Die brisante Neuigkeit findet sich gut versteckt im Anhang des Berichts: In fünf Jahren, so steht es in der neusten Analyse des Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Lage der Staatsfinanzen, wird die Schuldenquote der Vereinigten Staaten von Amerika höher sein als die Italiens. Auf 116,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung werden sich demnach die amerikanischen Staatsschulden zu diesem Zeitpunkt belaufen, die der Italiener auf 116,6 Prozent.

Diese Prognose ist interessant, weil sie ein Licht wirft auf die Schattenseiten des amerikanischen Wirtschaftsbooms. Während Donald Trumps Beliebtheitswerte trotz immer neuer Skandale steigen, während er die deutsche Kanzlerin und den französischen Präsidenten dazu bringt, zu ihm zu pilgern, um Strafzölle noch abzuwenden, während er also seine ganze Wirtschaftsmacht demonstriert, baut sich im Hintergrund eine Gefahr für die amerikanische Wirtschaft auf: die schnell steigenden Schulden des Staates.

Natürlich ist auch der Handelskonflikt nicht ungefährlich. Seit Wochen bedrohen USA und Europäische Union sich gegenseitig damit, Zölle zu erheben. Zwar hat Donald Trump die Entscheidung noch einmal vertagt, ob er Strafzölle auf Stahl auch gegenüber der EU verhängen will: auf den 1. Juni. Aber der Streit könnte durchaus noch eskalieren.

Doch davon abgesehen läuft es im Moment extrem gut für die amerikanische Wirtschaft. Die Arbeitslosenquote ist auf 4,1 Prozent gefallen, die Börsenkurse erreichen immer neue Höchstwerte. Es ist aber nicht Donald Trumps Aufschwung, auch wenn er gerne den Eindruck erweckt. Tatsächlich geht es schon seit dem Sommer 2016 aufwärts. Da regierte noch Barack Obama, und alle Welt nahm an, dass Hillary Clinton die Wahl gewinnen werde.

Trump hat der Konjunktur noch einmal einen zusätzlichen Schub verpasst. Er hat zahlreiche Auflagen zum Schutz von Verbrauchern oder der Umwelt einkassiert – etwa den unter Obama verabschiedeten Clean Power Plan, der den Ausstoß von Kohlenstoffdioxid senken sollte. Das ist eine schlechte Nachricht für die Bürger und die Umwelt, macht aber zumindest kurzfristig den Unternehmen das Leben einfacher. Auch die Banken können neuerdings wieder ungestörter ihren Geschäften nachgehen. Vor allem aber hat Trump die Steuern gesenkt: Der Körperschaftsteuersatz liegt inzwischen bei 21 und nicht mehr wie zuvor bei 35 Prozent – eine gewaltige Entlastung für die meisten Betriebe. Auch viele Privatleute, insbesondere diejenigen, die gut verdienen, müssen weniger Steuern zahlen.

Ausreißer USA

Staatsschulden in Prozent der Wirtschaftsleistung (Prognosen)

IWF © ZEIT-Grafik

Das reißt riesige Löcher in den Staatshaushalt. Nach Schätzungen des unparteiischen Haushaltsbüros des Kongresses wird allein die Steuerreform das amerikanische Haushaltsdefizit bis zum Jahr 2028 um insgesamt 1,9 Billionen Dollar erhöhen. Dabei ist schon berücksichtigt, dass durch die niedrigeren Steuern das Wirtschaftswachstum höher ausfallen könnte, was wiederum zusätzliche Einnahmen für den Staat mit sich brächte.

Auch deshalb sind die USA unter den großen Industrienationen nach Einschätzung des IWF das einzige Land, in dem trotz des Wirtschaftsbooms die Staatsschuldenquote steigt. Denn das ist ja das Schockierende an solchen Schuldenprognosen: Eigentlich sollten die Schulden in den guten Zeiten zurückgefahren werden, damit der Staat dann im Abschwung Spielraum hat, um die Konjunktur zu stützen. In Deutschland etwa wird die Schuldenquote laut IWF in den kommenden fünf Jahren – wenn keine schwere Rezession dazwischenkommt – auf 42,4 Prozent sinken.