Gabriele Zimmer

Wenn eine Partei in verzweifelter Lage ist, wählt sie nicht selten eine Frau zu ihrer Vorsitzenden, um sich von ihr retten zu lassen. So war es auch 2000, als Gabriele Zimmer – die in ihrer Partei nur Gabi genannt wird – Chefin der PDS wurde. Zimmer, in Thüringen eine Mitstreiterin Bodo Ramelows, sollte Frieden in eine zutiefst zerstrittene Partei bringen, die schon damals damit haderte, nur bei ostdeutschen Wählern erfolgreich zu sein. Und sie sollte die PDS erneut in den Bundestag führen. Das misslang. Nur vier Prozent der Stimmen erreichte die Partei 2002. Ein Jahr später trat Zimmer zurück. Dann begann sie eine zweite Karriere: im EU-Parlament. Seit nunmehr 14 Jahren ist Gabi Zimmer Abgeordnete in der Fraktion der Europäischen Linken, seit sechs Jahren führt sie diese als Fraktionschefin an.

Roland Claus

Er war einer der zentralen Tabubrecher der PDS: Statt nur in die Opposition zu gehen, entschied Roland Claus im Jahr 1994, eine Minderheitsregierung unter Führung der SPD in Sachsen-Anhalt zu tolerieren. Was als umstrittenes Experiment startete, hielt sich immerhin acht Jahre lang. Das sogenannte Magdeburger Modell ging fortan in die Geschichte der Linken ein. Danach gelang es Roland Claus kaum mehr, die Debatten in seiner Partei zu prägen. Auch als Mitglied des Bundestages, das er von 1998 bis 2002 und dann wieder von 2005 an war, hielt sich Claus öffentlich zurück. Das letzte Interview mit ihm, das in den Zeitungsarchiven zu finden ist, datiert aus dem Jahr 2009. Claus, 63 Jahre alt, schied im Herbst vorigen Jahr aus dem Bundestag aus.

Dagmar Enkelmann

Diese Frau wurde bekannt für etwas, für das sie nicht bekannt werden wollte. Als Dagmar Enkelmann 1990 in den Bundestag einzog, wählten Journalisten sie zur "Miss Bundestag". Ein Kollege nannte sie die "fesche Sekretärin" des Parteichefs. Ernst genommen wurde Enkelmann spätestens 2004: Als Spitzenkandidatin machte sie die PDS zur zweitstärksten Kraft in Brandenburg. Von 2005 bis 2013 war sie parlamentarische Geschäftsführerin der Linksfraktion im Bundestag. Inzwischen analysiert Enkelmann, heute 62, als Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung die Lage im Land. Die Ungerechtigkeiten trieben viele um, sagte Enkelmann voriges Jahr dem Neuen Deutschland. "Und dennoch wird uns als Partei die Fähigkeit nur sehr eingeschränkt zuerkannt, dass wir an solchen Verhältnissen etwas ändern können."

Wolfgang Methling

Zu den ersten PDS-Politikern, die nach dem Mauerfall in einer Regierung Platz nehmen durften, gehörte Wolfgang Methling. 1998 ging er in Mecklenburg-Vorpommern eine Koalition mit der SPD ein, Methling selbst wurde Umweltminister und vier Jahre später auch Stellvertreter des Ministerpräsidenten. 2006 schied die PDS aus der Regierung aus, Methling blieb bis 2011 Landtagsabgeordneter. Heute versucht er, inzwischen 70 Jahre alt, das Heimatgefühl seiner Landsleute zu wecken. Der Heimatverband Mecklenburg-Vorpommern e. V., in dessen Vorstand er sitzt, unterstützt nach eigenen Angaben "Menschen, die traditionelle Kultur mögen", sucht nach einer Hymne für das Bundesland und will eine Tracht entwickeln helfen, "in der man sich auch im modernen Leben wohlfühlt".

Gesine Lötzsch

Fünfmal in Folge zog Gesine Lötzsch per Direktmandat in den Bundestag ein. Sie ist damit eine der erfolgreichsten Wahlkämpferinnen ihrer Partei: Schon im Jahr 2002, als die PDS an der Fünfprozenthürde scheiterte, errang sie in ihrem Wahlkreis Berlin-Lichtenberg die meisten Stimmen und kam ins Parlament. Fortan mühte sich Lötzsch um ein Image als volksnahe Politikerin. In ihrem Plattenbau blieb sie wohnen, denn es würde ihr, sagte sie, "nicht gut zu Gesicht stehen, wenn ich mich plötzlich in eine feine Gegend verziehen würde". Als Vorsitzende der Linkspartei, die sie von 2010 bis 2012 war, liebäugelte Lötzsch mit rot-rot-grünen Bündnissen. Abgeordnete ist sie bis heute: Auch im vorigen Herbst zog Lötzsch in den Bundestag ein, wie gehabt per Direktmandat in Berlin-Lichtenberg.

Peter Porsch

Dass Peter Porsch sich zeit seines Politiker-Lebens abhob von anderen PDS-Persönlichkeiten, das lag vor allem an seinem Dialekt und seiner Herkunft: Er ist in Wien aufgewachsen, siedelte 1973 in die DDR über, um an der Leipziger Karl-Marx-Universität als Germanist zu forschen. Von 1990 an baute Porsch die PDS in Sachsen auf, führte die Landtagsfraktion von 1994 bis 2007 und machte seine Partei zur zweitstärksten Kraft im Freistaat.

Jahrelang setzte sich Porsch – juristisch erfolgreich – gegen Vorwürfe zur Wehr, er sei Stasi-Mitarbeiter gewesen. Vor vier Jahren, lange nach seinem Abschied aus dem Landtag, wurde er Chef der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Sachsen.

Ehrenamtlich führt Porsch, inzwischen 73 Jahre alt, außerdem einen Handball-Club an: Beim BSC Victoria Naunhof ist er Präsident.