Lebensmittelverschwendung ist ein Fluch. Kritisiert werden aber nur Supermärkte und Restaurants, wenn sie Nahrungsmittel in den Müll werfen. Andere Produzenten von Food-Waste bleiben unbehelligt: kleine Kinder.

Ich beobachte das schon länger, in Restaurants und überall dort, wo Kinder essen. Erst fordern sie riesige Portionen, weil sie sooo viel Hunger haben, "Ich will dies! Ich will das!". Kaum steht was auf dem Tisch, wird lustlos darin rumgestochert, wenig gegessen, umso mehr aber auf Tisch oder Fußboden verteilt. Was erst herbeigezetert wurde, wird nun von sich gewiesen. "Bäh, das mag ich nicht!", lautet der Text im zweiten Akt des Dramas. Was schließlich zurückgelassen wird, wandert in den Müll. Als Food-Waste.

Eltern sind hilflos. "Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!" dürfen sie nicht sagen, weil das autoritär ist. Wer "Iss deinen Teller leer!" befiehlt, arbeitet schon an der späteren Essstörung seiner Brut. "Dann hättest du dir nicht so viel auflegen sollen" wiederum klingt altmodisch-besserwisserisch, wo doch Kinder selber lernen sollen, wo ihre Grenzen liegen. Das freilich kann dauern, und bis dahin muss man Food-Waste wohl als Kollateralschaden eines Reifungsprozesses betrachten.

Die Alternative ist entwürdigend: Erwachsene könnten aufessen, was ihre Kinder verschmähen. Was bei halb gegessenen, zermatschten und lauwarmen Speiseresten allerdings viel Überwindung erfordert. Abgesehen davon, hat man in der Regel selber was auf dem Teller, und ständig beide Portionen zu verputzen führt bald zu Ringen an den Hüften. Selber nichts zu essen und stattdessen auf die Reste der Kinder zu warten ist auch keine Lösung. Der Mensch ist ja kein Resteschwein. Ich will damit nicht sagen, dass Food-Waste kein Problem ist. Sondern nur, dass es noch weitere Ursachen dafür geben könnte und man der Gastronomie und den Supermärkten zwar viel anlasten kann, aber nicht alles.