Ungläubiges Staunen, viel Spott und viel Häme hat der Vorstoß der CSU ausgelöst, das christliche Kreuz in allen bayerischen Gebäuden unverzüglich an die Wand zu nageln. Wie berichtet, dient diese Maßnahme der allgemeinen Orientierung und zeigt dem Besucher, dass er sich gerade in Bayern aufhält und nicht in Mekka oder Medina, was oft verwechselt wird. Vor allem gottlose Redakteure der Süddeutschen Zeitung, die sich fälschlicherweise als Bayern fühlen, in Wirklichkeit aber dort nur subsidiär Schutz genießen, haben auf ihrer Moralkanzel einen Veitstanz aufgeführt und den begnadeten bayerischen Ministerpräsidenten zum Teufel gewünscht. "Sein Kreuz-Befehl ist nicht christlich, er ist Ketzerei."

Tatsächlich ist ein Kreuz in Bayern nur äußerlich ein christliches Zeichen. In seinem inneren Wesen ist das Kruzifix dagegen bayerisch, weshalb es dem Betrachter unbenommen ist, bei Blickkontakt mit Herrn Jesus spontan an Herrn Söder zu denken, seinen Erlöser. Muslime, die in Bayern noch nicht zum rechten Glauben gefunden haben, lernen daraus: In Bayern ist ein Kopftuch ein Kopftuch, doch ein Kreuz ist kein Kreuz. Und das Christentum gehört zwar zu Bayern, aber nicht jeder Bayer gehört zum Christentum, weil der Andrang vor den Beichtstühlen in diesem Fall kaum zu bewältigen wäre.

Fassen wir zusammen: In einem erweiterten Religionsbegriff erinnert das Kreuz als regionales Markenzeichen an bekannte bajuwarische Erzeugnisse wie Grießnockerlnsuppe, Zwetschgendatschi, Böfflamott, Rahmschwammerl, die Schweinshaxe oder den Obatzten, in Franken auch Gerupfter genannt. Hinzu kommt der Fußballverein Bayern München, der gerade vorm Leibhaftigen, vor Real Madrid, zu Kreuze kriechen musste. Dass das Kreuz ursprünglich nicht aus Bayern stammt, sondern als Folge einer Masseneinwanderung von Fremden aus dem Morgenland dort angesiedelt wurde, kann dem Bayern-Logo nicht als Nachteil zur Last gelegt werden. In Wahrheit hätte Jesus, der Syrer, genauso gut aus Bayern stammen können, wäre dort aber für seine aufrührerischen Reden über Kamele, die leichter durch ein Nadelöhr gehen, als ein reicher Bayer ins Himmelreich kommt, nicht weiter aufgefallen beziehungsweise durch ein Doppelbock Dunkel aus der Klosterbrauerei St. Andechs rasch zur Vernunft gebracht worden. Allein diese spekulative Tatsache beweist, dass Bayern, kulturell gesehen, immer schon zum Christentum gehört und den Jüngsten Tag nicht zu fürchten hat: Gott ist ein Bayer. Nur Atheisten denken beim Anblick eines Kreuzes an das Christentum. Herr, erbarme dich ihrer. FINIS