Buttersäure, Molotowcocktails, Waffen, Geld und Macht: Das sind die Zutaten dieser Geschichte.

Zuhälter, Hooligans, Bodybuilder, Prostituierte und Polizisten: Das sind die Figuren dieser Geschichte.

Bamberg, 76.000 Einwohner, der historische Stadtkern idyllisches Weltkulturerbe, nahezu Vollbeschäftigung: Das ist der Ort dieser Geschichte.

Männlichkeit und was passiert, wenn man sie falsch versteht: Das ist das Thema dieser Geschichte.

Es ist kurz nach 23 Uhr am 14. Januar 2017, als die Männer zum dritten Mal kommen. Wieder haben sie Äxte dabei, Vorschlaghämmer und Flaschen voller Buttersäure, wieder dringen sie über dasselbe Fenster ein, wieder machen sie einen Höllenlärm. Im Bordell Fun hält sich zu dieser Zeit kein Freier auf, nur zwei Prostituierte sitzen gemeinsam auf einem Bett herum. Als einer der Männer auf das Fenster eindrischt, schreien die Frauen und rennen durch den Flur zum Hinterausgang. Die Männer sind maskiert, tragen Ganzkörperanzüge mit Kapuzen. Sie hacken Löcher in die Türen, reißen Regale um, treten Tische entzwei. Es dauert keine 30 Sekunden, da ist die gesamte Einrichtung zerstört.

Die beiden Frauen klettern aus dem Fenster. Draußen ist es kalt, ihre nackten Füße hinterlassen Spuren im Schnee. Drinnen wird es derweil immer heißer, eine Überwachungskamera zeigt, wie in einem der Zimmer Feuer erst glimmt und dann lodert, wie sich der Rauch schleichend ausbreitet, bis auf dem Video nur noch Grau zu sehen ist. Die Männer haben einen Molotowcocktail in Brand gesetzt. "Nur durch das Eingreifen der Feuerwehr konnte ein Übergreifen des Feuers auf das gesamte Gebäude verhindert werden", notiert die Bamberger Staatsanwaltschaft später in ihrer Anklageschrift. In dem Haus, in dem es auch normale Mietwohnungen gibt, halten sich noch fünf weitere Personen auf. Sie alle hätten sterben können.

Seit Februar und noch bis Anfang Juli müssen sich sieben Männer vor dem Landgericht Bamberg unter anderem wegen schwerer Brandstiftung, unerlaubten Waffenbesitzes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft. Dreimal sind sie ins Fun eingebrochen, dreimal haben sie Buttersäure verspritzt, das Mobiliar demoliert und Zehntausende Euro Schaden angerichtet. Sie haben Menschen verletzt und kaltblütig deren Tod in Kauf genommen. Und das alles, weil sie ihre Männlichkeit beweisen wollten. Weil sie Konkurrenz mit Krieg verwechselten.

Sechs der Männer sind nach 1990 geboren, halbe Jungen noch, mit teilrasierten Schädeln und dicken Armen. Tätowierte Halbstarke. Sie alle haben Angaben vor Gericht gemacht. Der siebte ist 55 Jahre alt, seinen grauen Bart hat er zu einem Zopf geflochten. Breitbeinig sitzt er auf seinem Stuhl, siegesgewiss lächelnd, als wäre er hier beim Skat mit seinen Kumpels, die Hand voller Trümpfe. Zu den gemachten Vorwürfen hat er bislang geschwiegen. Er gilt als der Spiritus Rector. Sein Beruf: "Selbstständiger Zimmervermieter von Stundenwohnungen", wie die Staatsanwaltschaft es formuliert. Ein Zuhälter, der "Ludenkönig von Bamberg", so nennen sie ihn hier. Seine Vorstrafen: Raub, gefährliche Körperverletzung, Handel mit Betäubungsmitteln. Sein Name: Ewald W.

Wann genau diese Geschichte beginnt, das ist schwer zu sagen. Denn wer die Aussagen der Zeugen vor Gericht verfolgt, wer sich in Bamberg erkundigt, der hört: Der Ewald war schon immer da. Und der Ewald hat immer Frauen verkauft. Und weil der Ewald schon immer da ist, gibt es in seiner Welt auch nur einen, der das Recht hat, in Bamberg Frauen zu verkaufen: ihn selbst.