Michael Anderson verfügte über jenes geradlinige, aber den Zuschauer süchtig machende Regiehandwerk, mit dem er die brutalsten Unausweichlichkeiten für seine Hauptfiguren derart knapp und still auf den Punkt bringen konnte, dass einem danach die Welt wie in Eis erstarrt schien. Andersons größter Erfolg war zwar 1956 die fröhliche Jules-Verne-Adaption In 80 Tagen um die Welt, aber in seinen Inszenierungen spürte man stets den Weltkrieg, den er als britischer Soldat erlebt hatte. Sein erster Triumph, der Royal-Air-Force-Heldengesang Mai 1943 (1955) über die spektakuläre Zerstörung der Ruhrtalsperren 1943, gab in Breitwand-Dimension den typischen Anderson-Erzählton vor: die Mischung aus tiefem inneren Feuer und entwaffnender Sachlichkeit.

Im Star-gespickten Film Geheimaktion Crossbow (1965), der die Zerstörung der nazideutschen V2-Raketen-Zentrale erzählt, wird selbst das finale Flammeninferno in den Schatten gestellt vom Auftritt Sophia Lorens. Sie spielt die Frau eines Raketeningenieurs, dessen Namen ein britischer Agent angenommen hat. Loren weiß nicht, dass ihr Mann tot ist. In dessen Hotelzimmer in Brüssel trifft sie auf George Peppard, der sich als Freund ausgibt. Sie sieht ihr eigenes Bild mit ihren Kindern auf dem Schreibtisch, dann kommt die Gestapo zu einer Ausweiskontrolle, und sie erfährt, dass in Peppards Pass der Name ihres Mannes steht: das Gesicht der Loren, als sie begreift, was sie gar nicht wissen dürfte! Peppard hält sie in dem Zimmer fest, bietet ihr Weißwein an. Loren fleht, er möge ihr doch vertrauen, sie werde nichts verraten, sie wolle nur zurück zu ihren Kindern. Schließlich, nachdem sie von Emotionen und Alkohol erschöpft ist, beendet eine sagenhafte Großaufnahme – nur eine einzige Träne auf Lorens Wange – die Szene. Abblende.

Am nächsten Morgen verlässt Peppard das Hotelzimmer und sagt zur von Lili Palmer gespielten Chefin des Hauses (auch sie eine Agentin für die Engländer), Loren sei vertrauenswürdig, sie solle sie gehen lassen. Kaum ist er fort, kommt Palmer mit einem Wäschewagen und Wäsche unterm Arm ins Zimmer. Darunter umklammert sie eine Pistole mit Schalldämpfer. Loren starrt sie nur an, Palmer schießt dreimal, entsetzt von ihrer eigenen Herzlosigkeit, die sie dem harten Leben im Widerstand verdankt. Der Wagen ist für Lorens Leiche. Sie hätte alles verraten, durch ihre Kinder war sie erpressbar.

Alle, die man mag in diesem Film, sterben.

Soviel man weiß, soll Michael Anderson, mit dem wir nun den letzten großen englischen Erzähler von Kriegsdramen verloren haben, ein äußerst liebenswerter Zeitgenosse gewesen sein.