Der Legende zufolge fand eine der einflussreichsten Kurven der Wirtschaftswissenschaft auf einer Serviette ihren Weg ins Weiße Haus. Der Ökonomieprofessor Arthur B. Laffer zeichnete sie demnach 1974 beim Abendessen mit engen Beratern des damaligen Präsidenten Gerald Ford auf das Textil. Die Idee der Kurve ist seither aus der Begründungswelt vor allem konservativer Wirtschaftspolitiker nicht wegzudenken, wenn sie Steuersenkungen durchsetzen wollen.

Die Laffer-Kurve

Mit steigendem Steuersatz steigen zunächst die Staatseinnahmen. Aber Vorsicht: Wird der Satz zu hoch (Mitte der Grafik), geht das Aufkommen wieder zurück

© ZEIT-Grafik

Im Kern besagt sie, dass ein Staat unter bestimmten Umständen seine Steuereinnahmen erhöhen kann, indem er die Steuersätze senkt. Auch die Steuersenkungen des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump beruhen auf dieser Idee. In einer Vorlesung nannte Laffer Trumps Reform "das beste Steuergesetz, das ich in einer US-Regierung in der ersten Legislaturperiode eines Präsidenten gesehen habe".

Ökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF) sind nicht ganz so angetan. Vergangene Woche warnten sie in einem Report vor den Gefahren der globalen Schuldenlast und gaben Trumps Steuerpolitik daran bemerkenswert offen eine Mitschuld: "In den USA sollte die Fiskalpolitik rekalibriert werden, um sicherzustellen, dass die Staatsverschuldung im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung mittelfristig abnimmt." Mit anderen Worten: Der US-Präsident soll um Himmels willen die Steuersenkungen rückgängig machen, weil sein Staat sonst nicht genügend Geld einnimmt und mehr Schulden machen muss.

Womit man schon mittendrin ist im ewigen Konflikt um die Auslegung der Laffer-Kurve.

Als Laffer sie in den siebziger Jahren zeichnete, steckte Amerika in einer Wirtschaftskrise. Viele Ökonomen vertraten die Auffassung, dass der Staat durch Ausgaben die Nachfrage stärken und so die Wirtschaft aufrichten solle. Doch Laffer hielt das für falsch. Er ging davon aus, dass nicht zu wenig Nachfrage das Problem sei, sondern dass Steuern die Unternehmen und Arbeitnehmer zu stark belasteten.

In seiner Kurve verbindet er diese Annahme mit den Einnahmen des Staates. Ihre Aussage ist diese: Von einem bestimmten Steuersatz an lohnt es sich für Angestellte oder Unternehmer nicht mehr, sich anzustrengen. Der Staat berechnet dann zwar formal hohe Abgaben, es gibt aber weniger Einkommen, die er überhaupt besteuern kann. Im Extremfall gäbe es einen Steuersatz von 100 Prozent, aber eben keine Steuereinnahmen, weil niemand arbeitet (oder es nur schwarz tut), wenn das Einkommen komplett an den Staat geht.

Der Gedanke, dass Erwerbsarbeit nur aufnimmt, wer von seinem Lohn auch etwas behalten darf, ist unumstritten. Streit gibt es um Laffers Kurve erst, wenn Politiker und Ökonomen diskutieren, ob sich die tatsächliche Steuerbelastung links oder rechts vom Scheitelpunkt der Kurve befindet.

Befürworter von Steuersenkungen sagen dann, dass sie rechts davon liege. Ihre Schlussfolgerung: Wenn der Staat die Steuersätze senkt, lohnt es sich für die Leute, mehr zu arbeiten. Folglich würde der Staat nach einer Steuersenkung mehr einnehmen oder gleich viel. Befürworter von Steuererhöhungen hingegen sehen es genau andersrum. Sie sagen, in Wirklichkeit liege die Steuerbelastung links vom Scheitelpunkt. Der Staat könne also mehr einnehmen, indem er die Steuersätze erhöht.