Seit Johannes Strate als Juror in der TV-Show "The Voice Kids" saß, wird er ständig angesprochen. Zum Gespräch bittet der 38-jährige Sänger der Band Revolverheld in einen Raum oberhalb der Strandperle in Övelgönne. Fürs Fernsehen haben Revolverheld zuvor am Elbstrand ihr neues Album "Zimmer mit Blick" präsentiert.

Johannes Strate: Das Thema Geld ist bei mir wirklich nicht so spektakulär.

DIE ZEIT: Weil Sie genug davon haben?

Strate: Nein, Geld hatte nie so einen hohen Stellenwert in meinem Leben. Ich komme aus soliden Verhältnissen, mein Vater war Lehrer, meine Mutter Klavierlehrerin. Wir hatten ein Auto, sind im Sommer in den Urlaub gefahren, aber nicht in Fünf-Sterne-Hotels in Dubai. Ich halte es wie mein Freund Heinz Strunk, der sagt, er habe kein Interesse, der Reichste auf dem Friedhof zu sein. Ich horte kein Geld, aber ich gebe es auch nicht für Quatsch aus. Ich habe etwa keine Uhr.

ZEIT: Ihre Band Revolverheld hat gerade ihr fünftes Album herausgebracht. Bangen Sie noch um Verkaufszahlen?

Strate: Früher war die Angst um die eigene Existenz groß. Ich habe Musik erst als Hobby gemacht. Als ich merkte, dass ich nicht mehr parallel studieren konnte, musste ich auch finanziell auf die Musik setzen. Vom ersten Album konnte ich ein, zwei Jahre leben. Nach 16 Jahren habe ich ehrlich gesagt keine Angst mehr. Ich bin überzeugt davon, dass, wenn wir Konzerte spielen, Leute kommen und ich davon leben kann. Das gibt mir große Sicherheit.

ZEIT: Konzerte sind Ihre Haupteinnahmequelle?

Strate: Ja. Wir machen eine neue Platte, weil wir Lust haben, auf unseren Konzerten etwas Neues zu spielen. Im Gegensatz zu Leuten, die eine Single veröffentlichen und durch Fernsehshows tingeln, sind wir drei Viertel unserer Zeit live auf der Bühne.

ZEIT: Sie waren TV-Juror bei der Talentshow The Voice Kids.

Strate: Ich mache nur Formate, die ich interessant finde. The Voice Kids fand ich süß. Ich habe selbst ein Kind, ich liebe Kinder. Und es ist alles echt, die Kids singen toll. Ihnen wird nicht die große Welt und ein Plattenvertrag versprochen, sondern nur ein Erlebnis. Ich habe heute noch mit einigen Kontakt, sie kommen auf Konzerte oder schicken mir Songs.

ZEIT: Hat sich Ihre TV-Präsenz auch bei Ihrer Band bemerkbar gemacht?

Strate: Ja, klar. Unsere Konzerte wurden voller.

ZEIT: Besprechen Sie solche Engagements zuvor mit den anderen Bandmitgliedern?

Strate: Ja. Ich repräsentiere die Band ja auch. Ich wurde schon für alle möglichen Jurys angefragt. Hätte ich bei Deutschland sucht den Superstar zugesagt, wäre das fürs Image der Band sehr fragwürdig gewesen.

ZEIT: Wann wussten Sie, dass Sie mit Musik Geld verdienen werden?

Strate: Mit 15 wusste ich, dass ich in einer Band spielen will. Nach dem Abi habe ich mit meiner damaligen Band zufällig einen Plattenvertrag mit Universal bekommen.

ZEIT: Zufällig?

Strate: Ich hatte im Videotext von einem Moderatorencasting beim Musiksender Viva gelesen und dachte, ich könnte mir damit mein Studium finanzieren. Ich sprach vor der Kamera vor und traf auf Marcus Wolter, der ein paar Jahre zuvor Stefan Raab entdeckt hatte. Ich erzählte ihm, dass ich eine Band habe, schickte ihm eine CD, und zwei Tage später stand er mit Frank Ramond vor unserer Tür, dem Produzenten, der später mit Roger Cicero, Annett Louisan und Ina Müller Riesenerfolge hatte. Er hat uns einen Plattenvertrag verschafft.

ZEIT: Das war ja einfach.

Strate: Wirklich. Aber es war auch ein grottenschlechter Vertrag, es ist nie etwas Ernsthaftes daraus geworden. Dann habe ich in Bremen Kulturwissenschaften studiert.