"Zwoa Bier", so heißt ein alter bayrischer Spruch, "sand so gut wie zwoa Semmeln. Nur hat man dann ja no nix trunka!" Die Kirche wusste stets um den hohen Nährwert des Hopfengebräus, Mönche und Nonnen retteten sich mit der erlaubten Flüssignahrung über die Fastenzeit. Doch die wenigsten Bierflaschen, auf denen heute ein Mönch abgebildet wird, haben je ein Kloster von innen gesehen.

Um die Seltenheiten auf die Spitze zu treiben: Im Kloster Mallersdorf (Diözese Regensburg) wirkt die letzte Klosterbraumeisterin der Welt. Ihr fröhliches Konterfei prangt auf dem Etikett. Alles echt! Jeden Montag um vier Uhr steht die Ordensfrau Doris Engelhard (69) im Mutterhaus der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie mit Kopfschleier und grüner Kittelschürze im Sudhaus. Sie braut etwa 76 Hektoliter Bier die Woche. Sieden, kühlen, mit Hefe versetzen, gären, abfüllen, fast schon meditativ lange sechs Wochen darf das Bier hier reifen. Dann aber muss es schnell getrunken werden. Die Hoffnung mag in Mallersdorf auf die Ewigkeit ausgerichtet sein. Das Bier ist es nicht.

Weitgehend naturbelassen, hält es deshalb lediglich bis zu acht Wochen, sagt die resolute Brauerin, die nur die Sorten braut, die ihr auch selbst munden. Bei Geschmacksfragen endet bekanntlich jede Form von Mitbestimmung. Dunkles und Weizenbier sucht man im klösterlichen Biersortiment vergebens, stattdessen gibt es helles Vollbier mit fünf Prozent Alkohol und das naturtrübe Zoigl mit hohem Hefeanteil. Hier ist das Bier noch Kulturgut, mit dem die Franziskanerin den Verpanschungstendenzen der Bierbranche die Stirn bietet. In überschaubarem Rahmen produziert und vertrieben, sich den herrschenden Marktgesetzen verweigernd, sind die edlen Bügelverschlussflaschen mit Porzellankopf ein Einspruch gegen den Zeitgeist. Auch wenn der Kasten 14 Euro kostet, geht das Bier im Raum Regensburg, Straubing und Landshut in ausgesuchten Verkaufsstellen und Gaststätten schnell über den Ladentisch. So manchen Sommer werden die Vorräte schon mal knapp.

Expandieren, um die Nachfrage zu decken? Niemals! Mit Großbrauereien kooperieren? Keinesfalls. Schwester Doris Engelhard will, dass ihr Bier in der Region bleibt und nicht über Tausende Autobahnkilometer kutschiert wird. Klostergüter sollten für Nachhaltigkeit stehen.

Beinahe ein Fünftel der fast 4.000 Hektoliter, die jährlich gebraut werden, trinken die Nonnen selbst. "Es gibt bei uns zu jeder Mahlzeit Bier, außer zum Frühstück, und nicht an Fastentagen", sagt die Braumeisterin. Dann deckt eine Maß den ganzen Tagesbedarf. An Fronleichnam geht es wieder zünftiger zu: Nach der Prozession am 31. Mai beginnt um 11 Uhr das Brauereifest im Klostergarten. Mit Weißwurst und Kellerbier.

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