Wenn Robert Habeck und Günther Oettinger die gleiche Idee haben, dann muss es sich um etwas Besonderes handeln. Schließlich sind der neue Grünen-Chef aus dem Norden und der langjährige EU-Kommissar (CDU) aus Stuttgart bislang nicht durch Gemeinsamkeiten aufgefallen. Nun aber streben sie gemeinsam danach, einen klugen Mann zu widerlegen. Dieser Mann hieß Edmund Burke, lebte im 18. Jahrhundert, war Schriftsteller und Politiker und stellte fest: "Steuern zu erheben und zugleich beliebt zu sein ist – ebenso wie zu lieben und gleichzeitig weise zu sein – den Menschen nicht gegeben." Übersetzt für das Jahr 2018 heißt das: Vorsicht bei der Erfindung von Steuern, das könnte den Leuten missfallen.

Oettinger und Habeck aber lassen sich von solchem Rat nicht beirren. Sie sympathisieren öffentlich mit einer neuen Steuer auf Plastik. Gelten könnte sie – so die bislang noch groben Überlegungen – vor allem für Plastikverpackungen, entweder schon beim Hersteller oder erst beim Kauf durch den Kunden. Habeck forderte Anfang der Woche "eine EU-weite Plastiksteuer auf Wegwerfprodukte". Oettinger sagte schon Anfang des Jahres, man prüfe, ob solch eine Plastiksteuer nicht eine neue Einnahmequelle für die EU sein könnte.

Das Faszinierende an dieser Plastiksteuer ist, dass sie nicht nur eine weitere Maßnahme ist, um mehr Geld in die Kassen zu bringen. Nein, sie soll darüber hinaus noch ein wirkliches Problem lösen.

Eines, das die Deutschen emotional berührt und an ihr Gewissen appelliert, und eines, das über erschreckende Bilder verfügt: riesige Plastikmüll-Teppiche, die im Meer schwimmen, Fische und Pinguine, die an verschlungenen Plastiktüten verenden, vermüllte Traumstrände am Atlantik. Da müsse doch etwas getan werden, appellieren die Steuerfans an das schlechte Gewissen all derjenigen, die Müll produzieren – also auch an das schlechte Gewissen der bundesdeutschen Verbraucher.

Niemand kann behaupten, diese Umweltprobleme gingen uns nichts an. Allerdings ist es fraglich, ob eine Steuer das richtige Mittel ist, um sie zu beseitigen.

Die Probleme beginnen damit – und das muss man hier einmal ganz deutlich hinschreiben –, dass niemand auch nur halbwegs genau sagen kann, wie viel von diesem Müll im Meer tatsächlich aus Europa stammt! Ob überhaupt etwas davon aus Europa oder Deutschland stammt, selbst darüber können Experten stundenlang streiten. Nicht ganz klar ist zwar, inwieweit aus Deutschland exportierter Müll möglicherweise auf Schleichwegen und gegen die Vorgaben teilweise ins Meer gelangt. Aber kaum jemand bestreitet, dass der größte Teil des Mülls, der über die Meere treibt, aus Ländern kommt, in denen es keine funktionierende Entsorgung gibt. Dort nämlich landet der Müll in Flüssen und treibt über sie weiter ins Meer. All das schreiben auch Naturschutzorganisationen wie der WWF ganz offen.

Für die vorgeschlagene Steuer bedeutet es: Sie kann alles Mögliche erreichen, beispielsweise den Staat wohlhabender machen, die Bürger ärmer. Dass sie den Müll im Meer drastisch reduziert, ist allerdings höchst unwahrscheinlich, leider. Von diesem Märchen, so vermarktungstauglich es auch ist, sollten sich die Befürworter der Plastiksteuer verabschieden, wenn sie ernst genommen werden wollen.

Debattieren kann man über den aus Europa exportierten Müll. Sollte es wirklich Indizien oder gar Beweise dafür geben, dass er in bestimmten Ländern nicht verbrannt oder verwertet wird, sondern in die Meere oder sonst wie unkontrolliert in die Umwelt gelangt, dann kann man durchaus etwas tun.

Welche Tüte hat die bessere Ökobilanz? Seit einiger Zeit sind Plastiktüten in Geschäften kostenpflichtig. Welche Alternativen sind besser: Papier, Stoff oder Jute?