DIE ZEIT: Warum herrscht in der Öffentlichkeit der Eindruck, dass das wichtigste Kulturprojekt des Bundes in keinem guten Zustand ist?

Monika Grütters: Ist das so? Ich nehme das anders wahr. Ich war enttäuscht, dass über viele Jahre nur über das Schloss, also das Gebäude, geredet wurde. Seit vier Jahren, seit der Gründungsintendanz mit Neil MacGregor, werden endlich auch die Inhalte diskutiert.

ZEIT: Herr Parzinger, was waren die Problemfelder, an denen sich der meiste Streit entzündet hat?

Hermann Parzinger: Ich weiß nicht, ob man von Streit sprechen kann. Die Staatlichen Museen zu Berlin sind das Rückgrat des Humboldt Forums. Ohne die Sammlungen, ohne die Kuratoren und ohne ihre Expertise gäbe es keine inhaltliche Dramaturgie für dieses Projekt. Es musste eine Struktur gefunden werden, bei der die Museen auf Augenhöhe mit den anderen Partnern im Humboldt Forum agieren können. Das ist jetzt geschehen, und damit sind wir alle sehr zufrieden.

Grütters: Jetzt kommen wir in die Phase, in der ein Generalintendant die Eröffnung 2019 vorbereiten und damit einen Ausblick darauf geben wird, was dort dauerhaft passieren soll. Dieser Generalintendant wird – wenn der Stiftungsrat zustimmt – Hartmut Dorgerloh sein.

ZEIT: Wann endet die Gründungsintendanz von Neil MacGregor, Horst Bredekamp und Ihnen, Herr Parzinger?

Parzinger: Die Gründungsintendanz wird sich auflösen, wenn der neue Generalintendant seine Position antritt. Natürlich bleibe ich durch die Stiftung und die Museen weiterhin diesem Projekt verbunden. Aber es ist ganz klar, dass es eine Person mit guten Moderationsfähigkeiten braucht, die das weitere Zusammenwachsen dieser unterschiedlichen Einrichtungen im Humboldt Forum befördert.

Grütters: Es wird jetzt, und das ist eine sehr positive Neuigkeit, die Verantwortung für den Vorsitz im Stiftungsrat vorfristig vom Bauministerium in mein Ressort übergehen und nicht erst mit der Schlüsselübergabe Ende 2019. Das Kabinett hat das in Meseberg so beschlossen.

ZEIT: Das Humboldt Forum soll nach Ihren Worten "die Visitenkarte der Nation" werden, es ist ein Kulturprojekt ganz neuer Art, und es sollte auch die koloniale Geschichte Deutschlands dort verhandelt werden. Warum ist Hartmut Dorgerloh dafür der richtige Mann?

Grütters: Weil er intellektuell anspruchsvolle Themen populär inszenieren kann und weil er Erfahrung im Leiten komplexer Institutionen hat. Im Humboldt Forum empfiehlt sich Deutschland als Partner in der Welt. Wir zeigen am zentralen Platz der Republik interdisziplinär Themen, die künstlerisch, gesellschaftlich und politisch relevant sind. Ausgangspunkt sind die außereuropäischen Sammlungen. Diese angemessen zu präsentieren ist eine große Herausforderung, an der wir alle gemessen werden. Dass die Aufarbeitung unseres kolonialen Erbes jetzt in den Blickpunkt gerät, zeigt, wie wichtig das Humboldt Forum ist, es hat bei der aktuellen Debatte um den Umgang mit dem kolonialen Erbe wie ein Katalysator gewirkt.

ZEIT: Herr Parzinger, würden Sie zustimmen, dass die Ethnologischen Sammlungen großartige Objekte haben, dass aber möglicherweise noch spannender als die Objekte selbst ihre Geschichte ist, die das künftige Museum erzählen darf?