DIE ZEIT: Wie viel Sekt schenken Sie eigentlich im Monat aus?

Jasmine Lipper: Oh, reichlich! Ich kann das gar nicht überschlagen.

Maren Wesp: Wir führen mittlerweile Buch, weil das in den vergangenen Monaten so explodiert ist. Pro Woche sind es über 15 Liter.

ZEIT: Woran liegt das?

Wesp: Gemeinsam zu feiern wird immer wichtiger. Das Kleid zu kaufen ist ein Event, die Bräute bringen ihre Mädels mit, und dann wird getrunken.

ZEIT: Trinken Sie mit?

Wesp: Beim letzten Termin am Samstagabend. Aber nicht jedes Mal, dann hätte ich ein Problem.

Lipper: Wenn eine Braut alleine kommt und sich entscheidet, stoße ich mit ihr an. Aber da nippt man, und das war’s. Ausgeschenkt wird aber ab zehn Uhr morgens. Erst fühlte sich das komisch an, Menschen so früh Alkohol anzubieten. Inzwischen habe ich überhaupt keine Hemmungen mehr. Ich würde auch um acht Uhr Gläser füllen, wenn wir da schon geöffnet hätten. Einige bringen sogar eigene Getränke mit.

Arzu Özdemir: Und Knabberzeug. Manche kommen mit Picknickkörben an.

ZEIT: Wie viele Menschen begleiten die Braut?

Özdemir: Unser Rekord liegt bei 22 Personen. Das war eine serbische Familie: Papa, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins, alle dabei.

Lipper: An Samstagen haben wir es jetzt auf drei Begleitungen begrenzt. Wir sind ein kleiner Laden, und die Bräute haben ein Recht auf Ruhe.

Wesp: Für diesen Samstag hat sich eine Braut mit sieben Begleiterinnen angemeldet. Die Vorstellung, alle dabeizuhaben, ist erst mal schön. Aber jede hat eine eigene Meinung zum Kleid, das kann auch verunsichern.

Lipper: Für die Bräute ist das teilweise schrecklich. Wir haben regelmäßig weinende Frauen in den Kabinen, die nicht mehr rauskommen wollen.

ZEIT: Müssen Sie die Kundinnen beschützen?

Özdemir: Korrekt. Unser Job ist nicht nur: Kleid raussuchen, anziehen, ausziehen, anziehen. Da muss man auch mal sagen: Leute, stopp! Es ist ihr Kleid!

Wesp: Bei uns gibt es keinen Spiegel in den Kabinen. Das heißt, die Braut kommt raus und sieht erst mal die Blicke der anderen. Ich bitte die Begleitungen immer: Gebt ihr einen Moment, bevor ihr eure Kommentare abgebt.

ZEIT: Sagen Sie auch etwas?

Wesp: Ich halte mich zurück, aber schaue natürlich: Passt das Kleid zur Figur? Schaut irgendwas raus? Ich frage vorher: Wo heiratest du? Wie viele Gäste kommen? Das komplette Konzept ist in meinem Kopf. So kann ich am Ende den Tipp geben, welches Kleid zum Anlass am besten passt.

ZEIT: Sie kennen also Hunderte Hochzeitspläne?

Lipper: Natürlich. Wenn ich nicht weiß, wie die Hochzeit sein soll, kann ich nicht helfen.

ZEIT: Kommen auch Frauen, die niemanden dabeihaben wollen?

Lipper: Ja, die sagen: Ich will nicht, dass mir einer reinsabbelt. Meistens sind die sehr entscheidungsfreudig. Es gibt auch Kundinnen, die das Kleid besuchen kommen. Zwischen dem Kauf und dem Abholtermin liegen schließlich einige Monate.