Eine Studie zeigt: Jugendliche in Europa beunruhigt die Kluft zwischen Arm und Reich.

In einem Europa der Terrorangst und des wachsenden Populismus, einem Verbund, der bald einen Mitgliedsstaat verliert – wen interessiert da noch das alte Thema soziale Ungleichheit?

Erstaunlich viele, zeigt eine neue Studie. Sie fragte junge Europäer, welche drei Aufgaben in den nächsten fünf Jahren die wichtigsten für ihr Land seien. Die Antwort "soziale Ungleichheit verringern" landete auf Platz zwei – noch vor "Terrorismus bekämpfen". 35 Prozent der Befragten wählten damit ein zumindest in deutschen Debatten randständiges Thema. Auf Platz eins steht ein weiterer politischer Klassiker: "Wirtschaftliches Wachstum fördern" finden fast 40 Prozent wichtig.

"Junges Europa" heißt die repräsentative Studie, die die Einstellungen junger Europäer aus sieben Ländern untersucht hat. Über 6.000 Menschen im Alter von 16 bis 26 Jahren befragte die TUI Stiftung zu ihrer Wahrnehmung der EU, zu ihren politischen Einstellungen, ihrer Mediennutzung und ihrer Zukunftswahrnehmung.

Dass "soziale Ungleichheit" ein so häufig genanntes Problem ist, zeigt: Die jungen Europäer nehmen den Unterschied zwischen Arm und Reich sehr bewusst wahr. Sie wollen sich nicht damit zufriedengeben, dass manche bessere Bildungschancen haben als andere und bessere Jobs bekommen, nur weil sie ökonomisch bessergestellt sind. Besonders junge Spanier, Briten und Deutsche besorgt das – alles Länder, in denen sich in den vergangenen Jahren niedrige und hohe Einkommen immer weiter voneinander entfernten.

Tatsächlich bezeichnen sich dieses Jahr – im Vergleich zur Vorjahresstudie – mehr junge Menschen neben ihrer Identität als Spanier, Deutscher oder Pole auch als Europäer. Besonders in Frankreich ist der Anteil derer mit "hybrider Identität" gestiegen. Das zeige, "dass die positiven Signale des neuen französischen Präsidenten Macron angenommen werden", interpretieren die Macher der Studie die Ergebnisse. Man brauche eine Vision, um positive EU-Bilder bei Jugendlichen zu aktivieren. Das hätten die Brexit-Gegner in ihrer "Remain"-Kampagne verschlafen.

Im Vergleich zum Vorjahr wächst auch der Anteil derjenigen, die sich explizit als Demokraten verstehen. Die Zustimmung für diese Staatsform stieg um sechs Prozentpunkte auf 58 Prozent. Bewirkt der Aufstieg populistischer Parteien in Europa eine Besinnung auf demokratische Werte? Nur teilweise, denn auch unter den Jungen sympathisieren einige mit populistischen Bewegungen von links und rechts. Ihr Anteil reicht von 7 Prozent in Deutschland bis 23 Prozent in Polen. Sie vereint die Ablehnung der Eliten und der Glaube, dass das Volk eine homogene Einheit sein muss.

Ein Ergebnis ist in diesem Zusammenhang in Zeiten von Social Bots und Firmen wie Cambridge Analytica besonders brisant: Gerade Jugendliche mit populistischen Einstellungen nutzen öfter als andere Facebook und Blogs, um an politische Informationen zu kommen. Dort, wo die Themen Einwanderung und der Kampf gegen den Terrorismus dominieren.