Präsident Trump mag aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sein, eine wachsende Zahl von amerikanischen Umweltschützern, Bürgermeistern und Gouverneuren ist jedoch nicht bereit, ihm zu folgen. Angeführt wird der Widerstand gegen den Ausstieg von Michael Bloomberg, dem ehemaligen Bürgermeister von New York. Der Einsatz des Milliardärs geht so weit, dass er den jährlichen Beitrag zur Umsetzung des Klimaabkommens, den eigentlich die US-Regierung übernehmen sollte, aus eigener Tasche bezahlt. Die 4,5 Millionen Dollar, die sein wohltätiger Verein Bloomberg Philanthropies an die UN überweist, stellen 60 Prozent des versprochenen US-Beitrags dar. Seine Organisation werde auch 2019 wieder einspringen, sollte die US-Regierung den fälligen Betrag nicht bereitstellen, verkündete Bloomberg bereits. Der Ex-Bürgermeister erwarte aber immer noch, dass Trump umschwenke und die Verantwortung der USA übernehme, erklärte er in einem Interview.

Der Pariser Klimagipfel von 2015 galt als historischer Erfolg, weil sich die USA und China, die beiden größten Treibhausgasemittenten, anschlossen. 195 Länder sagten ihre Teilnahme zu.

Kaum hatte Präsident Trump im vergangenen Juni den Austritt der USA erklärt, da kündigte Ex-Bürgermeister Bloomberg an, Amerika werde trotz der Weigerung der Regierung in Washington an den Versprechen von Paris festhalten und seine Klimaziele erreichen. Für diesen Plan hat der Ex-Bürgermeister und Wall-Street-Unternehmer inzwischen immer mehr Verbündete gefunden: Jerry Brown, der Gouverneur von Kalifornien, gehört beispielsweise dazu. Die UN ernannten ihn zum "Special Advisor for Regions and States" der Klimakonferenz COP23.

Ihre Initiative "Wir sind noch drin", in der sich über 2.600 Volksvertreter, Universitäten und Unternehmen engagieren, repräsentiere 130 Millionen Wähler und sechs Billionen Dollar der US-Wirtschaftsleistung, heißt es auf deren Website. Vor allem geht das Engagement gegen den Klimawandel und die Untätigkeit der Trump-Regierung von den Städten aus. Aus verständlichen Gründen, sagt David Miller, der ehemalige Bürgermeister von Toronto und Nordamerikadirektor von C40, einem internationalen Zusammenschluss von 90 Großstädten.

Städter seien nicht nur die führenden Verursacher der Schadstoffemissionen, sondern auch die größten Leidtragenden von Folgen wie Luftverschmutzung, extremer Hitze und Überschwemmungen. "Städte setzen sich schon seit mehr als einem Jahrzehnt mit dem Thema Klimawandel auseinander", sagt Miller. "Die Entscheidung von Trump im vergangenen Jahr hat ihren Einsatz nur sichtbarer gemacht."

Ausgerechnet Trumps Absage hat einen Prozess der Dezentralisierung beschleunigt, der es für den Präsidenten schwieriger machen dürfte, die US-Umweltpolitik von Washington aus zu steuern. Bisher stoßen die globalen Aktivitäten der Bürgermeister allerdings auf institutionelle Hindernisse. Es habe lange gedauert, bis sich Institutionen wie die UN und die Weltbank für Städte und Regionen als Partner geöffnet hätten, sagt Miller. Einen Privatier wie Bloomberg als Ansprechpartner zu akzeptieren wäre bis vor Kurzem kaum denkbar gewesen. Nun nehmen die UN nicht nur die Spende des Milliardärs entgegen, sondern haben ihm auch den Titel eines UN-Sonderumweltgesandten verliehen. Im März fand im kanadischen Edmonton eine UN-Klimakonferenz der Städte statt – die erste ihrer Art. "Während die nationalen Regierungen noch herumeiern, ob sie hinter der Bekämpfung des Klimawandels stehen, gehen Bürgermeister und Wirtschaftsvertreter das globale Problem an", sagte Edmontons Bürgermeister Don Iveson zur Eröffnung.

Doch nicht alle sind überzeugt, dass der Alleingang der Stadtbewohner die richtige Strategie ist. Es verstärke den Konflikt zwischen urbanen Zentren und ländlichem Raum, sagt Aseem Prakash, Professor für Umweltfragen an der University of Washington in Seattle.

Die Städter seien von den wirtschaftlichen Folgen des Energiewandels nur entfernt betroffen. In den Kohlerevieren sieht das anders aus. "Die Rettung des Eisbären erscheint Menschen, die ihren Job verloren haben und nicht wissen, wie sie ihre Kinder versorgen sollen, als ein Luxusanliegen." Was der Umweltbewegung fehle, sei eine kulturelle Empathie für diejenigen, die sich durch das Ende von Kohle und anderen fossilen Brennstoffen in ihrer Existenz gefährdet sehen. Um eine wirkliche Veränderung zu bewirken, müsste jedoch ihnen konkrete Hilfe angeboten werden. Bloombergs Einsatz sei ehrenwert, aber wie viele Umweltschützer erreiche er diese Menschen nicht. So sei es Trump leichtgefallen, die Bekämpfung des Klimawandels für deren wirtschaftliche Nöte verantwortlich zu machen.

Trumps Minister und Behördenchefs sind derweil dabei, die bestehenden Umweltgesetze der USA aufzuweichen. Der Präsident will unter anderem die Auflagen für Autohersteller lockern, die niedrigere Emissionen und geringeren Treibstoffverbrauch vorschreiben. "Damit man wieder Autos in den USA bauen kann", wie Trump im März erklärte. Im Januar hatte die Umweltbehörde EPA eine seit Jahrzehnten bestehende Regulierung von Schadstoffemissionen zurückgenommen. Öl- und Gasunternehmen hatten seit Jahren gegen die Regeln gekämpft.

Im Oktober vergangenen Jahres kündigte das Innenministerium die größte Auktion von Ölförderrechten in US-Hoheitsgewässern an. Der zuständige Minister Ryan Zinke hat erklärt, er wolle prüfen lassen, ob sich Schutzgebiete für private Bergbau- und Ölkonzerne öffnen lassen. Trumps Budget sieht drastische Kürzungen für Klimaforschung und die Förderung von erneuerbaren Energien vor. Stattdessen setzt sich Energieminister Rick Perry für die Subventionierung von Kohlekraftwerken ein, die unter der zunehmenden Konkurrenz von Windkraft leiden. FirstEnergySolutions, ein Energieversorger, hat eine Rettung durch Steuergelder beantragt, weil der Konkurs die öffentliche Stromversorgung gefährde. Bisher ist der Antrag noch nicht genehmigt. Trump betonte allerdings bereits, dass er die "schönen" Kohlekraftwerke zurückbringen wolle.