Seit sieben deutsche Bischöfe sich an Rom gewandt haben, wird öffentlich über manches spekuliert: Hat die Deutsche Bischofskonferenz ihre Kompetenz überschritten? Muss das nicht auf weltkirchlicher Ebene entschieden werden? Reichte dazu, dass wesentlich mehr Bischöfe zugestimmt haben, als dies nach den Statuten erforderlich ist, oder hätte Einstimmigkeit erreicht werden müssen? Handelt es sich – wovon die Orientierungshilfe ausgeht – um eine pastorale Lösung oder vergreift man sich damit an der Lehre der katholischen Kirche? Sind die meisten deutschen Bischöfe theologisch unbedarft oder die anderen in manchem theologisch zurückgeblieben? War alles nicht sehr gut vorbereitet? Ist der Versuch, auf diese Weise Rom einzubeziehen, tatsächlich ein ganz normaler Vorgang oder eher eine ungewöhnliche Intrige? Welche Motive bewegen deren Betreiber? Versteht man die katholische Kirche als ein geschlossenes Lehr- und Rechtssystem, das keinerlei pastorale Ausnahmen duldet, oder ist es nicht in manchen Einzelfällen um des Seelenheils willen sogar geboten, gelegentlich davon abzuweichen? Eine öffentliche Auseinandersetzung ist entbrannt, obwohl die betreffende Handreichung noch gar nicht erschienen und bekannt ist. Angesichts solcher Fragen und damit verbundener Meinungen erlaube ich mir als jemand, der wesentlich an dem Text mitgearbeitet hat, auf Folgendes zu verweisen:

Grundlagen

Unsere Handreichung bewegt sich im Rahmen der gegenwärtigen theologischen und kirchenrechtlichen Möglichkeiten und geht zunächst vom Ökumenismusdekret des Zweiten Vatikanischen Konzils Unitatis redintegratio (1964) und vom Kodex des Kanonischen Rechts (1983) aus. Wie man sich in der Frage einer Eucharistiegemeinschaft mit Christen anderer Kirchen – so heißt es im ersten Dokument (UR 8) – "konkret zu verhalten hat, soll unter Berücksichtigung aller Umstände der Zeit, des Ortes und der Personen die örtliche bischöfliche Autorität in klugem Ermessen entscheiden, soweit nicht etwas anderes von der Bischofskonferenz nach Maßgabe ihrer eigenen Statuten oder vom Hl. Stuhl bestimmt ist". Dabei seien "zwei Prinzipien maßgebend: Die Bezeugung der Einheit verbietet in den meisten Fällen die Gottesdienstgemeinschaft (communicatio in sacris), die Sorge um die Gnade empfiehlt sie indessen in manchen Fällen." Und in can. 844 § 4 CIC ist ausgeführt: "Wenn Todesgefahr besteht oder wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs bzw. der Bischofskonferenz eine andere schwere Notlage (gravis necessitas) dazu drängt, spenden katholische Spender diese Sakramente (gemeint sind Buße, Eucharistie und Krankensalbung) erlaubt auch den ... nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die einen Spender der eigenen Gemeinschaft nicht aufsuchen können und von sich aus darum bitten, sofern sie bzgl. dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind." Ähnlich äußern sich auch spätere Dokumente (wie das Ökumenische Direktorium und der Katechismus der katholischen Kirche von 1993 sowie die zwei Enzykliken von Papst Johannes Paul II. Ut unum sint von 1995 und Ecclesia de eucharistia von 2003), wobei aber unter den Bedingungen die Erreichbarkeit eines Spenders der eigenen Gemeinschaft nicht mehr als eigenes Kriterium genannt wird. Bei konfessionsverbindenden Paaren, die gemeinsam eine Eucharistie mitfeiern, ist dies ohnehin nicht entscheidend. Außerdem wird auch die Sorge um solche Paare, die ja nicht nur durch die Taufe, sondern auch noch durch das Sakrament der Ehe verbunden sind, zum Ausdruck gebracht und die Möglichkeit einer gemeinsamen Teilnahme an der Eucharistie im Ausnahmefall in den Blick gerückt. Und schließlich spricht Papst Johannes Paul II. in Ecclesia de eucharistia (45) selbst davon, dass einzelnen Personen, die nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehen, bei einem "schwerwiegenden geistlichen Bedürfnis" (gravis spiritualis necessitas), nämlich die Kommunion zu empfangen, entgegenzukommen ist. Man könnte eine solche Situation auch als eine "schwere geistliche Notlage" bezeichnen.

Auf diesem Hintergrund kann also eine Bischofskonferenz oder sogar ein einzelner Bischof verantwortlich darüber urteilen, was in diesem Zusammenhang außer Todesgefahr eine "andere schwere Notlage" ist und welche Wege und Bedingungen für möglich gehalten werden, um im Einzelfall eine volle Mitfeier der Eucharistie zu eröffnen. Nichts anderes ist nun endlich geschehen. Da nicht überall auf der Welt die Bevölkerung konfessionell so gemischt ist wie in Deutschland und auch nur in wenigen Gegenden auf der Erde sich ein solches Gespür für die Herausforderungen der davon betroffenen Ehen entwickelt hat wie bei uns, erscheint es durchaus als sinnvoll und erlaubt, ja sogar als dringlich, nicht erst auf eine gesamtkirchliche Entscheidung zu warten, sondern die Initiative zu ergreifen, eine verantwortungsbewusste und angemessene Lösung vor Ort zu finden.

Verfahren

Nachdem in der französischen Diözese Straßburg bereits seit 1972 für konfessionsverbindende Paare Möglichkeiten aufgezeigt wurden, gemeinsam die Kommunion zu empfangen, versuchten verschiedene Bischofskonferenzen dann vor zirka 20 Jahren, can. 844 § 4 CIC anzuwenden: so zum Beispiel 1998 die von England und Wales, Irland und Schottland, 1999 die von Kanada und 2000 die von Südafrika. Die kanadische Bischofskonferenz musste ihre Empfehlung zur Inkraftsetzung durch einzelne Bistümer auf Intervention der Glaubenskongregation 2003 zwar wieder zurückziehen, einzelne Bistümer setzten die Empfehlung aber dennoch um (Calgary 2003 und Saskatoon 2007). Dabei ging es um kasuistische Regelungen: Zu bestimmten Anlässen wie der eigenen Trauung oder der Erstkommunion der eigenen Kinder sah man den Kommunionempfang des evangelischen beziehungsweise anglikanischen Ehepartners für erlaubt an, ansonsten aber nicht. Eine solche Möglichkeit hielten die deutschen Bischöfe jedoch bereits vor über 15 Jahren, als sie sich schon einmal intensiv mit dieser Problematik auseinandersetzten, nicht für überzeugend und vermittelbar. Klar war für sie auch, dass nicht jede konfessionsverschiedene Ehe generell als "schwere Notlage" angesehen werden kann. Zudem verwies Joachim Kardinal Meisner damals darauf, dass Rom in allernächster Zeit noch genauer definieren würde, was unter "gravis necessitas" zu verstehen sei. Eine solche Definition aber kam bis heute nicht. Damit war jedoch das Bemühen um eine hilfreiche Lösung in der Frage des Kommunionempfangs für konfessionsverbindende Ehepartner erst einmal wieder ausgebremst.