Die Zapfen dieser Nadelbäume reagieren auf Feuchtigkeit: Wenn es regnet, schließen sie sich und schützen so ihre Samen. Bei trockenem Wetter öffnen sie sich, weil dann die Samen leichter sind und vom Wind weiter getragen werden. Dieser Mechanismus funktioniert selbst dann noch, wenn der Zapfen schon längst nicht mehr am Baum hängt. Für echte Tannen gilt das nicht – deren Zapfen verlieren schon am Baum sämtliche Schuppen.*

Wie funktioniert der Mechanismus? Pflanzen haben ja keine Muskeln. Sonnenblumen können sich nach der Sonne drehen, indem sie an der sonnenabgewandten Seite des Stängels schneller wachsen als an der anderen (Stimmt’s? Nr. 39/02).

Aber Zapfen bestehen aus toten Zellen, da wächst nichts mehr. Ihre Bewegungen sind passive Reaktionen des Zellmaterials auf das eindringende Wasser. Pflanzen "zeigen einige der elegantesten Anwendungen der Fluiddynamik in der Natur", heißt es in einem Artikel, den koreanische Forscher vor drei Jahren in Nature Scientific Reports veröffentlichten. Sie schnitten die Zapfen längs in der Mitte durch, tauchten sie in Wasser und beobachteten dann den Flüssigkeitstransport, unter anderem mit einem Multiphotonenmikroskop und einem Computertomografen.

Das Wasser läuft durch die schräggestellten äußeren Deckschuppen in den Zapfen hinein, gelangt aber nicht ins Innere, sondern fließt zurück in diese Schuppen, die sich ausdehnen und so die Lücken schließen. Dieser Mechanismus leiert nicht aus – der Zapfen kann sich beliebig oft öffnen und schließen.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de.

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

* In der ursprünglichen Fassung der Kolumne war von Tannenzapfen die Rede. Aber just für die echte Tanne gelten die beschriebenen Eigenschaften nicht – deren Zapfen verlieren ihre Schuppen, während sie noch am Baum hängen. Wir bitten um Entschuldigung.