Der designierte US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, tritt bald seinen Job an. Seine Experten informieren ihn dieser Tage über Politik, Wirtschaft und Kultur der Deutschen. Damit da nichts schiefgeht, möchten wir mit ein paar Stichworten nachhelfen, in alphabetischer Ordnung.

Alter: Auf den Straßen Berlins sind mehr Alte zu sehen als in Washington. Alt zu sein gilt in Deutschland als Mangel, obwohl jeder alt werden möchte. Der gerechte Ausgleich dafür ist, dass es junge Leute im Beruf schwerer haben als alte.

Antisemitismus: Eine Disziplin, in der Deutschland schon viele Siege errungen hat. Erst kürzlich gab es wieder einen Musikpreis dafür. Umso mehr Ärger erregt es jetzt, dass auch Zugewanderte mitmachen wollen.

Arbeit: Ist den Deutschen wichtiger als Geld. Die Partyfrage "Und was machst du so?" beantworten wir nicht mit "Knete" oder "Kinder", sondern zum Beispiel mit: "Ich bin Vice Information Officer und berichte direkt an Herrn Meier."

Authentisch sein: Ist hierzulande sehr wichtig. Den Amerikanern wird ja nachgesagt, ihre Freundlichkeit sei unecht. Unsere Unfreundlichkeit hingegen ist von echtem Schrot und Korn.

Berlin: In Berlin glaubt man, alle Deutschen würden am liebsten in Berlin wohnen.

Brot: Wir halten große Stücke auf unser Brot. Ist viel besser als amerikanisches. Besonders beliebt sind aufbackbare Baguette-Brötchen.

Bundeswehr: Keine der Parteien, die wir in den Bundestag wählen, will die Armee abschaffen. Aber wir empören uns über Nachwuchswerbung der Bundeswehr an den Schulen und über Rüstungsforschung an Universitäten.

Englisch: Angeblich kann man in manchen Berliner Gaststätten sein Bier nur auf Englisch bestellen. Es gibt einen deutschen Bundespolitiker, den ein US-Botschafter dorthin nicht einladen sollte.

Essen: Deutsche verachten amerikanisches Fast Food und bleiben bei Currywurst, Buletten und Zwiebelmettbrötchen. Am liebsten essen sie es im Bahnabteil, dann haben alle etwas davon.

Klimawandel: Wir fürchten uns davor und tun nichts dagegen. Das ist in der US-Regierung anders: Sie fürchtet sich nicht davor.

Kreuz: Weil wir alle anderen Probleme gelöst haben, streiten wir darüber, ob das Aufhängen von Kreuzen in Amtsstuben Blasphemie sei.

Kriminalität: Nimmt ab. Die Angst davor nimmt zu.

Medien: Hierzulande schimpfen Leute auf die "Staatsmedien" und beziehen ihre Nachrichten lieber von RT Deutsch.

Meinungsfreiheit: Dass man seine Meinung nicht sagen darf, wird tagtäglich in Talkshows gesagt. Muss also was dran sein.

Nazis: Haben wir. Nur können sie niemanden mehr abholen. Stattdessen holen wir sie bei ihren Sorgen und Nöten ab.

Neoliberal: Ein Schimpfwort zur freien Verwendung. Aktuelles Beispiel: Sowohl Nicaraguas derzeitige Regierung als auch die Massenproteste gegen diese gelten der linken Presse als neoliberal.

Protektionismus: Die meisten Deutschen sind gegen Trumps Zollschranken – und gegen den Freihandel.

Small Talk: Ist oberflächlich. Lieber reden wir über das Wetter.

Trump: Die Deutschen mögen den amerikanischen Präsidenten nicht. Aber sie finden Wladimir Putin viel schlimmer: Glück für Trump!

Twitter: Wird in hiesigen Printmedien als "Kurznachrichtendienst" bezeichnet. Dass der künftige US-Botschafter gern twittert, gilt deutschen Kommentatoren als verhaltensauffällig.

Vorurteile: Amerikaner sind ungebildet. Sie haben zum Beispiel keine Ahnung, wo Österreich liegt. Allerdings wissen die meisten Deutschen nicht, wo sich Michigan befindet, der Heimatstaat des Botschafters. Michigan ist dreimal so groß wie Österreich. Hierzulande wenig geläufig sind auch die Namen Emerson, Thoreau oder Whitman.

Waffen: Wir tragen keine Waffen, sondern rasen mit SUVs über die Autobahnen.

Wein: Amerikanische Weine schmecken nach Bonbon. Es gibt außerdem tollen Dornfelder bei Aldi.