Alfred Dorfer © Peter Rigaud

Es gibt in Wien sogenannte Hotspots. Das ist der politisch korrekte Ausdruck für Plätze, auf denen der Aufenthalt ungemütlich sein kann: Aggression, Saufen, Kriminalität. Ganz wienerisch wird das so lange laufen gelassen, bis der sogenannte Hut brennt. Die SPÖ versucht es nun mit einem Alkoholverbot. Experten sind sich einig, dass dies ein gangbarer Weg ist, da Alkoholkonsum und Verfügbarkeit der Droge in unmittelbarem Zusammenhang stehen. Besser als die Fachleute wissen es – man ist versucht zu sagen: natürlich – die Grünen. Verbote nützen nichts, so der Tenor. Jede rote Ampel widerspricht dieser These zwar im täglichen Leben, doch man kann immer noch dazulernen. Und der Stein der grünen Weisen liegt bei der Kunst. Ein Eiswagen vor der ehemaligen Polizeistation, die Einladung zum gemeinsamen Musizieren und ein Kaffeehaus an einer dunklen Ecke des Platzes sind einige der propagierten Ideen. Der therapeutische Effekt von Kunst ist allgemein bekannt. So hofft man also, dass Gewaltbereite durch ein gemeinsam mit Streetworkern geträllertes Liedchen zu sozial kompetenten Zeitgenossen mutieren. Ein Chor, bestehend aus Sozialarbeitern und Randalierern, als Cross-over-Projekt wäre künstlerisch sicher reizvoll. Nach einer kleinen Schlägerei mit der Polizei Hochsaison im Eissalon anzustimmen entspannt die Situation schnell. Auch Malkurse könnten angeboten werden: Aquarell statt Aquavit oder Mit Öl ist besser als im Öl. Manche meinen ja, Kunst wäre der realitätsferne Zeitvertreib von Wohlstandsgewinnern. Prinzipiell zu Unrecht. In diesem Fall könnte sich aber der Verdacht erhärten, die Grünen selbst seien ein etwas überkommenes Kunstprojekt.