I. Weniger macht mehr

Kunst ist nicht immer einmalig. Grafiken, Fotografien, Skulpturen lassen sich vervielfältigen. Je mehr es sind, desto weniger ist das einzelne Exemplar wert. Deshalb wird, wo Werthaltigkeit garantiert werden soll, die Auflage limitiert.

II. Verkaufen, was geht

Dürer zog seine Kupferstiche so oft ab, wie er sie verkaufen konnte. Das war zu seiner Zeit üblich. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Künstler die Grafik als eigenständiges Kunstwerk entdeckten, änderte sich das. Bei Fotografien bürgerte sich die Limitierung erst mit der Aufwertung der Fotografie als Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg ein.

III. Die Nummerierung

Auf jedem Blatt wird links unten die Nummer des Exemplars und, durch einen Schrägstrich getrennt, die Gesamtauflage notiert. Dazu kommen meist noch einige Abzüge für den Künstler, die nicht in den Handel gehen sollen. Weil es strittig ist, welche Auflagenhöhen akzeptabel sind, lancierte 1985 der inzwischen aufgelöste Bundesverband des deutschen Kunst- und Antiquitätenhandels (BDKA) den Begriff "sammelwürdig". Danach liegen die Grenzen bei 300 nummerierten Grafik-Abzügen, bei 25 Güssen einer Plastik und 100 Ausformungen einer Keramik.

IV. Verteuertes Buntpapier

Das geschah, weil der Kunstmarkt damals von Grafiken überflutet wurde. Der Experte Christian Herchenröder nannte das seinerzeit ein "durch die Signatur verteuertes Buntpapier". So bot die Edition Huber signierte und nummerierte Lithografien von Paul Wunderlich in 10.000er-Auflage an. Von Dalí kursieren oft weit mehr als tausend Abzüge mit verschiedenen Nummerierungen, auf unterschiedlichen Papieren und für verschiedene Länder jeweils extra gezählt. Fotos von Helmut Newton gibt es in diversen Formaten, wobei sich die Nummerierung nicht auf das Motiv, sondern nur auf das Format bezieht. Erst jüngst wurde eine Porzellanskulptur von Jeff Koons für 5.000 Euro "mit eingebrannter Signatur und Nummerierung" angeboten: Auflage 3.500. Originale sind das nicht. Und hinter "sammelwürdig" muss man ein Fragezeichen setzen.