Die Halle in Dübendorf ist reserviert, die Showacts sind gebucht. Anfang Mai wird bei Tamedia gefeiert, das größte Verlagshaus der Schweiz wird 125 Jahre alt. Und glaubt man den offiziellen Verlautbarungen aus der Chefetage, steht es gut um das Unternehmen.

Da sind zum einen die Zahlen. Der Umsatz ging im vergangenen Jahr zwar leicht zurück, dafür stieg der Gewinn. Auf 170,2 Millionen Franken. Da ist aber auch die Perspektive. Nicht nur im digitalen Gemischtwarenangebot, das Tamedia mittlerweile feilhält, sondern auch im Geschäft, um das die Verlegerfamilie ihre börsenkotierte Mediengruppe baute: dem Journalismus.

Wie in allen Schweizer Verlagen, gehen auch bei Tamedia die Werbeerlöse stark zurück. Um 35 Millionen Franken allein im Jahr 2017. Weil das Geld fehlt und weil Tamedia seine Tageszeitungen nicht mit den Erlösen aus anderen Unternehmensteilen quersubventionieren will, muss der Verlag sparen.

Andere Häuser gründen dafür ein Joint Venture mit der Konkurrenz. Wie zum Beispiel die AZ Medien, die mit den Regionalmedien der NZZ Mediengruppe zusammengehen. Tamedia entschied sich für eine Großredaktion.

Das klingt zunächst nach einem Bürokratieungeheuer, nach medialem Einheitsbrei. Auch Verleger Pietro Supino sagt: "Durch unsere Reorganisation geht Vielfalt verloren."

Das Projekt bietet aber gleichzeitig die Chance, erstmals mit einem privaten Medium die ganze Schweiz abzudecken. Die neu formierte Tamedia-Redaktion in Zürich, die seit einigen Monaten sämtliche Kopfblätter der Gruppe beliefert, könnte das Herzstück einer gedruckt und digital verkauften SRG-Konkurrenz sein. Frei von einem Konzessionsauftrag würde eine Supergroup aus den besten Journalisten von Tages Anzeiger und Berner Zeitung, von Bund und den Zürcher Landzeitungen, von Le Matin und 24 heures quer durchs Mittelland über Bundesbern bis in die Westschweiz berichten – nur in der Ostschweiz, im Tessin und in Basel fehlt ein Tamedia-Brückenkopf. Denn am Mittwoch wurde offiziell, was schon seit einigen Wochen vermutet wurde: Tamedia kauft die Basler Zeitung.

Ob ein solcher Plan funktioniert und was tatsächlich dahintersteckt, nur der Spar- oder auch ein publizistischer Gestaltungswille, das zeigt sich erst, wenn aus der Theorie Praxis wird – und hier hapert es bei Tamedia.

Als Verleger Supino im März die Geschäftszahlen präsentierte, betonte er: Guter Journalismus "ist und bleibt der Kern unseres Familienunternehmens". Aber dass es auch Wertschätzung für jene braucht, die diesen Journalismus liefern, die Zeitungen mit ihren Geschichten, Recherchen, Analysen und Kommentaren füllen, dieses Gespür scheint der Tamedia-Chefetage zu fehlen.

In die fünfköpfige Chefredaktion des zentralen Newsrooms schaffte es nur ein einziger Berner. Statt einer Zeitung für die ganze Schweiz, erhält die ganze Schweiz nun eine Zeitung aus Zürich.