Man glaubt, ein Kitzeln in der Nase zu spüren, wenn man durch dieses Buch blättert: Da meint man beim Lesen plötzlich das frische Brot zu riechen, das der Bäcker aus dem Ofen holt, oder den übervollen Aschenbecher des traurigen Journalisten Habib. Und wenn ihm später der Angstschweiß ausbricht und er um sein Leben fürchtet, dann hat man auch diesen in der Nase.

Mit Eine Hand voller Sterne veröffentlichte Rafik Schami Ende der achtziger Jahre die Geschichte einer Kindheit in Damaskus – die zugleich seine eigene ist. Nun erzählt der Zeichner Markus Köninger diese als Graphic Novel. Mancher wird Schami gewarnt haben: Macht ein Comic nicht genau das kaputt, was er mit seinen Worten so meisterhaft aufbaut, die Poesie der Erzählung?

Zum Glück hat Schami solche Bedenken offenbar in den Wind geschlagen – und den Illustrator machen lassen. Denn entstanden sind nun schlichte, aber zugleich fesselnde Bilder, die einen so in die Geschichte hineinziehen, dass man sie förmlich zu riechen meint.

Ganz anders in der Wirkung, dabei aber ähnlich von der Geschichte ist das jüngste Werk Schamis, sein Jugendroman Sami und der Wunsch nach Freiheit, erschienen im vergangenen Sommer. Auch dieses Buch erzählt von einer Jugend in den Gassen von Damaskus, allerdings viele Jahrzehnte später, kurz vor der Erhebung von 2011. Doch obgleich die Geschichte zeitlich näher ist, bleibt sie beim Lesen merkwürdig fern. Hier kitzelt nichts in der Nase. Woran mag das liegen?

Rafik Schamis großer Erfolg gründet in seiner Erzählkunst: Er spinnt bunte Handlungsfäden um einen wahren Kern und verwebt sie zu schillernden Mustern. Schami, der als junger Mann vor der politischen Verfolgung in Syrien nach Deutschland floh, hat daraus seine Marke gemacht. Bei Lesungen erzählt er frei, oft von seiner alten Heimat Damaskus; das Pseudonym Rafik Schami bedeutet "Damaszener Freund".

Im autobiografischen Eine Hand voller Sterne hat Schami von jenem Damaskus geschrieben, in dem er selbst groß wurde. Der Protagonist wächst als Sohn eines Bäckers auf, entdeckt seine Liebe zum Schreiben und beschließt, Journalist zu werden. Zwischen Abenteuer mit den Nachbarsjungen und die erste große Liebe mischen sich erste Begegnungen mit der Zensur, mit dem Geheimdienst und der Folter.

Die Militärdiktatur steht damals erst am Anfang. Doch die Repression, die Schami erlebt, ist dieselbe, gegen die sich Jahrzehnte später, bei den Protesten von 2011, die Syrer auflehnen werden. Der Polizeistaat von damals wirft heute Bomben auf die eigene Bevölkerung. Und so fällt es beim Lesen gar nicht auf, dass die Kinder in dieser Graphic Novel keine Smartphones benutzen, sondern Stift und Papier.