Wenn Norbert Steger über den ORF spricht, klingt er manchmal wie ein Kriegsreporter. Ein "linker Endkampf" tobe am Küniglberg, die Berichterstattung sei nicht objektiv, über Ungarn werde falsch berichtet, und wenn das nicht aufhöre, werde man ein Drittel der Korrespondentenstellen im Ausland streichen. "Wer das Privileg hat, im ORF zu arbeiten, soll sich besonders bemühen", meinte der frühere FPÖ-Parteiobmann und seit acht Jahren freiheitliche Stiftungsrat im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.

Dabei war Norbert Steger lange Jahre ein rotes Tuch für die FPÖ. Der Liberale, der die Partei vom rechten Dünkel entstauben wollte, daran scheiterte und schließlich von Jörg Haider aus der Parteispitze geputscht wurde – mit so jemandem wollte man in blauen Kreisen ungern gesehen werden.

Die Versöhnung zwischen Heinz-Christian Strache und Norbert Steger liegt einige Jahre zurück. 2010 wurde Steger bereits in den ORF entsandt. Immer wieder saßen der Parteichef und sein zum Strategieberater avancierter Vorvorgänger zusammen, blockierten mit ihren mehr oder weniger konspirativen Besprechungen oft stundenlang Hinterzimmer in Wiener Gasthäusern. Der Einfluss Stegers stieg, sein Rat wurde wieder gerne gehört. Mit den Funktionären vom rechten Flügel in der FPÖ arrangierte er sich, vom Liberalen war da nur noch wenig übrig.

Was ist das Ziel der Angriffe?

Mittlerweile ist aus dem Strategieberater Steger Straches Scharfmacher gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk geworden. Seine Aufgabe sei es, dabei mitzuhelfen, "dass der ORF wieder objektiver wird", sagte Steger dem Kurier. Laut Absprache mit der ÖVP soll er am 17. Mai zum Vorsitzenden des Stiftungsrates, der unter anderem den Generaldirektor bestellt, gewählt werden. Ganz wohl ist dabei nicht mehr allen.

Es ist nicht der erste Angriff auf den ORF, seit die FPÖ in der Regierung ist. Vorläufiger Höhepunkt: Vizekanzler Strache bezichtigte den ORF und ZIB 2- Moderator Armin Wolf der Lüge. Wolf klagte, und die beiden einigten sich außergerichtlich. Strache musste sich via Facebook und Kronenzeitung entschuldigen und 10.000 Euro Entschädigung berappen.

Doch was ist das Ziel all der Angriffe? Kurzfristig sollen vor allem Angst und Schrecken verbreitet, Journalisten eingeschüchtert und ihre Arbeit desavouiert werden.

Die langfristige Strategie: Der ORF soll wohl in seiner jetzigen Form zerschlagen werden – weil er von der FPÖ nicht kontrolliert werden kann, kritische Medien lästig sind und die Freiheitlichen davon ausgehen, dass sie ihn nicht mehr brauchen, um ihre Botschaften zu verbreiten.

Die Machtbalance im ORF ist ein fein austariertes System. Seit Jahrzehnten teilen sich SPÖ und ÖVP den Rundfunk untereinander auf. Der Einfluss wurde oft schamlos ausgenutzt, die Redaktion im Gegenzug aber immer selbstbewusster. Als Generaldirektor Alexander Wrabetz einen roten Stiftungsrat als Büroleiter installieren wollte, gingen die Wogen hoch, die Journalisten protestierten und die Personalie wurde verhindert.

Die FPÖ geht in diesem Spiel seit Jahrzehnten leer aus. Hinter dem Vorwurf der mangelnden Objektivität verbirgt sich deshalb auch der Wunsch nach mehr Einfluss im staatlichen Rundfunk. Jetzt, da sie wieder Teil der Regierung sind, wollen die Freiheitlichen endlich ein Stück vom Kuchen am Küniglberg.