Wie eine Spinne im Zentrum ihres Netzes sitzt der schmale, tätowierte Mann an seinem Computer. Er ist umgeben von zahllosen Gitarren, Effektgeräten und Aschenbechern, in denen schon Hunderte selbst gedrehte Zigaretten ihr Ende gefunden haben. Das Reich von Sebastian Adam, genannt Zebo, liegt im Keller eines unscheinbaren Hauses in Wien-Meidling. Wenn der langhaarige, 38-jährige Musikproduzent mit Bands neue Platten aufnimmt, verlässt er wochenlang kaum das Haus – und das kommt mittlerweile oft vor.

Die Zeiten, in denen erfolgreiche heimische Bands einen Exotenstatus hatten, sind vorbei. Wien ist als Musikstandort wieder auf die Landkarte zurückgekehrt. Wanda und Bilderbuch, die wichtigsten zeitgenössischen Export-Acts, stiegen letztes Jahr mit ihren neuen Alben nicht nur in Österreich, sondern auch in Deutschland in die Top Ten ein. Einen Anteil an dieser Hochphase der österreichischen Musikszene hat auch Zebo Adam: ein Musikersohn und Musiktalent schon in Jugendtagen, der aber erst in seinem Kellerstudio in Meidling zu sich finden wird, wo er Bands wie die Hitparadenstürmer Bilderbuch und andere österreiche Indiegruppen produziert.

In den nuller Jahren, als Zebo Adam mit den professionellen Produktionen beginnt, sind die Voraussetzungen für österreichische Bands schwierig. "Als wir die ersten Alben gemacht haben, war klar: Es gibt eine Glasdecke", sagt Adam. Der Radiosender Ö3 spielte kaum heimische Bands, auf österreichischen Festivals traten diese höchstens am Nachmittag auf.

"Man hat damals oft den Satz gehört: 'Das ist für eine österreichische Band eh okay'", erinnert sich Hannes Tschürtz von Ink Music, auf dessen mittlerweile nicht mehr fortgeführtem Label Schönwetter Schallplatten auch die ersten Bilderbuch-Alben erschienen sind. Verändert habe sich das durch den Radiosender Fm4, durch Labels wie Seayou oder Siluh Records – und durch Leute wie Zebo Adam.

"Wir haben die Glasdecke gesprengt", sagt Adam selbstbewusst. "Aber das haben wir uns alles erarbeitet." Es ist ein typischer Satz für den Produzenten aus Meidling. Zebo Adam kann sehr zärtlich über Musik reden. Dann fallen Aussagen wie: "Ich mache meinen Job, weil die Musik anderer Leute immer noch mein Leben verändert", oder: "Ich steh der Welt skeptisch gegenüber, aber bei Musik hab ich ein Urvertrauen."

Aus Äußerlichkeiten macht sich Adam nicht viel, am liebsten trägt er T-Shirts von Metal-Bands. Wenn er redet, dann langsam und überlegt, er weiß genau, was er sagen muss, um einen Effekt zu erzielen. Das komme durch seine Arbeit mit den Bands, sagt Adam. Ein guter Produzent sei auch ein guter Psychologe: "Man muss vor allem antizipieren können." Seine Aufgabe sei, die Quintessenz einer Band zu finden und in Ordnung zu bringen. "Ich seh mich da ein bisschen als Reiseleiter."

Zebo Adam kann aber auch sehr hart über Musik und den Weg dorthin reden. Dann geht es oft um Begriffe wie Arbeit und Leistung. Von den Bands, die mit ihm aufnehmen, erwartet er Disziplin und Einsatz. "Eine österreichische Krankheit ist, dass man immer zuerst fragt, was man denn dafür bekommt." Seinen Bands sage er das auch direkt ins Gesicht: "Wieso sollten Menschen für euch Geld ausgeben, wieso sollte ein Businesspartner in euch investieren, wenn ihr nicht zuerst selber Energie reinstecken wollt?"

Diese Härte hat Zebo Adam von seinem Vater Ludwig Adam, Wickerl genannt, der einst seine eigene Band zwang, vor Tourneen wochenlang zu proben. Und der seinem Sohn beibrachte, dass Musiker ein Job ist, in den man zunächst seine Energie investieren muss, bevor man erwarten kann, Erfolge zu ernten.

Als Jugendlicher ist er ein Wunderkind – und so arrogant, dass sich Freunde abwenden

Im Jahr 1977 gründet Vater Ludwig Adam die Hallucination Company. Es ist eine Mischung aus Band, Performance und Theater. Oft stehen 14 Leute auf der Bühne, Musiker wie Falco und Hansi Lang beginnen dort ihre Karrieren.

Zebo Adam geht noch im Mutterbauch mit auf Tour, die ersten Lebensjahre fährt er mit einem Kindermädchen und der Band umher. "Für mich war immer klar, dass ich irgendwann in einem Backstage-Raum oder hinter einem Mischpult landen würde", sagt Adam. "Da hab ich mich wohlgefühlt, den Rest der Welt versteh ich nicht wirklich."