Pamela Anomneze wurde zu einer Hochzeit eingeladen, und alles, was seither geschah, kann sie sich nur mit göttlicher Fügung erklären. Anomneze arbeitet mit Menschen, die von vielen gemieden werden: Menschen mit Schizophrenie oder einer bipolaren Störung, psychisch Kranken ohne Job und Familie. Seit sieben Jahren leitet die Sozialarbeiterin das Kunstprojekt "Studio 306", das in einer Werkstatt im vierten Stock eines Bürogebäudes am Stadtrand von London untergebracht ist.

Sie schlängelt sich an den eng nebeneinanderstehenden Holztischen vorbei, an denen die Menschen, die sie "Kunden" nennt, Silber zu Schmuck formen. Sie streicht über die Kissen, die sie hier schneidern, und fragt, ob man nicht eine selbst getöpferte Tasse kaufen wolle. "Viele unserer Kunden haben sich durch ihre Krankheit isoliert", sagt Anomneze. "Es geht darum, ihnen neues Selbstvertrauen zu geben und sie in die Gesellschaft zurückzuholen."

Man kann sich Pamela Anomneze gut als Protagonistin in einem gesellschaftskritischen Film vorstellen, in der Rolle der Kämpferin für die Kranken und Vergessenen. Herzlich, aber hart. Ihre kräftige Stimme, verstärkt durch den nigerianischen Akzent, verleiht der 52-Jährigen die Autorität einer Frau, der man nicht zu widersprechen wagt. Sie sinkt auf einen Stuhl und sagt, dass sie nie etwas für ihre Arbeit erwartet hätte. Nie.

Dann klingelte ihr Telefon, es war Anfang April. Am anderen Ende war ein Mann, der einen seltsamen Titel trug: Lordleutnant. Er sagte, er rufe im Auftrag des Königshauses an. Er sprach von Pamela Anomnezes Beitrag zur Gesellschaft und sagte: "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind zu der königlichen Hochzeit eingeladen!"

Es musste ein Scherz sein.

Erst als Pamela Anomneze einige Tage später die goldumrahmte Karte mit dem verschnörkelten Wappen in ihren Händen hielt, begriff sie: Ihr Name war tatsächlich auf der Gästeliste von Prinz Charles gelandet. "Seine Königliche Hoheit, der Prinz von Wales, bittet um die Gesellschaft von Pamela Anomneze bei der Hochzeit von Seiner Königlichen Hoheit, dem Prinzen Henry von Wales, mit Fräulein Meghan Markle am Samstag, den 19. Mai 2018", stand da in geschwungener Schrift.

Anomneze weiß noch, wie sie vor mehr als 20 Jahren in ihrem Heimatland Nigeria vor dem Fernseher saß, als der Sarg mit dem Leichnam von Prinzessin Diana durch die Straßen von London gefahren wurde. Nun wird sie Dianas Sohn bei seiner Hochzeit zusehen. Eine Einwanderin aus Afrika im Kreise der britischen Aristokratie. Für sie, die Gesellschaftskritikerin, die die Monarchie liebt, ist das ein Wunder.

In wenigen Tagen werden 2.640 Bürger – Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, Angehörige der Terroropfer von Manchester, Angestellte des königlichen Haushalts – das Brautpaar auf dem Gelände von Schloss Windsor empfangen. 600 Freunde und Verwandte werden Meghan und Harry in der Schlosskapelle erwarten. Prinz William begleitet seinen Bruder als Trauzeuge, Meghan Markles Mutter fliegt aus den USA ein, ihr Vater aus Mexiko, Elton John und die Spice Girls kommen.

Und, natürlich, Millionen Briten, die gar nicht eingeladen sind, aber trotzdem unbedingt anwesend sein wollen, wenn Prinz Harry heiratet, noch dazu, da er diese Frau heiratet: eine amerikanische Schauspielerin mit weißem Vater und schwarzer Mutter, die Yoga, Feminismus und gutes Essen liebt. Sogar Hipster und Liberale sind begeistert. Im Schloss Windsor heißt es, man habe das Interesse unterschätzt. Die Zeitungen schreiben, es könnten dieses Mal noch mehr Menschen die Trauung im Fernsehen verfolgen als bei der Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton im Frühjahr 2011. Egal ob Arme oder Reiche, Junge oder Alte, Männer oder Frauen, Alteingesessene oder Migranten – es ist in Großbritannien inzwischen in allen gesellschaftlichen Gruppen ganz normal, die königliche Familie großartig zu finden. Und all diejenigen zu beneiden, die zur Hochzeit eingeladen sind.

Pamela Anomneze schüttelt den Kopf. "Ehrlich gesagt, kann ich es noch immer nicht fassen. Warum ich?"

Seit das Königshaus den öffentlichen Teil der Gästeliste bekannt gemacht hat, hat Anomneze mehr als 500 SMS, Facebook-Nachrichten und E-Mails von Freunden und Fremden bekommen, die so begeistert waren, als träte sie selbst vor den Altar. Britische Zeitungen haben über Anomneze berichtet, nigerianische auch. Ihr 15-jähriger Sohn, das jüngste von drei Kindern, wird sie nach Windsor begleiten. Er ist Fan der Anwaltsserie Suits und ein bisschen verliebt in Meghan Markle, die darin mitspielt.