Donald Trumps persönlicher Anwalt Michael Cohen sitzt im holzgetäfelten Saal eines New Yorker Gerichtsgebäudes und versucht, gelassen zu wirken. Es ist eine Woche her, dass das FBI seine Wohnung, sein Büro und ein Hotelzimmer durchsucht und dabei Akten, diverse Festplatten und Handys beschlagnahmt hat. Es war eine außergewöhnlich aggressive Maßnahme, besonders da es sich um den Anwalt des Präsidenten der Vereinigten Staaten handelt. Die Richterin muss heute entscheiden, ob einige der Unterlagen zurückgehalten werden dürfen, weil sie unter das Mandantengeheimnis fallen. Es geht für Cohen um alles und für Trump um sehr viel, denn Cohen kennt wahrscheinlich die meisten seiner Geheimnisse.

Die wenigen Zuschauerbänke des Gerichtssaals sind voll besetzt. Doch kaum jemand ist wegen Cohen hier. Die Besucher drehen sich immer wieder nach hinten um und beobachten die verschlossene Tür des Saals. Sie warten auf die Frau, die das alles hier mit ins Rollen gebracht hat.

Es ist 13.59 Uhr, im Saal ist es ganz still. Dann endlich schwingt die Tür auf, und die vermeintlichen Hauptdarsteller betreten den Saal: der Pornostar Stormy Daniels und ihr Anwalt Michael Avenatti. Das Gespann, das Donald Trump gerade mit dessen eigenen Methoden vor sich hertreibt – und Amerika mit der Frage in Atem hält: Bringen sie ihn zu Fall?

Die Geschichte, die dazu führte, ist für Trumps Verhältnisse an sich nicht dramatisch. 2006 soll Stormy Daniels, oder Stephanie Clifford, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, Sex mit Trump gehabt haben. Sie hatten sich nach einem Golfturnier in Lake Tahoe kennengelernt. Es gibt Bilder von den beiden auf dem Turnier, seine Ehefrau hatte damals gerade den gemeinsamen Sohn zur Welt gebracht.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl 2016 wurde eine Tonaufnahme bekannt, in der Trump damit prahlt, dass er Frauen gerne mal zwischen die Beine greife. Eine Sexgeschichte mit einer Pornodarstellerin hätte zu diesem Zeitpunkt das Ende seiner Kandidatur bedeuten können. Zwölf Tage vor der Wahl zahlte Trumps Anwalt Cohen daher erwiesenermaßen über eine Briefkastenfirma 130 000 Dollar Schweigegeld an Daniels. Weil das Geld so kurz vor der Wahl gezahlt wurde, fragt sich das FBI nun: Hat Cohen mit dieser geheimen Überweisung Geldwäsche betrieben? War es eine illegale Wahlkampfspende? Wusste Trump von alldem?

Daniels nimmt hinten im Zuschauerraum des Gerichts Platz. Sie trägt ein fliederfarbenes Businesskostüm zur schwarzen Bluse, ihre langen, blonden Haare sind sorgfältig geföhnt, das Make-up ist dezent. Nichts erinnert an die Frau, die zwei Nächte zuvor in West Palm Beach, gleich gegenüber von Trumps Golfclub, zu den donnernden Gitarrenriffs von American Woman auf die Bühne des Stripclubs Ultra trat.

Im Ultra glitzerte an Daniels alles: der weiße BH mit blauen Sternen, die rote Korsage und eine bodenlange blau-weiße Schleppe. Im Publikum waren erstaunlich viele Frauen, sie standen ein wenig unbeholfen herum, ganz offensichtlich waren sie das erste Mal in einem Stripclub. Sie seien gekommen, um Stormy Daniels zu unterstützen, sagten sie. Die Frau, von der sie hoffen, dass sie Trump bezwingt.

Stacy Saccal, die Managerin des Ultra, hatte Daniels Anfang Januar gebucht – damals einfach nur eine bekannte Pornodarstellerin, die sich mit Strippen etwas dazuverdiente. Sie sei sich gar nicht sicher gewesen, ob die Buchung eine gute Idee gewesen sei, sagt Saccal. Denn Daniels ist 39 Jahre alt, nicht mehr das, was man in der Branche als taufrisch bezeichnet.