In der Kolumne "Zeitzeichen" schreibt der Reporter Ulrich Stock regelmäßig aus dem Redaktionsalltag von ZEIT und ZEIT ONLINE.

Diese Kolumne wird naturgemäß auch bei uns im Haus gelesen. Das Kollegium nimmt die subjektive Binnensicht auf die ZEIT einerseits aufmerksam zur Kenntnis und unterstützt den Autor andererseits gelegentlich mit Themenvorschlägen, wofür er sehr dankbar ist.

So schreibt mir eine meiner liebsten Kolleginnen eine Mail, in der sie sich der Kantine widmet, welche vor Wochen an dieser Stelle sehr gepriesen wurde. In einem Detail sieht sie eine Möglichkeit der Angebotsverbesserung, nämlich in der maschinengestützten Spätverpflegung am Abend unseres Redaktionsschlusses:

"Der Automat mit Brötchen und Süßigkeiten ist am Dienstag immer wie leer gefegt, offenbar zehrt die Produktion an den Nerven, und diese fordern dann, besonders genährt zu werden. Verzweifelte Klimmzüge am leeren Automaten sind spätestens von 17 Uhr an vermehrt zu beobachten."

An dieser Stelle, liebe Leser, mögen Sie sich fragen: Was schert uns ein leerer Automat in der ZEIT-Kantine? Von Ihrem Taxifahrer wollen Sie ja auch nicht wissen, warum ihm der Magen knurrt, sondern er soll Sie zügig und ohne zu klagen, ans Ziel bringen! Da haben Sie natürlich recht.

Aber die Pointe kommt ja erst noch. Denn die Kollegin, der "U wie Unterzuckerung" als Kolumnenthema vorschwebt, schließt ihre Hausmitteilung mit einer Paraphrase: "Weh mir, wo nehm' ich, wenn es Abend ist, die Krumen?"

Sehen Sie, so habe ich mir den Diskurs in der ZEIT immer vorgestellt.

Ich schreibe der Kollegin zurück: "Wo aber Automat ist, wächst das Nährende auch." Mit Hölderlin sich sorgen, mit Hölderlin auf Neubefüllung vertrauen!