalibrigen Themen, mit der Flüchtlingspolitik oder der Reform der EU. Heute aber redet der Vizepräsident der EU-Kommission vor der internationalen Presse über: Müll. "Wenn wir nicht die Art und Weise ändern, wie wir Kunststoffe herstellen und verwenden, wird 2050 in unseren Ozeanen mehr Plastik schwimmen als Fische", warnt der Niederländer und kündigt eine umfassende "Kunststoffstrategie" an.

Seine Behörde hat dazu viele Papiere geschrieben, aber hinter allen steckt eine Idee: die "Kreislaufwirtschaft". Brüssel setzt darauf, dass Rohstoffe wiederverwertet werden – durch neue Technik und höhere gesetzliche Quoten. Diesen Weg geht Deutschland bereits, ab kommendem Jahr soll deutlich mehr Kunststoff recycelt werden. Allerdings, sagen die Fachleute, funktioniert genau das bisher nur begrenzt; je bunter und vermischter die Verpackungen, desto schwieriger das Recyceln. Trotzdem will die Kommission bis 2030 – also bereits in zwölf Jahren – nur noch wiederverwertbare Kunststoffabfälle in der EU haben. Und das, obwohl sie selbst gerade noch ein Jahr im Amt ist, also kaum Zeit bleibt, neue Richtlinien durch die Parlamente zu bekommen. Bleibt also nur das Verbot?

Robert Habeck, der Noch-Umweltminister von Schleswig-Holstein, sagt: "Ja, wir brauchen Verbote – und Steuern!" Als der Umweltskandal an der Schlei bekannt wurde, ist er gleich hingefahren und hat sich die Schweinerei angesehen. Es sei falsch, dass Lebensmittel – so wie es dort passiert ist – mit der Verpackung geschreddert werden dürfen. Doch Habeck treibt das Thema auch grundsätzlich um, länger schon und ganz unabhängig von dem norddeutschen Skandal: "Wir müssen viel ernsthafter darüber reden, wie wir den Einsatz von Plastik insgesamt reduzieren."

Manche Anwendungen müssten verboten werden, es gehe doch nicht an, dass ausgerechnet für die am kürzesten benutzten Produkte die langlebigsten Materialien verwendet würden: Mikroplastikkügelchen in Zahnpasta beispielsweise oder eben Tüten. Bei anderen Produkten könnte eine Steuer helfen. Habeck weiß aber auch: Das kann nur der Bund oder Europa. Seine Macht als Landesminister ist da begrenzt. Ende Mai will er die Kollegen auf der Umweltministerkonferenz trotzdem zu einem Beschluss überreden. Es wäre ein Signal – auch an den Konsumenten.

Ein erster Schritt

Erik Does’ Signal besteht aus fünf Wörtern. Er hat es vor einem Supermarkt in der Amsterdamer Innenstadt aufstellen lassen: "Und jetzt sind wir plastikfrei". Does ist der Chef der niederländischen Supermarktkette Ekoplaza. Wenn gelingt, was er sich vorgenommen hat, soll hier eine Revolution beginnen. Die Filiale am Ufer des Jacob-van-Lennep-Kanals ist der erste plastikfreie Supermarkt der Welt. Kommt er bei den Kunden an, will Does das Konzept auf alle anderen Ekoplaza-Märkte ausweiten, insgesamt 74 im Land.

Wer den Ekoplaza-Supermarkt betritt, der findet in der Auslage zwar verschweißten Salat, Fleisch in kleinen Schälchen und Kilosäcke mit Möhren. Beim Anfassen der Verpackung aber wird spürbar: Das hier ist kein Kunststoff, wie man ihn aus anderen Supermärkten kennt. Manche Verpackungen sind härter als Plastik, andere knistern beim Hochheben, wieder andere sind weich und fühlen sich ein bisschen wie Frischhaltefolie an. Auf all den Produkten klebt ein kleines Schild: "plastic-free".

Does, Jeans, Turnschuhe und graue Strubbelhaare, lehnt am Regal, in dem sich Tee und Schokolade stapeln. "Alle Verpackungen, die wie Plastik aussehen, sind aus pflanzlichem Material hergestellt und biologisch abbaubar", sagt er. Innerhalb von zwölf Wochen soll nichts mehr davon übrig sein. Aber auch die abbaubare Variante sei nur ein Schritt auf dem Weg zu weniger Verpackungen. In vielen seiner Filialen können Kunden zum Beispiel Nüsse und getrocknetes Obst in mitgebrachte Dosen und Gläser abfüllen. "Nur weniger Plastik hilft am Ende wirklich", sagt Does.

Gerade hat er im Markt in Amsterdam eine Rede an seine Lieferanten gehalten. "Seid ihr bereit, euch zu verändern?", hat er sie gefragt. Denn dass eine Veränderung hermuss, davon ist Does überzeugt. Er will raus aus der Öko-Nische und rein in den Massenmarkt – nur so lässt sich wirklich Plastik vermeiden. Does sagt: "Wir können nicht immer nur klagen, dass etwas passieren müsste. Irgendeiner muss anfangen."