I. Die empfindliche Leinwand

Vor der Renaissance malte man stets auf Holztafeln. Erst ab dieser Epoche wurde üblich, was heute in Katalogen die gängige Beschreibung bei Gemälden ist: "Öl auf Leinwand". Die Leinwand allerdings hat einen Nachteil: Sie ist anfällig und nicht so stabil wie eine Holztafel. Deshalb wurde die Technik des Doublierens erfunden.

II. Die Tücken des textilen Grunds

Die Leinwand muss an einem Rahmen befestigt werden, damit sie plan liegt. "Nagele vier Stück Holz zusammen", heißt es in einem Malerbuch vom Berg Athos. Doch ein solcher einfacher Rahmen vermag Spannungen nicht auszugleichen. Temperaturschwankungen und Luftfeuchtigkeit können dazu führen, dass der Bildgrund schrumpft oder sich ausdehnt und wellt, sodass die Farbe Runzeln bildet oder abplatzt. Zusätzlich können sich in und unter den Farbschichten Pilze und Bakterien festsetzen. Von mechanischen Beschädigungen – Rissen, Löchern, Rost durch die Nägel – ganz abgesehen. Um solchen Malaisen vorzubeugen oder um sie zu beheben, kann sich eine Doublierung empfehlen.

III. Veränderter Wert

Dazu wird die Leinwand neu aufgespannt und mit einer zweiten Leinwand hinterklebt, um sie zu festigen. Das ist auch bei Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken möglich: Hier wird, um Risse, Brüche oder andere Beschädigungen des Papiers auszugleichen, ein zweites Blatt aufgeklebt. Wieweit eine Doublierung den Wert des Gemäldes oder der Papierarbeit mindert, ist unter Experten umstritten. In einem Auktionskatalog sollte sie jedenfalls vermerkt sein. Wie bei jeder Restaurierung ist die Bewertung davon abhängig, ob der Originalzustand gewahrt oder beeinträchtigt wurde.

IV. Eine Fälschung geadelt

Eine Doublierung als Satyrspiel verbindet sich mit Giorgio de Chirico. Ihm wurde eines seiner Gemälde mit der Bitte vorgelegt, auf der Rückseite der Leinwand die Echtheit zu bestätigen. Das geschah. Was der Maler nicht erkannte: Das Original war doubliert. Die Gauner nahmen danach die zweite Leinwand wieder ab und bemalten sie mit einer Fälschung, die dank der Bestätigung auf der Rückseite als echter de Chirico verkauft wurde. Peter Dittmar