Alina Oehler (26) ist katholische Theologin und Publizistin. Im Wechsel mit der Vikarin Hanna Jacobs schreibt sie, wie sie als junge Christin ihre Kirche verändern will. © Hannes Leitlein

Auch wenn sie scheinbar eine Nische bedienen, ist es falsch, sie nicht ernst zu nehmen: traditionalistische katholische Blogs und Zeitungen. Sie erzielen – gerade im englischsprachigen Raum – eine beachtliche Reichweite und erreichen für manche Gruppen einen hohen Wahrheitsanspruch ("Dort steht, was uns die anderen vorenthalten!"). Hin und wieder findet man auf diesen Seiten neben den ständigen Schwerpunktthemen (Lebensschutz, Sexualität, Verteidigung der Tradition) tatsächlich Informationen, die innerhalb des medialen Mainstreams kaum beleuchtet werden. Bisher habe ich mich deshalb auch regelmäßig in diesen Publikationen durch Artikel geklickt. Seit ich jedoch selbst Objekt dieser Berichterstattung geworden bin, bin ich deutlich zurückhaltender. Denn wenn die anderen Texte mit derselben Einseitigkeit agieren, lese ich sie besser erst gar nicht, um keine falschen Bilder zu übernehmen. Aber der Reihe nach.

Als Teilnehmerin der Vorsynode im Vatikan und als Sprecherin auf einer internationalen Tagung zur Rolle der Frau wechselte ich kürzlich für ein paar Wochen die Seiten – von der Journalistin zur Akteurin. Dabei ist mir ein kleiner Lapsus unterlaufen: Ich habe es gewagt, zu fragen, ob man nicht – weil es in der Vergangenheit möglich war – darüber nachdenken kann, das Kardinalsamt für einen erweiterten Kreis zu öffnen. Ich wollte lediglich fragen (!), ob man nicht diesen Traditionsbestand als Ausgangspunkt wählen kann, um generell über mögliche Ämter, in denen Laien (und damit auch Frauen) sichtbarer werden, nachzudenken. Natürlich wurde von all dem, was ich sagte, nur dieses Stichwort herausgepickt, um mich zu charakterisieren: als Feministin, die Kardinälinnen fordert.

Ähnlich erging es mir nach einem Interview mit einer seriösen, großen Online-Plattform. Das Gespräch wurde als einziges Dokument zur Hand genommen, um mich in einem Kommentar ohne Belege als esoterisch und machtbesessen abzukanzeln – ja schlimmer noch, mir zu unterstellen, ich würde von der Kirche weibliche Vorbilder einfordern und dabei all die engagierten Frauen verleugnen, die es bereits gab und gibt. Google hätte geholfen, um mich in mehreren anderen Texten von Kirchenlehrerinnen schwärmen zu hören.

Doch ich will mich gar nicht rechtfertigen, sondern mein Beispiel dafür nutzen, die Sorge darüber zu illustrieren, mit welcher Einseitigkeit öffentliche Personen instrumentalisiert werden, um eigene Positionen in einem offensichtlich als Kampf verstandenen Diskurs zu artikulieren. Ein gegenseitiges Zuhören findet nicht statt, stattdessen eine schnelle Freund-Feind-Verschlagwortung, die keinem Menschen gerecht wird und – schlimmer noch – vertrauensselige Leser in die Irre führt. Ich verstehe seither besser, dass viele, die in der Kirche noch etwas erreichen wollen, Angst haben und vorsichtig sind, sich öffentlich zu heiklen Themen zu äußern. Es ist nicht schön, wenn Schlagworte zum Damoklesschwert werden – egal, in welchem Kontext man sie gesagt hat.