Für meine Generation – ich bin 14 – ist Facebook ungefähr so relevant wie eine alte Schreibmaschine. Ich bin dort angemeldet, nutze es aber praktisch nie. Ganz ehrlich: Ich kann nicht mit Sicherheit sagen, wie Facebook funktioniert. Das geht den Gleichaltrigen um mich herum genauso.

Deswegen waren wir Teenager, während sich der Facebook-Skandal ausbreitete, auch ziemlich verwirrt. Viele Nutzer fragten sich, wo ihre persönlichen Informationen landen. Wir fragten uns, wann wir das letzte Mal Facebook genutzt hatten. Natürlich verwenden auch wir soziale Medien, aber wir haben Alternativen gefunden. Darunter Instagram, das zum Facebook-Konzern gehört, aber Facebook selbst nutzen wir nicht. Wem die App gehört, die wir gerade benutzen, darüber denken wir sowieso nicht viel nach. Leistung und Design zählen für uns mehr.

Wollen wir jemandem eine Botschaft schicken, öffnen wir dafür nicht den Facebook-Messenger, sondern Snapchat. Wollen wir wissen, was im Leben einer Person los ist, schauen wir nicht in ihre Facebook-Timeline, sondern auf ihre Instagram-Seite. Und wenn wir einen Kommentar loswerden oder einen Witz teilen wollen, gibt es ja immer noch Twitter.

Per Snapchat kann ich einfach mit Freunden kommunizieren, die in anderen Ländern leben. Snapchat ist leicht zu nutzen, und ich werde nie mit bedeutungslosen Benachrichtigungen bombardiert, sondern sehe nur, was ich auswähle. Bei Instagram ist es größtenteils genauso. Ich mag verschiedene Formen von Kunst und alles optisch Ansprechende, insofern habe ich viel Spaß damit, auf dieser Plattform, auf der man Fotos und Videos teilt, meine Beiträge mit Schönem aufzulockern. Und ich sehe mir gerne nur durch Fotos und Videos an, was meine Freunde so treiben.

Wir verwenden Twitter, wenn auch nicht so oft. Es ist ein toller Ort, um Memes zu finden. Memes sind alle möglichen Dinge, die man über das Internet teilen kann, zum Beispiel Bilder mit lustigen Sprüchen. Sie sind ein unglaublich wichtiger Aspekt für die Kultur meiner Generation.

Ich bin jemand, der bei sozialen Medien alle zusätzlichen Anwendungen nutzt. Bei Instagram sind das Direct Message für Direktnachrichten, die Explore-Seite, die Homepage und so weiter. Genauso bei Snapchat und bei Twitter. Aber bei Facebook gibt es viele Knöpfe und Extras, für die ich keine Verwendung habe. Das Display eines Kampfpiloten ist wahrscheinlich einfacher als eine Facebook-Timeline. Man scrollt endlos durch die Posts, das erschlägt einen. Entfernte Verwandte regen sich über die Politik auf. Oder es gibt furchtbare Textblock-Memes mit den Minions.

Mittlerweile werden wir ständig gefragt, was wir nach der Schule machen und was wir studieren wollen. Eine legitime Antwort lautet: Social-Media-Influencer. Menschen mit mehr als 10.000 Followern auf Instagram gelten heute als berühmt und werden dafür bezahlt, Produkte von Unternehmen zu bewerben. Wenn man es nicht so mit Modeln hat, kann man es auch mit lustigen Tweets zur Online-Berühmtheit schaffen. Von einem Facebook-Model dagegen habe ich noch nie gehört. Meine Generation sieht ihre Zukunft nicht als Influencer auf Facebook, mit unseren Beiträgen dort können wir keine Karriere machen.

Facebook hat versucht, alles für alle zu sein, und ist damit zum Ikea der sozialen Netzwerke geworden – das ganze Leben passt hinein, aber es bleibt nicht viel Raum, sich selbst zu verwirklichen. Für uns, die wir etwa zur selben Zeit wie Facebook geboren wurden, fühlt sich das Netzwerk alt und pummelig an.

Aus dem Englischen von Matthias Schulz