Ausgerechnet in so einer komplexen und kritischen Alltagssituation lässt uns die Wissenschaft allein. Jedes Mal nämlich, wenn wir mit tropfnassen Händen in einer öffentlichen Toilette stehen und überlegen: Sollen wir die Hände unter beziehungsweise in den Händetrockner halten? Oder sie mit Papiertüchern (falls vorhanden) abwischen oder gleich an der Hose?

Eine Studie weckt Hoffnung auf Klarheit. Sie handelt von der Deponierung von Bakterien und Bakteriensporen durch Toiletten-Heißluft-Handtrockner. Das im Fachjournal Applied and Environmental Microbiology veröffentlichte Ergebnis: Läuft ein Handtrockner, werden deutlich mehr Bakterien "deponiert", als wenn er nicht läuft. Endlich, denkt man, ist bewiesen, was man schon immer zu fühlen glaubte: Handtrockner sind Keimschleudern.

Doch ein genauer Blick in die Untersuchung offenbart Unsauberkeiten. Nicht auf den Händen wurde die Bakterienbelastung gemessen, sondern auf Probeschälchen irgendwo im Raum. Außerdem fehlt der Vergleich mit Papiertüchern.

Die weitere Recherche in der Trockner-versus-Papier-Literatur ergibt ebenfalls kein klares Bild. So kamen im Jahr 2008 Forscher der University of Westminster zu dem Schluss, dass nach dem Trocknen mit Papier die Zahl der Keime deutlich reduziert war – nach dem Trocknen mit Trocknern dagegen erhöht. Die Studie war jedoch vom European Tissue Symposium in Auftrag gegeben worden, dem Berufsverband der Zellstoffproduzenten.

2011 wiederum veröffentlichten Wissenschaftler der University of Bradford einen Test mit dem Düsentrockner Airblade. Die Maschine erzeugt einen Luftstrom mit einer Geschwindigkeit von mehr als 600 Kilometern pro Stunde. Das Ergebnis: "Der Airblade war den Warmlufttrocknern beim Reduzieren des Transfers von Bakterien überlegen." Was die Forscher außerdem herausfanden, aber nicht prominent erwähnten: Papiertücher waren allen Trocknertypen überlegen. Diese Studie wurde vom Airblade-Hersteller Dyson finanziert.

2016 schließlich sorgte eine Untersuchung für Wirbel, nach welcher der Turbotrockner die Keime von den Händen geradezu in der Gegend versprüht. Er produzierte in der Testsituation mehr als 1.300-mal so viele Virenbeläge im Raum wie Papiertücher. Einer der beiden Autoren der Studie bezog Beratungshonorare und Reisespesen vom European Tissue Symposium.

Im Kampf der Hygiene-Industrie um Marktanteile machen sich offenbar einige Forscher die Finger schmutzig.

Gibt es keine anderen Studien? Doch, die taugen aber ebenfalls nicht viel, urteilt die österreichische Cochrane-Gruppe für evidenzbasierte Forschung: methodisch unsauber allesamt. Die Organisation will deshalb keine Empfehlung pro Papier oder pro Püster abgeben. Höchste Zeit also, dass die Wissenschaft diese Angelegenheit endlich klärt. Mit einer richtig trockenen Studie.